Mit Näf verliert die SP einen scharfzüngigen Parteisoldaten

Roland Näf legt im Herbst sein Amt als Präsident der SP Kanton Bern nieder. Für seine Nachfolge sucht die Partei eine Frau. In der Poleposition sind aber eher Männer.

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Im Grossen Rat ist er für die Bürgerlichen ein rotes Tuch. Denn Roland Näf scheut sich nicht, im Kantonsparlament zu provozieren. Dies wird er zwar weiterhin tun können, bleibt der Grossrat doch im Rathaus. Als Präsident der SP Kanton Bern mag er den Kampf gegen die bürgerliche Mehrheit aber nicht mehr führen. Am kantonalen SP-Parteitag in Thun wird Parteipräsident Roland Näf heute offiziell seinen Rücktritt ankünden. Im Herbst 2014 wolle er sein Amt niederlegen, liess Näf im Interview mit dem Fernsehsender TeleBärn gestern Abend verlauten. Auch auf eine Nationalrats-Kandidatur verzichtet er. «Schon seit über einem Jahr spiele ich mit dem Gedanken, zurückzutreten. Nun habe ich mich durchringen können», sagt Näf gegenüber dem «Bund». Sechs Jahre in der Parteileitung seien genug. Ausserdem sei es Zeit für ein neues Gesicht an der Spitze.

Warum nicht Matthias Aebischer?

Näf kämpfte jeweils mit spitzer Zunge für die Anliegen seiner Partei. In der Erinnerung bleibt sein Nationalratswahlkampf von 2011, als er in Anlehnung an James Bond im «Dienste aller statt seiner Majestät» loszog. Innerhalb der Partei wurde seine Arbeit geschätzt. Grossrat Patric Bhend sagt, Näf sei «ein Glücksfall» für die Partei gewesen. Er sei «voll für die Partei hingestanden und habe viel einstecken müssen», sagt die inzwischen zurückgetretene Grossrätin Margreth Schär. «Er hat die Kommunikation der Partei weitergebracht», meint Grossrat Adrian Wüthrich.

Die SP des Kantons Bern konnte bei den Wahlen Ende März ihren Wähleranteil von 18,9 auf 19,1 Prozent erhöhen – dies nach einem Taucher um 5,14 Prozentpunkte zwischen 2006 und 2010. Zudem sank die Sitzzahl der SP bei den Wahlen von 2014 trotz höherem Wähleranteil von 35 auf 33.Mit Näfs Rücktritt steht die SP vor einer neuen Personalsuche. Er selbst will keine möglichen Nachfolgerinnen oder Nachfolger nennen. «Es wird eine Findungskommission installiert, die mit Sicherheit jemand Passendes für die Parteispitze finden wird.» Ein Name, der auch parteiintern hoch gehandelt wird, ist derjenige von Nationalrat Matthias Aebischer. Sein Handicap ist allerdings, dass er ein Mann ist. Bei der SP entspricht es der Gepflogenheit, dass nach einem Mann jeweils eine Frau folgt. «Es wird in der Richtung weitergehen», sagt Ursula E. Brunner, die als Präsidentin der SP-Frauen auch der Findungskommission angehört. Ein Ausweg könnte ein Doppelpräsidium mit einer Frau und einem Mann sein.Für Matthias Aebischer ist allerdings klar, dass es «eine Frau sein muss, die in der kantonalen Politik verankert ist.» Er selber wurde bislang nicht angefragt. Daher habe er sich auch noch keine Gedanken darüber machen können.

Dem Vernehmen nach wurden bereits erste SP-Frauen angefragt. Auf den ersten Blick kämen etwa die Nationalrätinnen Evi Allemann, Nadine Masshardt oder Margret Kiener Nellen infrage. Auch der Name Flavia Wasserfallen, ehemalige Grossrätin und Generalsekretärin der SP Schweiz, kursiert derzeit. Ins Spiel gebracht wird auch die Stadtberner Grossrätin Ursula Marti. Von den Männern wäre Michael Aebersold, Chef der Grossratsfraktion, ein möglicher Kandidat. Derweil will der scheidende Parteipräsident Roland Näf die freie Zeit intensiv mit seiner Familie nutzen: «Ich freue mich aufs Kitesurfen mit meinem Sohn», sagt er. Der SP werde er in beratender Funktion zur Seite stehen. (Der Bund)

Erstellt: 16.05.2014, 17:36 Uhr

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