Materialschlacht in 3 Minuten 20 Sekunden

Das Armeelogistikcenter in Thun verteilt seit Wochenenanfang 54'000 Ausrüstungsteile an 1200 frische Rekruten.

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Die Aushebung für Dienstpflichtige dauert – je nach Truppengattung – zwei bis drei Tage. Die persönliche Ausrüstung der Stellungspflichtigen hingegen benötigt einen Bruchteil dieser Zeit: exakt 3 Minuten und 20 Sekunden. So lange rechnen die Verantwortlichen des Armeelogistikcenters Thun zumindest, um die 1200 Rekruten, die am Montag auf dem ältesten Waffenplatz der Schweiz zur Sommer-RS eingerückt sind, von Kopf bis Fuss auf Grün zu trimmen.

Im Akkord werden die neuen Armeeangehörigen derzeit mit Kleidung, Schuhen, Gepäck und der persönlichen Waffe ausstaffiert. Damit die Truppe am Schluss einheitlich daherkommt, braucht es mehr als nur dieselbe Tuchfarbe des Uniformrocks: Gefragt sind Augenmass und Organisation.

Pro Jackengrösse 15 Modelle

Während eine Gruppe junger Männer im Hof vor der Retablierungsstelle an der Allmendstrasse noch in lässig gestreiftem Trainingsanzug, Bluejeans und kariertem Pullover das richtige Salutieren übt, geht es im alten Stallungsgebäude bereits seit 7 Uhr zu wie im Grosswarenladen. Zumindest, was das Warenangebot angeht: Palettenweise liegen Effektentaschen, Stahlhelme, Gurte, Handschuhe und weitere 45 Ausrüstungsgegenstände bereit, um an den Mann gebracht zu werden. In richtiger Grösse und Reihenfolge.

Einmal Bundweite und Schrittlänge ausgemessen, lässt sich im selben Umgang für jeden Rekruten auch gleich die passende Jacke des Tarnanzugs ermitteln: 40 Zentimeter Bundweite ergibt Jackengrösse 48, ein Rekrut mit Taillenumfang 52 benötigt eine Jacke Grösse 62. Zumindest erfahrungsgemäss. Die Anprobe des Dienstanzugs folgt deshalb auf dem Fusse: Für die Rekruten heisst es reihum heraus aus den zivilen Kleidern, hinein ins grüne Einheitstenue.

Ob die Kleidung richtig sitzt, beurteilen zwei Profischneiderinnen mit geübtem Blick. «Sie sehen sofort, ob etwas zu weit, zu eng oder zu kurz ist», sagt Marietta Bühler, Chefin Persönliche Ausrüstung des Armeelogistikcenter Thun. Pro Jackengrösse gibt es 15 verschiedene Modelle, die sich punkto Rocklänge, Weite, Schnittform unterscheiden. Hosen gibt es in zwölf Beinlängen am Lager.

Will trotz der grossen Auswahl keine Uniform richtig sitzen, wird eine Massanfertigung gemacht. Das komme pro RS etwa 15-mal vor, so Bühler. Der durchschnittliche Panzergrenadier trägt allerdings die Masse 44 (Hosenbund) 76/80 (Schrittlänge) sowie einen Helm Grösse M – ein Erfahrungswert.

T-Shirt packen im Akkord

An der Theke nebenan wird den Rekruten ihr persönlicher Transportwagen ausgegeben – die Trolleys für das schwere Gepäck. Der Durchdiener, der die Gepäcktaschen gleich bündelweise mit Kleidung füllt, legt ein Tempo vor, als trainiere er für die Berufsolympiade. Im Akkord packt er fünf T-Shirts, drei «Gnägi»-Leibchen – benannt nach dem früheren Berner Bundesrat – sowie funktionelle Unterwäsche in die Tasche – alles vorabgepackt und verschnürt.

Zwischen Grundtrageeinheiten und Handschuhstation sagt ein Rekrut aus Vinelz, es sei schon aufregend hier, jetzt, da es richtig losgehe und er das ganze Material erhalte. Für einen Schwatz bleibt indes wenig Zeit, er muss weiter.

Die Materialschlacht ist noch nicht geschlagen

Der Zeitplan ist straff: Für die nächste Station – die Anprobe der Kampfstiefel – sind 40 Sekunden vorgesehen. «Die Rekruten haben zwar bei der Aushebung bereits ein Paar Stiefel erhalten», sagt Marietta Bühler. «Hier wird aber nochmals genau die Schuhgrösse nachgemessen und den Rekruten ein zweites Paar Schuhe abgegeben.» Allerdings wird dieses Schuhpaar erst einmal unbenützt bleiben. Eine Art Rückversicherung – des umsichtigen Umgangs mit Armeematerial wegen.

Da in den ersten Wochen einige der Rekruten aus dem Dienst ausscheiden werden – sei es aus persönlichen oder gesundheitlichen Gründen –, können die unbenutzten Stiefel als Neumaterial zurückgenommen werden.

Noch ist die Materialschlacht zum Sommer-RS-Start 2012 in Thun nicht ganz geschlagen. Im Gegenteil: Heute Morgen startet der Kraftakt im Logistikcenter von neuem. Bis Ende Woche absolvieren alle Rekruten den Materialparcours nochmals, um auch noch die Ausgangsuniform zu beziehen. «Bis dahin muss alles erledigt sein», sagt Bühler. «Eine Pflichtvorgabe.» (Der Bund)

Erstellt: 04.07.2012, 12:50 Uhr

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