Kriterien der Spitalliste werden strenger

Berner Spitäler müssen sich künftig besser überlegen, was sie anbieten wollen.

Nicht mehr jedes Spital wird spezialisierte Medizin anbieten können.

Nicht mehr jedes Spital wird spezialisierte Medizin anbieten können.

(Bild: R. Durandi)

Anita Bachmann@anita_bachmann

Der neue kantonale Gesundheitsdirektor will es besser machen als sein Vorgänger Philippe Perrenoud (SP). So könnte man den Auftritt von Pierre Alain Schnegg (SVP) vor den Medien am Freitag verstehen. Der Regierungsrat hatte lediglich die seit einem halben Jahr vorliegende Versorgungsplanung genehmigt. Doch Schnegg nutzte die Gelegenheit, um die Planung der Spitalversorgung zu skizzieren. Kurz zusammengefasst: Es soll mehr Wettbewerb geben unter den Spitälern im Kanton Bern.

Ableiten lässt sich dies an zwei Punkten, die bei der ersten Planung der Spitalversorgung unter Schnegg zum Zug kommen sollen. Wenn sich die Spitäler im nächsten Jahr um einen Platz auf der Spitalliste bewerben, kommen bei der Auswahl die Anforderungen nach «Zürcher Vorlagen» zur Anwendung. Nach diesem Modell werden nur noch einzelne der rund 130 Leistungsgruppen vergeben, falls die Spitäler die Anforderungen an die Infrastruktur erfüllen und das Personal die Qualifikationen.

Gesundheitsökonom Heinz Locher sagt, die Zürcher hätten in diesem Bereich Pionierarbeit geleistet, und es sei richtig und dringend nötig, dass diese auch in Bern angewendet würden. Auch die Gesundheitsdirektorenkonferenz empfehle dies so. Locher sagt, die Spitäler müssten sich deshalb künftig noch viel besser überlegen, welches Unternehmensmodell sie wählen wollten. «Jedes Spital muss das machen, was es gut kann», sagt er. Das wirke sich positiv auf den Profit der Spitäler und die Qualität der angebotenen Leistungen aus.

Grundversorgung auf dem Land

Weiter sind die verschiedenen Stufen der Spitalversorgung nun schärfer getrennt. Es gibt eine Basisversorgung, die in allen Regionen angeboten werden soll. Die spezialisierte Versorgung und die hoch spezialisierte Medizin sollen hingegen nur noch überregional beziehungsweise im Kanton nur einmal angeboten werden. Die Zeiten, in denen jedes Spital praktisch alles ausser Herztransplantationen anbietet, sollen der Vergangenheit angehören.

Der Inselgruppe als grösstem Spitalverband im Kanton macht dies wenig Sorgen. «Die Unterscheidung von Grundversorgung, spezialisierter Medizin und hoch spezialisierter Medizin entspricht auch unserer Denkweise der abgestuften Versorgung», sagt Mediensprecherin Monika Kugemann. Für die kleinen Landspitäler kann dies aber nur heissen, dass sie sich künftig konsequenter auf die Grundversorgung konzentrieren müssen.

Stellt sich die Frage, ob deshalb in den nächsten Jahren wieder Spitäler von der Landkarte verschwinden werden? Gesundheitsökonom Locher sieht die einzelnen Spitäler mit wenigen Ausnahmen nicht als gefährdet. Wenn sie zwei Grundsätze befolgten: «Sie müssen das anbieten, was unsere Bevölkerung braucht, und einen neuen Sinn für Realität entwickeln.» Einige Institutionen lebten dies bereits vor. Als positive Beispiele nennt er das Spital Sonnenhof mit seiner Spezialisierung auf Orthopädie oder das Siloah mit Altersmedizin.

Aber auch Spitälern ausserhalb des Raums Bern gelingt die richtige Positionierung mehr oder weniger gut. Während sich das Spital Interlaken spezialisiert hat, fürchtet das Spital Aarberg um seine Daseinsberechtigung. Schnegg selber betont die Wichtigkeit der Landspitäler, weitere Schliessungen wären ein Fehler.

Kosten steigen ohnehin

Doch der Geografie des Kantons Bern gerecht zu werden, ist nicht die einzige Anforderung an die Spitalplanung. Ebenso wird erwartet, dass die Qualität stimmt und die Kosten im Gesundheitswesen nicht weiter steigen. Diesen Spagat müsste Schnegg beherrschen, um als Gesundheitsdirektor erfolgreich zu sein. Bei den strengeren Regeln zur Erstellung der neuen Spitalliste sind bereits die ersten Abstriche vorgesehen. So würden die «Zürcher Vorlagen» auf bernische Gegebenheiten überprüft und angepasst. «Es geht um Feinheiten», sagt Christoph Schöni, Geschäftsführer des Spitalverbands Diespitäler.be.

Der Verband hatte sich bei Schnegg diesbezüglich eingebracht und Gehör gefunden. Es sei wichtig, dass man gemeinsam arbeite und der Kanton nicht alles im stillen Kämmerchen mache. «Das haben wir immer gefordert», sagt Schöni. Schnegg sucht offenbar den Dialog mit allen Beteiligten – so hat er seit seinem Amtsantritt auch alle Spitäler im Kanton besucht. Damit kann er vielleicht verhindern, dass einzelne Spitäler wegen der Spitalliste wieder vor Gericht gehen. Kaum absehbar sind aber die Auswirkungen auf die Kosten, die sowieso anwachsen werden. Ohne Kurskorrektur würden die Kosten allein für den Kanton jährlich um rund 18 Millionen Franken steigen.

Der Bund

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