Käser entschuldigt sich für das Wort «Negerbubli»

Nur weil er das Wort Neger gebrauche, sei er noch lange kein Rassist, sagt Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP).

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Als der Berner Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) am Donnerstag Medienvertreter und Burgdorfer durch das neue Durchgangszentrum für Asylbewerber führte, wollte er den Leuten erklären, warum in Europa so viele Flüchtlinge landen. Dafür fand er die folgenden Worten: «Europa ist das Paradies, die Schweiz das Schlaraffenland. Das wissen nicht nur wir, sondern auch die Negerbubli.» Käsers Worte haben gestern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

«Geitsno Herr Käser», twittert etwa die Berner Ja!-Stadträtin Seraina Patzen. «Nun hat das Stammtischniveau den Berner Regierungsrat erreicht. Wie war das mit der Abgrenzung der FDP von der SVP?», schreibt die Grüne Nationalrätin Regula Rytz. Ihre Partei- und Nationalratskollegin Aline Trede fordert gar Käsers Rücktritt als Präsident der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren.

Taktlos und erschreckend

Martine Brunschwig Graf, Präsidentin der eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) spricht von einem «Mangel an Sensibilität und Respekt.» Die Aussage sei peinlich, der Ausdruck kolonialistisch. «Das beste, was Käser machen könnte, wäre sich zu entschuldigen.» Mit seiner Aussage habe sich der Polizeidirektor wahrscheinlich nicht strafbar gemacht. Das sei für die Kommission aber auch nicht zentral. «Die Aussage ist trotzdem nicht vertretbar.»

Auch aus dem Grossen Rat kommen kritische Voten. «Solche Sprüche sind taktlos und unnötig. Ich weiss nicht, was Käser damit bezweckt», sagt EVP-Grossrat Ruedi Löffel. Gerade in seiner Rolle als Migrationsamtschef sollte Käser nicht unnötig negative Emotionen schüren. Grossrat und SP-Fraktionschef Roland Näf findet Käsers «mangelnde Sensibilität ziemlich erschreckend». «Wenn Herr Käser als Regierungsrat nicht weiss, was für eine rassistische Bedeutung das Wort Neger hat, dann ist er am falschen Ort.» Auch das Wort Bubli, das er angehängt habe, sei eine herabwürdigende Bezeichnung für Menschen, die teils Unglaubliches erlitten hätten.

Es ist nicht das erste Mal, das Käser das Wort Neger quasi vor laufender Kamera von sich gibt. An einer Podiumsveranstaltung des «Bund» im Februar antwortete auf die Frage, weshalb im ländlichen Raum das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative so stark gewesen sei: «Jene, die noch nie einen Neger gesehen haben, stimmten am meisten Ja» – um sogleich nachzuschieben: «Pardon, einen Schwarzen».

«Vielleicht nicht so geschickt»

Einerseits verteidigt sich Käser: «Wir sind hier nicht im Dritten Reich, wir haben immer noch Redefreiheit.» Nur, weil er das Wort Neger gebrauche, sei er noch lange kein Rassist. So habe er etwa das Buch La Négritude von Leopold Sédar Senghor gelesen, dem ersten senegalesischen Präsidenten, der mit anderen afrofranzösischen Intellektuellen für die kulturelle Selbstbehauptung der Menschen Afrikas und ihrer afrikanischen Herkunft kämpfte. Gleichzeitig räumt Käser ein: «Vielleicht war die Aussage nicht so geschickt. Ich entschuldige mich in aller Form dafür.» Er habe den überwiegend älteren Leuten in Burgdorf lediglich aufzeigen wollen, dass der Migrationsdruck aufgrund des Wohlstandsgefälles gross sei. Vor Ort habe die Aussage keine Empörung ausgelöst.

Parteikollege und Grossrat Adrian Haas pflichtet Käser bei. «In der Sache liegt Käser nicht falsch», sagt er. Für Haas lässt sich sogar darüber streiten, «ob der Begriff Negerbubli politisch korrekt ist oder nicht». Auch er demonstriert Gelassenheit. «Man muss nicht jedes Wort, das ein Politiker sagt, auf die Goldwaage legen.» Auch FDP-Grossrat Philippe Müller versteht den Aufruhr nicht. «Ich hätte den Begriff selber nicht gebraucht. Deswegen geht die Welt aber nicht unter.» Das Thema sei ein gefundenes Fressen für die Linken, die damit nur von den wahren Problemen im Asylwesen ablenken wollten. Als kantonaler FDP-Parteipräsident äussert sich Pierre-Yves Grivel nicht zur Sache. Der Schulleiter und Geschichtslehrer stellt aber klar, man dürfe das Wort Neger nicht gebrauchen.

Käser verspricht. «Wenn das die Leute so aufregt, werde ich den Ausdruck nicht mehr gebrauchen», sagt er. (Der Bund)

Erstellt: 12.09.2014, 21:37 Uhr

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