Migrationsdienst schliesst Zentren - Berner Hochfeld bleibt

Die beiden für Asylsuchende genutzten Zivilschutzanlagen in Biel sollen geschlossen werden – wegen baulicher Mängel. Das Hochfeld in Bern dagegen bleibt in Betrieb – obwohl die Stadt Bern über keinen Auftrag zur Führung von Asylzentren verfügt.

Da hilft auch kein Lavendel-Baum: Die Lüftung der Zivilschutzanlage Wasen in Biel ist schlicht zu schlecht.<p class='credit'>(Bild: Keystone Peter Klaunzer)</p>

Da hilft auch kein Lavendel-Baum: Die Lüftung der Zivilschutzanlage Wasen in Biel ist schlicht zu schlecht.

(Bild: Keystone Peter Klaunzer)

Der Migrationsdienst (Midi) des Kantons Bern will die beiden Zivilschutzanlagen in Biel, in denen seit zwei Jahren Asylsuchende untergebracht sind, schliessen. Das geht aus einem Schreiben hervor, das der Midi letzte Woche an die Partnerorganisationen verschickt hat und das dem Bund vorliegt. Darin steht, dass er beabsichtige, «die unterirdischen Zentren Wasen und Linde» zu schliessen.

Diese Absicht erstaunt. Denn in der Stadt Bern wird – ebenfalls seit zwei Jahren – die Zivilschutzanlage Hochfeld in der Länggasse als Asylunterkunft genutzt. Die Stadt Bern hat dem Kanton die Anlage vor zwei Jahren «aufgrund der starken Zunahme von Asylgesuchen» vorübergehend zur Verfügung gestellt. Den Betrieb übernahm die umstrittene private Firma ORS Service AG. Ursprünglich war von einer voraussichtlichen Betriebsdauer von sechs Monaten die Rede. Anders als die Organisation Asyl Biel und Region (ABR), die die beiden Zivilschutzanlagen in Biel betreibt, hat die Stadt Bern vom Midi kein Mandat für die Unterbringung von Asylsuchenden in Asylzentren. Deshalb war bisher davon auszugehen, dass der Midi bei einer Abnahme der Asylzahlen, wie sie in den letzten Monaten zu beobachten war, als Erstes das Hochfeld schliessen würde.

Biel fordert «bessere Verteilung»

Dass man nun die Bieler Anlagen schliesst, begründet Markus Aeschlimann, Leiter des dem Midi übergeordneten Amts für Migration und Personenstand (MIP), mit «Schäden an der Bausubstanz». Nach dem bald zweijährigen Betrieb hätten sich folgende Mängel offenbart: Bei starken Niederschlägen dringe an mehreren Stellen Wasser ein. Und «auch in der Umwälzung des Sauerstoffs» zeige sich, «dass die Anlagen anscheinend nicht für eine so lange Betriebsdauer geeignet» seien.

Die Direktion für Soziales und Sicherheit der Stadt Biel bestätigt auf Anfrage, dass sie den Kanton aufgrund der in den beiden Anlagen aufgetretenen Probleme ersucht habe, «andere Lösungen zu suchen». Zudem sei die Direktion der Auffassung, dass die Stadt Biel mit heute drei Durchgangszentren (Wasen, Linde und Schlüssel) im Vergleich zu anderen Gemeinden und Städten «einen überdurchschnittlich hohen Beitrag» leiste und vom Kanton «eine bessere Verteilung von Durchgangszentren auf den ganzen Kanton anzustreben» sei.

Wasen werde auf Ende 2014 geschlossen, der genaue Zeitpunkt für die Schliessung der Anlage Linde sei noch nicht bekannt, schreibt die Bieler Direktion. Die Organisation ABR sei «über die laufenden Prozesse im Bild», die Information von ABR sei aber Sache des Kantons. ABR selbst darf sich aufgrund einer Klausel im Leistungsvertrag mit dem Kanton nicht öffentlich äussern.

«Auf jede Unterkunft angewiesen»

Das Hochfeld in Bern sei im Gegensatz zu den Anlagen in Biel «keine unterirdische Anlage», schreibt der MIP-Leiter Aeschlimann; denn sie werde «durch Fenster belüftet». Aufgrund der Tatsache, dass die Asylzahlen «wieder im Steigen begriffen» seien und die Unterbringungskapazitäten im Kanton Bern erneut knapp werden könnten, sei der Kanton auf jede zur Verfügung stehende Kollektivunterkunft angewiesen. «Das MIP geht davon aus, dass die Stadt Bern dem Kanton diese Zivilschutzanlage weiterhin zur Verfügung stellt.»

Ungünstig ist das Festhalten des Midis am Hochfeld für die Partnerorganisationen mit Leistungsverträgen: für ABR, die Heilsarmee Flüchtlingshilfe und die Asylkoordination Thun. Denn deren Zentren waren in den letzten Monaten nicht mehr ausgelastet. Und weil die Pauschalen, die sie vom Kanton erhalten, ab dem nächsten Jahr direkter an die Zahl der Asylsuchenden, die sie betreuen, gebunden sein werden, sind sie künftig noch stärker auf eine gute Auslastung angewiesen.

Der Bund

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