«Lernen ist immer noch harte Arbeit – auch mit E-Learning»

Der 65-jährige Peter Egger hat den HEP-Verlag aufgebaut. Dieser gilt im digitalen Bereich als Vorreiter und ist in Deutschland bekannter als in Bern.

Unternehmer Peter Egger findet die Lebensqualität in der Stadt Bern «wunderbar».

Unternehmer Peter Egger findet die Lebensqualität in der Stadt Bern «wunderbar».

(Bild: Franziska Scheidegger)

Markus Dütschler

Schulbücher gelten als Mauerblümchen, weil man sie nicht lesen will, sondern muss. Schulbuchverlage müssen demnach verstaubte Orte sein. Peter Egger zerstreut solche Vorurteile. Der 65-jährige Firmengründer, nach einer Operation rekonvaleszent, aber braun gebrannt, wirkt eher wie ein Tourismusdirektor mit Skilehrerpatent. Er führt durch die modern möblierten Büros in Bern, stellt die Mitarbeitenden mit Vornamen vor und erklärt, wofür sie zuständig sind.

Egger stammt aus Grindelwald und ist tatsächlich viel Ski gefahren, aber nicht nur zum Vergnügen. Sein Vater, ein Bahnarbeiter, war in der Freizeit ein begeisterter Landwirt, der Grossvater war Kleinbauer. Als Bub molk Peter Egger die Kühe des Nachbarn, mähte auf den Vorsassen Gras, verteilte es an den Hängen zum Trocknen und schaffte das Heu im Seil mit dem Tragsack in weit entfernte Scheunen. Unwillkürlich steht Egger im Konferenzzimmer auf und führt die Bewegungen vor. Etwa, wie man am Einachser «ds Guidon» drehte, sodass er am Steilhang zum Mähen des Grases einsetzbar war. Er habe Bäume gefällt, das Holz mit dem Hori-Schlitten zu Tal gefahren, Holz gehackt und Scheiterbeigen aufgeschichtet. «Ich hatte eine schöne Jugend», findet Egger.

Der Wechsel ans Lehrerseminar Muristalden sei eine grosse Umstellung gewesen, sagt Egger. «Die Mitschüler hatten Mühe, meinen Dialekt zu verstehen.» Vier Jahre arbeitete er als Primarlehrer, dann absolvierte er die Berufsschullehrerausbildung und unterrichtete Handwerker an der GIBB. Am Paradigmenwechsel des allgemein bildenden Unterrichts vom Fach- zum Themenunterricht habe er massgeblich mitgewirkt. Die Schulen hätten neue Lehrmittel gebraucht. Im Lehrerkonvent habe es geheissen: «Der Egger kann das, der war ja Journalist.» In der Tat hatte er für die BZ, den «Sport» und das «Bieler Tagblatt» über Matches berichtet.

Sprung in Selbstständigkeit

Nach dem Abgang beim Verlag Sauerländer orientierte sich Egger neu. Als er um die Jahrtausendwende Men Haupt kennen lernte, Spross der gleichnamigen Verlegerfamilie mit entsprechendem Know-how, wagte er den Schritt in die Selbsstständigkeit. Der HEP-Verlag brachte nebst Pädagogik- und Fachbüchern vor allem auch Lehrbücher auf den Markt, bei denen schon zu Beginn das Digitale eine Rolle spielte – und dies immer mehr. Bücher werden heute mit Apps kombiniert. Lernende und Lehrkräfte kommunizieren elektronisch, markieren Textstellen farbig, hinterlassen Bemerkungen und Korrekturen und ergänzen das Dossier mit weiteren Inhalten. «Wir haben die Digitalisierung stärker umgesetzt als andere», sagt Egger nicht ohne Stolz. Doch E-Learning sei kein Spiel: «Lernen ist und bleibt harte Arbeit.»

Wie wohl fühlt sich der Unternehmer in der rot-grün regierten Stadt Bern? Gewerbler und Industrielle beklagen eine zu hohe Regelungsdichte, zu wenig Parkplätze, zu hohe Steuern. «Ich bin kein Nörgler», sagt er. Steuern seien ein wichtiger Faktor, doch anderes sei wichtiger, etwa die Lebensqualität. «Es ist wunderbar, wenn man über Mittag in der Aare schwimmen kann.» Von den Wirtschaftsverbänden fühle er sich nur bedingt vertreten: «Es braucht auch linke Unternehmer.»

Mit einer linken Frau ist Egger verheiratet, mit Alt-Regierungsrätin Barbara Egger. Als junge Eltern hätten sie sich Erwerbs-, Erziehungs- und Hausarbeit geteilt, damals eher unüblich. Einigen Freunden habe es missfallen, dass sie die Kinder zeitweise in der Krippe betreuen liessen. Er habe die Zeit genossen, und das Staubsaugen habe er nicht erst als Hausmann gelernt: Als Bub habe er in Grindelwald auf Geheiss der Mutter Ferienwohnungen geputzt, bevor Gäste einzogen. Inzwischen hat er jede zweite Woche einen Hütetag eingeplant – fürs Enkelkind.

Er werde ein paar Jahre Verwaltungsratspräsident und Verleger bleiben, aber sonst kürzertreten. Oft sind Eggers auf zwei Rädern unterwegs. Auf dem schweren Töff sitzt er, auf der Vespa sie. In ihrer Zeit als Politikerin habe er sie unterstützt. «Es machte mir nichts aus, dass sie die bekannte Person war.» Er hätte nicht mit ihr tauschen wollen, wenn sie vor vielen Leuten reden musste. Sie könne das sehr gut, er aber sei eher ein «Wurglig».

Der Bund

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