Kanton schliesst Asylzentrum für psychisch kranke Asylbewerber

Der Grosse Rat setzte sich 2008 für das Spezialzentrum Nusshof ein, das die Heilsarmee nun schliessen muss.

Asylsuchende mit psychischen Problemen werden künftig nicht mehr im Spezialzentrum Nusshof betreut (Symbolbild).<p class='credit'>(Bild: Valérie Chételat)</p>

Asylsuchende mit psychischen Problemen werden künftig nicht mehr im Spezialzentrum Nusshof betreut (Symbolbild).

(Bild: Valérie Chételat)

Anita Bachmann@anita_bachmann

Seit zehn Jahren führt die Heilsarmee Flüchtlingshilfe das Betreuungszentrum Nusshof in Gampelen für psychisch kranke Asylsuchende. Die bis zu 40 untergebrachten Personen erhalten dort mehr Betreuung und leben in weniger engen Platzverhältnissen als in den normalen Asylzentren des Kantons. Doch Ende Februar ist Schluss. Der Kanton habe den Leistungsvertrag bereits für das Jahr 2012 aufgehoben, sagt Til Margraf von der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe auf Anfrage.

Der Kanton bezahlte die Heilsarmee seither, als führe sie im Nusshof ein normales Asylzentrum. Den Mehraufwand für die intensivere Betreuung der psychisch und physisch belasteten Menschen bezahlte die Heilsarmee selber. Wie hoch der Betrag ist, will die Heilsarmee nicht sagen. Das Geld sei nicht fehlinvestiert. «Es geht uns um die Menschen», sagt Margraf. Weil der Kanton nun auch den jeweils jährigen Mietvertrag für das Anwesen Nusshof nicht erneuert hat, muss das Zentrum schliessen. Margraf sagt, der Entscheid sei gegenüber der Heilsarmee nicht begründet worden.

Der Mietvertrag sei noch bis Ende Februar verlängert worden, heisst es beim Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG). Die Annahme der Heilsarmee, die Substanz des Nusshofes sei der Grund für die Kündigung, bestätigt sich nicht. Ob es Sanierungsbedarf gebe, müsse erst noch geprüft werden, sagt Alain Rossier vom AGG. Offenbar ist angedacht, dass der Verein Asyl Biel und Region im Nusshof ein normales Durchgangszentrum betreiben soll.

Kanton: «Kein Dauerzustand»

Es sei unbestritten, dass es unter den Asylsuchenden Personen gebe, die einer besonderen Betreuung bedürften, sagt Markus Aeschlimann vom Amt für Migration und Personenstand. Doch diese Tatsache rechtfertige ein solches Ausnahmezentrum nicht, das die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe übrigens von sich aus eröffnet habe. Margraf von der Heilsarmee sagt, das Betreuungszentrum im Nusshof sei aufgrund der Initiative aller Trägerschaften von Asylzentren in Zusammenarbeit mit dem Kanton entstanden. Dass die Heilsarmee das Zentrum geführt habe, habe sich so ergeben.

2008 hatte der Migrationsdienst des Kantons Bern den Leistungsvertrag für den Nusshof bereits einmal gekündigt, es sollte ein normales Durchgangszentrum entstehen. Eine überparteiliche Motion, die als Postulat überwiesen wurde, bewirkte, dass der Entscheid noch einmal gekehrt wurde. Damals habe der Kanton enorm viele Asylsuchende aus Kriegsgebieten wie Eritrea aufnehmen müssen, sagt Aeschlimann. Für die grosse Anzahl traumatisierter Menschen sei die Unterkunft als erste Anlaufstelle ideal gewesen. «Das kann aber kein Dauerzustand sein.»

«Eine wertvolle Institution»

BDP-Grossrat Jakob Etter, einer der damaligen Motionäre, wiegelt ab. Seither sei im Asylwesen einiges gegangen, und der Bund plane nun zusammen mit den Kantonen grössere Zentren, die professionell geführt würden. Etter liess sich damals für den Vorstoss von Grünen, SP und EVP einspannen, weil sich die Gemeinde Gampelen vor einem normalen Durchgangszentrum mit mehr Asylsuchenden fürchtete.

Bedauert wird die Schliessung des Betreuungszentrums Nusshof vom Psychiatriezentrum Münsingen. «Es war eine wertvolle Institution», sagt Mario Renz, ärztlicher Direktor des Zentrums. Die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe habe die anspruchsvolle Betreuungsaufgabe gut erfüllt. Aufgrund der Schliessung des Nusshofs seien nun auch drei Personen im Psychiatriezentrum Münsingen eingewiesen worden. Dort könnten sie aber nicht für längere Zeit bleiben.

Die Betreuungsabklärungen sei die Aufgabe von professionellen Fachstellen, die dann entscheiden würden, wie und wo die Menschen untergebracht werden könnten, sagt Aeschlimann. Was solche Sonderunterbringungsformen kosten, ist nicht klar. Die Heilsarmee ist der Ansicht, dass die Unterbringung im Nusshof kostengünstig war.

Der Bund

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