Landschaftsschutz gegen Rekord-Hängebrücke

Unsinnige Rekordjagd oder einmaliges Naturerlebnis? Die Meinungen über die Pläne für eine Hängebrücke bei Adelboden gehen auseinander.

Hängebrücken in den Alpen sind beliebt: Die Europabrücke bei Zermatt. (Archiv)

Hängebrücken in den Alpen sind beliebt: Die Europabrücke bei Zermatt. (Archiv) Bild: Keystone

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Die Idee einer rund 2,2 Kilometer langen Hängebrücke in Adelboden löst bei der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SLF) Kopfschütteln aus. Das Projekt sei «eine reine Absurdität».

Die SLF würde das Projekt, sofern es denn überhaupt Gestalt annimmt, als «völlig bedarfsentrückt» ablehnen, wie die Organisation am Dienstag mitteilte. Am Freitag ging eine Gruppe von Adelbodnern mit ihrer Idee an die Öffentlichkeit. Geht es nach ihnen, soll in Zukunft eine über zwei Kilometer lange Fussgänger-Hängebrücke das Gilsbachtal zwischen Sillerenbühl und Höchsthorn überspannen. Am höchsten Punkt würden sich die Wanderer 365 Meter über dem Boden befinden. Die Brücke würde über 18 Millionen Franken kosten.

Auf die Frage, ob eine solche Mega-Brücke bewilligungsfähig sei, sagt ein Vertreter der Gruppe am Freitag gegenüber Keystone-SDA: «Sie wäre sicher ein Einschnitt, keine Frage.» Das Gebiet sei aber schon touristisch erschlossen und befinde sich nicht im Bundesinventar der geschützten Landschaften. Es handle sich auch nicht um ein Naturschutzgebiet. Weitere Abklärungen seien aber nötig.

Bauen möchte die Rekord-Hängebrücke in Adelboden die in der Region ansässige Lauber AG, ein Familienunternehmen, das auf Brücken- und Bahnentechnik spezialisiert ist. Dort ist man überzeugt, mit einem solchen Projekt den Menschen die Natur näherbringen zu können.

«Denn viele gehen wegen der Brücke zum Berg, sehen die Natur und beginnen zu verstehen, dass wir diese brauchen», wird Kevin Lauber in einem Artikel im «Berner Oberländer» vom Dienstag zitiert.

Ganz anders sieht es die Stiftung Landschaftsschutz: Hier werde die Rekordjagd im Event-Tourismus ad absurdum geführt. Wer sich in einem Disneyland wähne, werde dort bestimmt keine Naturerholung suchen. Letztlich würden mit solchen Projekten Touristen aus den Bergen vertrieben.

Geschenk nicht überall willkommen

Hängebrücken sind derzeit nicht nur in Adelboden ein Thema. Auch in Oberhofen am Thunersee spaltet ein Projekt die Gemüter. Dort will eine Baufirma zu ihrem Jubiläum der Heimatgemeinde eine Hängebrücke über den Riderbach spendieren.

An dem Geschenk scheiden sich die Geister. Gegen das Projekt gingen elf Einsprachen ein und ein lokales Komitee wehrt sich gegen das Projekt. (zec/sda)

Erstellt: 04.09.2018, 11:39 Uhr

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