Nächstes Kapitel im Streit um die Deponie Eyacher

Die Aushubdeponie Eyacher in Thierachern bei Thun ist erst seit kurzem in Betrieb. Doch nun fordern Anwohner, die Deponie bis Ende Jahr zu schliessen.

Es werde alles genau kontrolliert, heisst es bei der Betreiberin der Deponie.

Es werde alles genau kontrolliert, heisst es bei der Betreiberin der Deponie. Bild: Franziska Rothenbühler

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Die Aushubdeponie Eyacher in Thierachern bei Thun ist noch nicht lange in Betrieb. Die Gegner der Deponie unterlagen letzten Oktober im Rechtsstreit vor Bundesgericht. Die Betriebsbewilligung des Kantons für die Firma Isenschmid AG datiert vom 26. April.

Nun verlangen Anwohner, die Deponie sei mit sofortiger Wirkung bis Ende Jahr zu schliessen. «Wir gehen davon aus, dass das jährlich zulässige Deponievolumen von 60000 Kubikmetern bereits überschritten ist», sagt Peter Zürcher von der IG Antideponie. Er begründet seine Zahl mit einer Hochrechnung. «Wir nehmen an, dass die Firma gegen die Vorschriften der Überbauungsordnung verstösst», sagt Zürcher.

Insgesamt dürfen in der Geländemulde an der Strasse von Thierachern nach Blumenstein 520000 Kubikmeter unverschmutztes Aushubmaterial abgelagert werden. Der Kanton bewilligte die Deponie, obwohl die Gemeinde das Vorhaben an der Urne knapp abgelehnt hatte.

Vorübergehend geschlossen

Bei der Deponie sind die Gitter zu, ein Fahrverbot ist aufgehängt. Die Deponie sei vorübergehend geschlossen, sagt Jürg Grossen, Geschäftsleiter der Isenschmid AG bei einem Augenschein. Heisst das, die Firma hat bereits mehr abgelagert, als sie dürfte? Das stellt Grossen vehement in Abrede: «Wir sitzen im Glashaus, es wird alles kontrolliert.» Derzeit verfüge man über andere Möglichkeiten zur Ablagerung. Er präsentiert die ausgedruckte Statistik.

Demnach sind seit der Erteilung der Betriebsbewilligung am 26. April 23203 Kubikmeter nach Thierachern transportiert worden. Zuvor hat die Firma einen Installationsplatz für Waschanlage, Eingangskontrolle, Bürocontainer und Weiteres aufgeschüttet. Ein solcher Installationsplatz sei eine Bedingung, um eine Bewilligung zu erhalten, sagt Grossen. Die dafür verwendete Menge von 25000 Kubikmetern sei nicht ans Jahresvolumen anzurechnen. Dieser Punkt wird von den Gegnern bestritten. Für sie ist das Kalenderjahr massgebend.

Als Baupolizei ist die Gemeinde Thierachern zuständig: «Wir werden einschreiten, wenn mehr als die festgelegten 60000 Kubikmeter zugeführt werden», sagt der zuständige Gemeinderat Andreas Berger (SP). «In einem solchen Fall könnten wir beschliessen, den Deponiebetrieb einzustellen.» Für Berger ist die Zahl von 25000 Kubikmetern für den Installationsplatz zu hoch angesetzt. Der Gemeinderat ist Präsident der Begleitkommission, die den Sachverhalt nun beurteilen muss. Die Gemeinde kann gesamthaft mit einer Entschädigung von 1,2 Millionen Franken für den Betrieb der Deponie rechnen.

Die Gegner der Deponie ihrerseits haben nicht nur eine Anzeige eingereicht, sie verlangen überdies vom Kanton, dass die kantonale Überbauungsordnung angepasst werden soll. Namentlich wird beantragt, dass die Zulieferung von Material für die Deponie Eyacher auf den Entwicklungsraum Thun zu beschränken ist. Das sei derzeit nicht der Fall. «Wir haben festgestellt, dass die Lastwagen zum Teil auch aus der Region Mittelland Material heranführen.» Die Überbauungsordnung wurde vom Kanton auch mit dem Argument erlassen, dass im Entwicklungsraum Thun zu wenig Deponievolumen bestehe.

Der Kanton sprach von einem «Deponienotstand». Mit der Aushubdeponie Thierachern könnten überflüssige Transportwege vermieden werden. Auf den Dokumenten der Isenschmid AG sind tatsächlich Transporte aus Bern und Hinterkappelen verzeichnet, aber nur kleinere Mengen. «Es wäre unsinnig, wenn unsere Lastwagen leer aus dem Raum Bern nach Thun zurückkehrten», sagt Geschäftsleiter Grossen dazu. Er habe zehn Jahre für die Deponie gekämpft. Er werde alles tun, um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten.

Kanton prüft Anliegen

Beim Amt für Gemeinden und Raumordnung äussert man sich nicht zum Inhalt des Begehrens oder zu den Vorwürfen. «Wir prüfen derzeit, ob es rechtlich überhaupt möglich wäre, die rechtskräftige kantonale Überbauungsordnung anzupassen», sagt Amtsvorsteher Daniel Wachter. «Die Überbauungsordnung wurde bis vor Bundesgericht angefochten und von diesem ohne Änderungen für gut befunden.» Dagegen sei es Sache der Gemeinde Thierachern, die Einhaltung der Überbauungsvorschriften zu kontrollieren. (Der Bund)

Erstellt: 06.09.2018, 06:54 Uhr

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