Kaum Rabatte
 für iPhones der Kantonspolizei

Über 1200 neue iPhones beschafft die Kapo für ihr Korps. Damit werde die Polizei von Apple abhängig, kritisiert ein Grossrat.

Alarmierung per iPhone: Vereidigung der Einsatzkräfte im Berner Münster. (Archiv)

Alarmierung per iPhone: Vereidigung der Einsatzkräfte im Berner Münster. (Archiv)

(Bild: Manu Friederich)

Matthias Raaflaub

Die Kantonspolizei Bern kauft neue Mobiltelefone für ihre Einsatzkräfte. Sie beschafft derzeit 1220 neue iPhone 6. Damit wird fast die Hälfte des Polizeikorps ältere Apple-Telefone gegen neuste Modelle eintauschen. Für die Berner Ordnungshüter gehört das Smartphone mittlerweile zur Grundausrüstung wie die Handschellen: Via App können für einen Einsatz gezielt einzelne Polizisten alarmiert werden. Auch die Berufsfeuerwehr Bern arbeitet mit diesem System.

Dass die Polizei unbedingt iPhones haben muss, hat seinen Grund: Eine Alarmierungs-Applikation für den Einsatz läuft nur auf einem neueren Apple-Betriebssystem. Die Swisscom hat die App «eAlarm» nur für iPhones entwickelt. Damit ist die Kapo Bern aber auch von den hohen Preisen für die Apple-Smartphones abhängig geworden, was GLP-Grossrat Michel Rudin stört. Er hat einen Vorstoss dazu eingereicht.

Im vergangenen Jahr kosteten 850 iPhone 5S mit 32 GB Speicher die Kapo 697'000 Franken. Die 1220 neusten iPhones werden wohl etwa 900'000 Franken kosten. Während Private mit dem Abschluss eines Handy-Abos für das Telefon nur noch einen Bruchteil des Preises zahlen, muss die Kapo die Geräte zum Vollpreis beziehen.

Kleine Margen, wenig Rabatt

Grosse Rabatte darf die Polizei beim Kauf auch nicht erwarten. Bei der öffentlichen Ausschreibung liegen die Angebote offenbar nah aneinander – das Sparpotenzial ist klein. Weil die Margen des Herstellers hoch sind, können die Mobilfunk-Unternehmen auch keine grossen Rabatte an die Kantonspolizei weitergeben.

Branchen-Insider bestätigen: An Apple-Geräten verdienen die Telekom-Zwischenhändler wenig. «Die Marge ist unterdurchschnittlich», sagt auch Markus Bernhard, Geschäftsführer von Mobilezone. «Geben wir grosse Rabatte, geht das auf unsere Kosten.» Sein Unternehmen hat im vergangenen Jahr die Ausschreibung für neue iPhones gewonnen. Für die Mobilfunkanbieter wird ein solcher Grossauftrag aber offenbar beinahe zum Nullsummenspiel.

Grossrat Michel Rudin, der auch Geschäftsführer des Konsumentenforums ist, kritisiert deshalb, dass mit der Abhängigkeit der Kapo von Apple keine Konkurrenz möglich ist. «Wenn letztlich nur ein Generalimporteur den Preis bestimmt, kann auch der Markt nicht funktionieren», sagt er.

Laut der Kantonspolizei gibt es zu den iPhones aber derzeit keine Alternative. Das Alarmierungssystem der Swisscom sei ebenfalls in einer Ausschreibung ausgewählt worden, teilt Mediensprecherin Alice Born mit. Die Umrüstung auf ein anderes System hätte darum grosse Kosten zur Folge.

Der Bund

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