Luchse mögen das Berner Oberland

Das Berner Oberland weist die zweithöchste Dichte an Luchsen auf. Die Jäger fordern eine Regulierung des Bestandes.

Kurz vor Weihnachten spazierte der Luchs B318 vor die Linse einer Fotofalle im Berner Oberland.

Kurz vor Weihnachten spazierte der Luchs B318 vor die Linse einer Fotofalle im Berner Oberland. Bild: zvg Kora

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Im Berner Oberland haben Luchse schon bald Dichtestress. Eine von der Wildtierfachstelle Kora veröffentlichte Studie schätzt 3,13 Luchse pro 100 Quadratkilometer. Nur im Jura ist die Luchsdichte leicht höher. Konkret leben im Berner Oberland 18 erwachsene Luchse, wie die Autoren der Studie schreiben. Die Zahlen sind neu. Es handelt sich um das erste systematische Monitoring der Luchse mittels Fotofallen im Berner Oberland. Insofern lässt sich nicht sagen, wie sich der Bestand an Luchsen in den letzten Jahren verändert hat. Eine solche Studie liegt erst aus der Zentralschweiz vor. Dort ist der Bestand in den letzten vier Jahren von 1,54 auf 2,5 Luchse pro 100 Quadratkilometer angewachsen.

Warum gibt es im Berner Oberland mehr Luchse als anderswo? Mit letzter Sicherheit lasse sich das nicht beantworten, sagt die Wildtierökologin Kristina Vogt von Kora. Es sei normal, dass die Anzahl Tiere in einer Population schwanke. «Der Luchs findet im Berner Oberland genügend Nahrung», sagt sie. Nahrung und Lebensraum seien bei allen Wildtieren für den Fortpflanzungserfolg entscheidend. Der Luchs ernähre sich hauptsächlich von Rehen und Gämsen. Ab und zu erlege er einen Fuchs oder Hasen. Nutztiere reisse der Luchs hingegen selten. Auf rund 190 Luchse in der Schweiz würden jährlich etwa 50 Nutztierrisse gemeldet. «Im Verhältnis zu den Rissen durch Wölfe, von denen es weniger gibt, ist die Zahl unbedeutend», sagt Vogt.

Allerdings reduziert der Luchs den Bestand des Wildes. Das freut die Waldbesitzer. Denn das Schalenwild, also Rehe und Gämsen, schadet durch sogenannten Verbiss den Bäumen. Der Kanton Bern will deshalb die Studie zur Verbreitung des Luchses mit der Studie zu Verbissschäden im Kanton Bern abgleichen, wie der Jagdinspektor Niklaus Blatter sagt. Noch liegen die Resultate nicht vor. Doch bestehe die Vermutung, dass der Wald weniger leide, wo es mehr Luchse gebe.

Jäger wollen die Zahl der Luchse regulieren

Weniger Freude an der hohen Luchsdichte haben die Jäger. «Die Studie bestätigt, was wir schon lange vermutet haben», sagt der Präsident des Berner Jägerverbandes und BDP-Nationalrat Lorenz Hess. Die Luchsdichte sei zu hoch. Ursprünglich sei von einer anzustrebenden Dichte von 1,5 Luchsen pro 100 Quadratkilometer die Rede gewesen. «Das Experiment ist aus dem Ruder gelaufen.» Der Kanton müsse nun beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) ein Gesuch um Regulierung des Luchsbestandes einreichen. Denn ein ausgewachsener Luchs reisse pro Jahr rund 50 Rehe oder Gämsen. Hess nimmt aber an, dass es oft mehr seien, weil die Wälder heute stark von Freizeitsportlern genutzt würden. Ein Luchs fresse nämlich während mehrerer Tage an einem erlegten Tier. Werde er aber zum Beispiel durch einen Freizeitsportler gestört, kehre er nicht mehr zurück.

Der Luchs B318 in der Fotofalle von Kora im Winter. Bild: zvg Kora

Der Jagdinspektor Niklaus Blatter bestätigt Hess’ Beobachtung. «Es ist eine Luchsdichte, bei der wir langsam schauen müssen.» In den letzten Jahren sei ein Rückgang des Schalenwilds festgestellt worden. Man werde die Zahlen nun genauer analysieren und sich mit anderen Kantonen in Verbindung setzen. Daraus ergebe sich, ob und allenfalls welche Massnahmen angebracht seien.

Ein Zusammenhang des Populationsrückgangs von Rehen und Gämsen mit der Luchsdichte ist jedoch noch nicht nachgewiesen. Die Population der Gämsen sei in verschiedenen Gebieten des Alpenraums kleiner geworden, hält Kristina Vogt von Kora entgegen. Auch in Gebieten, in denen keine Luchse leben. Der Rückgang eines Tierbestandes könne viele Ursachen haben: Krankheiten, Klimawandel, Freizeitaktivitäten von Menschen, um nur ein paar aufzuzählen. Ob und welche Rolle der Luchs dabei spielt, untersucht Vogt nun im Auftrag von Kora. Ende nächsten Jahres sollen die Resultate vorliegen.

Gemäss Luchskonzept des Bafu ist die Luchsdichte von 1,5 Tieren pro 100 Quadratmetern allerdings der Mindestbestand. Zudem verlangt der Bund verlässliche Daten über die Bestandesentwicklung sowohl der Luchse als auch der Rehe und Gämsen. Das Monitoring der Berner Luchspopulation war somit erst ein erster Schritt. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.07.2017, 15:11 Uhr

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