Kanton überprüft Schiessstände

35 Prozent aller bernischen Kleinkaliber-Schiessanlagen werden in einem Expertenbericht punkto Lärmbelastung als «kritisch» eingestuft. Nun muss überprüft werden, wo eine Sanierungspflicht besteht.

Die Jagdschiessanlage Bergfeld ob Hinterkappelen muss möglicherweise lärmsaniert werden.

Die Jagdschiessanlage Bergfeld ob Hinterkappelen muss möglicherweise lärmsaniert werden. Bild: Manu Friederich

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In der Umgebung jeder dritten Schiessanlage im Kanton Bern ist die Lärmbelastung möglicherweise zu hoch: 66 Anlagen werden in einem Expertenbericht als «kritisch» ausgewiesen – aufgrund ihrer Nähe zu Bauzonen und Wohngebieten. Das Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern (AGR) hat für sämtliche 187 Kleinkaliber-Schiessanlagen im Kanton ein Groblärmkataster erstellen lassen. Fazit: Bei betroffenen Anlagen «kann eine Sanierungspflicht nicht ausgeschlossen werden».

Welche Schiessstände als kritisch beurteilt werden, will das AGR derzeit nicht sagen. Klar ist einzig: Bei einer der Anlagen handelt es sich um die Jagdschiessanlage Bergfeld ob Hinterkappelen. Das Bürgerkomitee Schiessanlage Hinterkappelen kämpft bereits seit vier Jahren gegen den Schiesslärm und für eine Sanierung des Schiessstandes. Für Bruno Bachmann vom Bürgerkomitee gibt der Bericht deshalb Anlass zur Hoffnung. Die Anwohner litten schon seit Jahrzehnten – und immer wieder habe man versichert, dass die Immissionen innerhalb der Toleranzgrenzen lägen, so Bachmann. «Jetzt wo der kantonale Beurteilungsbericht vorliegt, wird das Ganze genau untersucht, und man kann uns nicht mehr länger vertrösten.»

Klarheit noch in diesem Jahr

Allerdings: Ob in Bergfeld und den 65 weiteren Schiessständen tatsächlich gegen die Lärmschutzvorschriften verstossen wird oder nicht, sei aufgrund der vorgenommenen Einteilung noch nicht geklärt, stellt Rolf Mühlemann vom AGR klar. «Im Grobkataster wurden die Anzahl Schuss und die Waffengattungen berücksichtigt. Er gibt insofern eine erste Idee, wie gross die Lärmbelastung sein könnte, lässt aber keinen direkten Rückschluss zu, ob tatsächlich Sanierungsmassnahmen zu treffen sind.» Um das zu klären, bedürfe es nun weiterer Abklärungen.

Für Anlagen, bei welchen aufgrund des Grobkatasters eine Sanierungspflicht nicht ausgeschlossen werden kann, müssen nun in einem zweiten Schritt unter anderem detaillierte Lärmmessungen gemacht werden. «Der Zeitplan sieht vor, dass diese noch in diesem Jahr an die Hand genommen werden.» Im Falle von Bergfeld haben die Jagdschützen Bern als Träger der Anlage bereits eine Aufforderung zur Erstellung eines Lärmgutachtens erhalten, wie Geschäftsführer Walter Ramseier sagt. Es muss schnell gehen: Bis Juni dieses Jahres müssen die Ergebnisse vorliegen.

162 Häuser lärmgeplagt?

Dass Bergfeld mit einer gewissen Dringlichkeit behandelt wird, kommt nicht von ungefähr. Der Grobkataster zeigt, dass bis zu 162 Liegenschaften übermässig vom Schiesslärm geplagt sein könnten. Der Immissionsgrenzwert beträgt in den an den Schiessstand anschliessenden Wohn-, Gewerbe- und Landwirtschaftsgebieten 65 Dezibel. In einem erweiterten Perimeter von rund 30 Hektaren sind höchstens 60 Dezibel zugelassen.

Schwierige Erhebungen

Obwohl die Lärmschutzverordnung die Immissionsgrenzwerte klar festlegt, wird die Erhebung der tatsächlichen Belastungen in Hinterkappelen keine leichte Aufgabe. Bergfeld sei diejenige Anlage im Kanton Bern, die von der Akustik her am kompliziertesten sei, bestätigt Mühlemann.

Die Erhebung der effektiven Lärmbelastung sei um einiges anspruchsvoller als bei anderen Anlagen, da die Schützen nicht ausschliesslich auf den Scheibenstand schiessen, sondern auch dynamische Disziplinen trainieren. Dazu gehören unter anderen das Tontaubenschiessen und die Wurfscheibendisziplinen Trap und Skeet, wo auf bewegliche Ziele in der Luft geschossen wird. Je nach Schiessaktivität verändere sich die effektive Lärmbelastung und der -perimeter, so Mühlemann. Weitere Einflussfaktoren wie topografische Gegebenheiten, die Bewaldung oder bauliche Massnahmen beeinflussen die Schallwirkung zusätzlich.

Die Jagdschützen Bern wollen bei den anstehenden Erhebungen Hand bieten. Geschäftsführer Walter Ramseier betont, dass der Jagdschiessanlage Bergfeld eine wichtige Stellung zukomme. Immerhin sei es die einzige ihrer Grösse im Kanton, und die bernischen Jagdschützen seien auf den Schiessstand angewiesen. Im Bergfeld etwa würden alle bernischen Jungjägerprüfungen abgenommen, und die 3600 bernischen Jäger fänden in Hinterkappelen eine Möglichkeit, das seit diesem Jahr geltende Schiessobligatorium zu leisten. Insofern sei es auch den Jagdschützen Bern ein Anliegen, die Anlage wenn nötig zu sanieren. «Aber es muss finanzierbar sein.»

(sbv) 300-Meter-Anlagen Sanierung bereits abgeschlossenDie Jagdschiessanlage Bergfeld ob Hinterkappelen muss möglicherweise lärmsaniert werden. (Der Bund)

Erstellt: 08.05.2012, 06:50 Uhr

Sanierung bereits abgeschlossen

Anders als die Kleinkaliber-Schiessanlagen sind die bernischen Grosskaliberschiessstände – Anlagen für Sturmgewehr- und Karabiner-Schiessen – bereits vollständig saniert. Die Lärmschutzverordnung verlangte eine allfällige Lärmsanierung dieser Anlagen bis spätestens 2002. Der damals für die 300-Meter-Anlagen erstellte Groblärmkataster aus dem Jahr 1991 zeichnete im Vergleich zur Situation bei den Kleinkaliberanlagen ein weitaus trüberes Bild: Nur gerade 31 von insgesamt 432 Anlagen entsprachen den geltenden Vorschriften der Lärmschutzverordnung. Ausgehend von einer Ersterhebung musste davon ausgegangen werden, dass bei 90 Prozent aller überprüften bernischen Schiessanlagen der Immissionsgrenzwert überschritten wurde. Bei 20 Prozent der Anlagen wurde sogar gegen den festgelegten Alarmwert verstossen, wie aus dem Schlussbericht der kantonalen Schiesslärmkommission hervorgeht. In der Folge wurden binnen zehn Jahren 312 Schiessstände lärmsaniert. Bei 89 Anlagen wurde von einer Sanierung abgesehen. Sie wurden stattdessen geschlossen. Heute sind im Kanton Bern gesamthaft noch rund 340 300-Meter-Anlagen für das ausserdienstliche Schiesswesen in Betrieb.

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