Kommentar: Mehr Transparenz vermindert Unruhe

Bildungsdirektor Bernhard Puler legt einen umsichtigen Plan zur Reduzierung der Anzahl der Schulklassen vor. Es mangelt jedoch an Transparenz.

Umsichtig, aber zu wenig transparent: Regierungsrat Bernhard Pulver.

Umsichtig, aber zu wenig transparent: Regierungsrat Bernhard Pulver.

(Bild: Valérie Chételat)

Die sieben Schulen in Eggiwil werden ziemlich sicher offen bleiben. Und viele andere kleine Schulen im Emmental, Oberland oder dem Berner Jura auch. Zwar hat das Parlament aus Spargründen beschlossen, die Schülerzahlen pro Klasse zu erhöhen. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver will die Schullandschaft deswegen aber nicht umpflügen. Er hat den Schulinspektoren den Auftrag erteilt, die vom Parlament beschlossenen Sparmassnahmen mit Augenmass umzusetzen.

Bürgerliche Grossräte indes forderten im November mit ihrem Ja zur Erhöhung der Schülerzahl im Prinzip genau das Gegenteil: das Auffahren mit dem Pflug. Sie bekamen Angst vor ihrem eigenen Mut, als ihnen bewusst wurde, dass sie damit die Existenz vieler dezentral gelegener, kleiner Schulen gefährden würden. Deshalb verabschiedeten sie in aller Eile noch eine Planungserklärung, in der festgehalten ist, wann die Schülerzahlen nicht erhöht werden dürfen: zum Beispiel eben dann, wenn damit einzelne Schulstandorte gefährdet würden.

Man kann sich leicht vorstellen, was passiert wäre, hätte Pulver den Pflug als Arbeitsinstrument gewählt: Jene Politiker, die der Erhöhung der Schülerzahl pro Klasse zugestimmt haben, wären die Ersten gewesen, die sich gegen die Schliessung der Schule in ihrer Gemeinde gewehrt hätten. Mit seinem Entscheid beweist Pulver Umsichtigkeit.

Wenn aber wegen unterschiedlicher Schulstrukturen verschiedene Ziele für die einzelnen Gemeinden als Sparbeiträge definiert werden, dann muss dies offengelegt und transparent kommuniziert werden.

Doch genau das macht die Erziehungsdirektion nicht. Die Liste dieser Zielvorgaben für die einzelnen Gemeinden wird unter Verschluss gehalten aus Angst, Unruhe zu stiften. Unruhig wird es allerdings nur dann, wenn nicht klar ist, weshalb ein Kind künftig in einer sehr grossen Klasse sitzt und eines weiterhin in einer kleinen Klasse unterrichtet wird.

Der Bund

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