Kommentar: Das Problem ist damit nicht gelöst

Kommentar

Der Grosse Rat spricht sich in der Fachhochschulfrage für den Erhalt des Standorts Burgdorf aus. Ein Kommentar.

Reto Wissmann@RetoWissmann

Die Berner Fachhochschule kommt einen grossen Schritt voran. In Biel wird für 300 Millionen Franken ein Campus für alle technischen Fachrichtungen gebaut. Erhält Biel später auch noch den Zuschlag für einen nationalen Innovationspark, darf man durchaus von einer «ETH im Kleinformat» sprechen, wie dies ein Grossrat gestern getan hat. Die zweitgrösste Stadt im Kanton Bern wird damit zu einem wichtigen Zentrum für die praxisorientierte Technikerausbildung und den Wissenstransfer zwischen Hochschule und Wirtschaft. Davon profitiert nicht nur Biel, sondern der ganze Kanton.

So weit, so gut. Es hätte auch anders ausgehen können. Die Standortkonzentration der Fachhochschule drohte am Widerstand Burgdorfs zu scheitern. Jetzt verzichtet die Emmestadt auf ihr «Tech», fordert dafür aber eine Kompensation. Burgdorf muss Fachhochschulstandort bleiben, hat der Grosse Rat entschieden. Damit ist die Konzentration auf die Standorte Biel und Bern gescheitert. Einen zweiten Campus für die Bereiche Wirtschaft, Gesundheit und Soziales sowie Künste im Weyermannshaus wird es nicht geben. Für die Stadt Bern ist das kein grosses Problem. Aus bildungspolitischer Sicht wurde aber eine Chance verpasst.

Dass übergeordnete Ziele regionalen Partikularinteressen geopfert werden, gehört zum politischen Alltag. Mit dem Fachhochschul-Kompromiss ist das Problem aber nicht gelöst. Was soll Burgdorf als Kompensation angeboten werden? Dass die Hochschule der Künste nicht aus der Hauptstadt abgezogen werden kann, leuchtet unterdessen jedem ein. Für das grosse Departement Wirtschaft, Gesundheit und Soziales fehlt in Burgdorf der Platz. Andere Abteilungen der Fachhochschule stehen nicht zur Disposition. Die Vorgaben des Grossen Rats buchstabengetreu umzusetzen, ist für die Regierung somit ein schier unlösbares Unterfangen. Und doch muss sie das Problem lösen, denn sonst droht der Berner Fachhochschule der Stillstand. Die Korken knallten gestern in Biel und Burgdorf etwas zu früh.

Der Bund

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