Neuer Rückschlag für EWB

Schon wieder geht ein Projekt der EWB in die Hosen: Der städtische Energieversorger stösst ein Start-up ab und schreibt 600 000 Franken in den Wind. «EWB hat den Überblick verloren», tönt es aus der FDP.

«Mobility House» hat nicht rentiert: Medienkonferenz der EWB (Archivbild).

«Mobility House» hat nicht rentiert: Medienkonferenz der EWB (Archivbild).

(Bild: Adrian Moser)

Christoph Lenz@lenzchristoph

Vielleicht waren es der schlechten Nachrichten zu viel. Als EWB-Chef Daniel Schafer vor zwei Wochen den mässigen Jahresabschluss seines Unternehmens präsentierte, erwähnte er den jüngsten Rückschlag mit keiner Silbe. Nun aber ist es amtlich: Anfang April hat EWB eine Tochtergesellschaft, die Mobility House AG Schweiz, abgestossen. Unter dem Strich resultiert ein Verlust von 600 000 Franken. «Diese Hüst-und-Hott-Geschäftspolitik muss aufhören», sagt Bernhard Eicher, Chef der FDP-Fraktion im Stadtrat.

Es war in der Tat ein kurzes Abenteuer: Erst im August 2010 hatte EWB gemeinsam mit Partnern aus Österreich die Gründung der Mobility House AG verkündet. Beide Seiten investierten 350 000 Franken, um die neue Tochtergesellschaft zu einem «führenden Anbieter von Lösungen rund um Elektromobilität» zu machen. Unter anderem hat Mobility House ein umfangreiches Mietpaket für Elektrofahrzeuge entwickelt. Es umfasste nicht nur die Miete des Gefährts, sondern auch den Service, den Versicherungsschutz, den Zugang zu Ladestationen und nicht zuletzt die für den Antrieb benötigte Energie – Ökostrom, versteht sich.

Start-ups sind riskant

Das Problem: In Bern stiessen die Angebote der Mobility House AG auf wenig Interesse. EWB-Sprecherin Alexandra Jäggi bestätigt: «Die Einnahmen lagen unter den Erwartungen.» Zudem habe sich die Firma stärker im internationalen Markt entwickelt, was nicht den ursprünglichen Erwartungen von EWB entspreche. Deshalb habe man die Beteiligung an der Mobility House AG abgestossen. Konkret: Nebst der Beteiligung von 350 000 Franken, die EWB in den Wind geschrieben hat, wurde ein Darlehen in der Höhe von 500 000 Franken nur zur Hälfte zurückbezahlt.

Sprecherin Jäggi verweist zudem darauf, dass der Verlust das EWB-Jahresergebnis 2013 nicht belasten werde: «Wir haben die Beteiligung an der Mobility House und das Darlehen bereits über die letzten Jahre vollumfänglich abgeschrieben.» Dies sei eine Vorsichtsmassnahme gewesen. «Bei Start-ups existieren immer gewisse Risiken», so Jäggi.

Genau diese Risiken sorgen unter Stadtberner Politikern für immer mehr Unmut. Nicht zuletzt, weil es nach dem Millionen-Verlust bei den Gasbus-Betankungsanlagen einmal mehr die EWB-Sparte New Business ist, die für Negativmeldungen sorgt. Sie war einst als Zukunftswerkstatt der EWB gedacht: Hier sollte sich der städtische Energie- und Wasserversorger neue Geschäftsfelder in der Telekommunikation und in der Mobilität erschliessen. Zu reden gaben aber zuletzt hauptsächlich die spektakulären Verluste und Abschreiber. Die Fehlbeträge der letzten drei Jahre summieren sich auf über 30 Millionen Franken.

«Der Steuerzahler zahlt»

«Der Fall Mobility House bestätigt unsere Befürchtungen», sagt FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher. EWB engagiere sich offensichtlich in zu vielen Geschäftsfeldern. «Vor lauter Expansion verliert EWB allmählich den Überblick.» Eicher hat Anfang April einen Vorstoss im Berner Stadtparlament eingereicht, in dem er eine Reihe von kritischen Fragen zum Risiko-Controlling bei EWB und ihren Tochtergesellschaften stellt. Er wolle solche Defizite nicht mehr länger dulden, sagt Eicher. «EWB gehört zu 100 Prozent der Stadt Bern. Somit ist es letztlich der Steuerzahler, der für diese Verluste aufkommen muss.»

Auch bei der Aufsichtskommission (AK) des Stadtrates, die den EWB-Geschäftsbericht an einer der nächsten Sitzungen beraten wird, ist man aufgrund der jüngsten Ereignisse hellhörig geworden: «Wir prüfen die Geschäftsberichte zwar immer sehr seriös. Dieses Mal werden wir aber sicher noch etwas genauer hinschauen», sagt AK-Präsidentin Nicola von Greyerz (SP). «Insbesondere die Tochtergesellschaften der EWB dürften an unserer Sitzung für intensivere Diskussionen sorgen als in den letzten Jahren.»

Der Bund

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