Kantonspolizei im Twitterfieber

Die Kantonspolizei Bern überraschte am Freitagabend mit regem Twittergebrauch. Eine neue Kommunikationsstrategie ist in Planung.

Die Kapo berichtet stolz von ihrer Verpflegung.

Die Kapo berichtet stolz von ihrer Verpflegung. Bild: @PoliceBern (Twitter)

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Am vergangenen Freitagabend war die Berner Kantonspolizei nicht nur auf den Strassen der Hauptstadt besonders auffällig präsent. Den Einsatz zur Verhinderung einer unbewilligten Demonstration kommentierte sie regelmässig und ausführlich auf dem sozialen Netzwerk Twitter. So informierte sie beispielsweise über die von der Demo verursachten Verkehrsbehinderungen, postete aber auch ein Foto von einem Hackbraten mit Kartoffelstock unter der Legende: «Für die positiven Zusprüche schon jetzt ein grosses Merci. Unser Einsatz dauert an – darum eine Stärkung aus der Feldküche.» (Siehe Bild.) Angehaltene Personen seien mit «Getränk und Schoggi» verpflegt worden, teilte der Account zudem mit.

Für derartige Aufgeschlossenheit gegenüber sozialen Medien war die Kapo bisher nicht bekannt. Zwar wurden auf dem Twitterprofil Links zu den polizeilichen Medienmitteilungen immer gewissenhaft hochgeladen. Doch ansonsten verfolgte die Polizei eine eher zurückhaltende Kommunikationspolitik. Auch journalistische Anfragen werden oft mit Verweis auf «ermittlungstechnische», «Datenschutz-» oder «Persönlichkeitsgründe» nur knapp oder gar nicht beantwortet. Einen direkten Austausch mit der Bevölkerung über einen in Echtzeit laufenden Einsatz, wie er am Freitag auf Twitter geschah, hatte die Kapo zuvor noch nie durchgeführt.

Zeit für eine neue Strategie?

Ohnehin plant die Kapo eine Modernisierung ihrer Medienstrategie. Dies ist einer öffentlichen Ausschreibung zu entnehmen. Die Kantonspolizei will mithilfe einer externen Agentur ihre «kommunikative Positionierung» evaluieren und das «Kommunikationskonzept weiterentwickeln». Offenbar sollen die Kommunikationsverfahren der Polizei auf den neusten Stand gebracht werden. «Das Kommunikations- und Informationsverhalten der Bevölkerung hat sich stark gewandelt», sagt Sprecherin Corinne Müller. Um Zielpersonen on- und offline zu erreichen, benötige man zusätzliches Fachwissen. Aufgrund des «personalintensiven Aufwands während einer begrenzten Zeitdauer» bei einer solchen Strategieentwicklung sei die Arbeit mit externen Partnern die günstigste Variante.

Andere Polizeibehörden haben die sozialen Medien schon länger als Kommunikationsmittel für sich entdeckt. Das Social-Media-Team der Münchner Polizei etwa erntete viel Lob, als es während des Amoklaufs im Juli 2016 auf Twitter laufend Falschmeldungen widerlegte und über den Sicherheitsstatus in verschiedenen Teilen der Stadt informierte. Die Polizei Berlin wurde für ihre Twitter-Updates zum Terroranschlag im Dezember ebenfalls gelobt. Auch ausserhalb von Ausnahmezuständen sind die deutschen Polizeibehörden mediengewandter als ihre Schweizer Kollegen. Die Münchner Polizei machte erst kürzlich auf Twitter mit Oktoberfest-Witzen auf sich aufmerksam.

Kriminalprävention auf Twitter

«Soziale Medien bieten der Polizei einen direkten und schnellen Infokanal zur Bevölkerung», sagt Sven Ruoss, Studienleiter Social Media Management an der Hochschule für Wirtschaft Zürich. Grössere Online-Kontaktfreudigkeit vonseiten der Ordnungshüter könne auch helfen, vor allem unter jungen Leuten Vorurteile abzubauen. Eine reine PR-Kampagne über polizeiliche Online-Netzwerke könne aber auf Ablehnung stossen. «Es muss einen Mehrwert für die Bevölkerung geben.» In erster Linie solle die Polizei Auskunft geben und den Austausch zwischen Bevölkerung und Polizeibehörden fördern.

Laut Corinne Müller ist die Interaktion mit der Bevölkerung auch ein Hauptanliegen der Kapo. Mit der neuen Kommunikationsstrategie wolle man vor allem rechtswidrigen Taten vorbeugen. «Es geht darum, die richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt mit den Präventionsbotschaften zu erreichen und damit einen Beitrag zur Sicherheit zu leisten.» Seit Freitag wissen Kriminelle zumindest eins: Bernische Polizisten bekämpfen das Verbrechen nicht mit leerem Magen.

(Der Bund)

Erstellt: 10.10.2017, 06:49 Uhr

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