Intimer Skype-Chat kann böse enden

Immer mehr Männer werden im Internet Opfer einer Sexfalle von Erpressern. Die Polizei rechnet mit einer hohen Dunkelziffer.

Wer sich im Netz zu unüberlegten Handlungen verführen lässt, muss das manchmal teuer bezahlen – etwa bei der sogenannten «Sextortion».

Wer sich im Netz zu unüberlegten Handlungen verführen lässt, muss das manchmal teuer bezahlen – etwa bei der sogenannten «Sextortion».

(Bild: Valérie Chételat)

Wer erotische Kontakte im Internet pflegen will, sollte vorsichtig sein. Immer öfter tappen Männer in die Falle krimineller Banden, welche intime Aufnahmen zu veröffentlichen drohen. Allein im Kanton Bern haben sich in den vergangenen sieben Monaten, zwischen Juni 2014 und Januar 2015, über 50 Personen bei der Polizei gemeldet, weil sie mit preisgegebenen Nacktaufnahmen erpresst worden sind.

Das Phänomen nennt sich «Sextortion», eine Wortschöpfung aus «Sex» und «Extortion», dem englischen Begriff für Erpressung. Die Kantonspolizei Bern warnt nun vor dieser Internetgefahr und rät Geschädigten, unbedingt Anzeige zu erstatten.

Die Opfer sind jugendliche oder erwachsene Männer. Die Täter sind kriminelle Banden, welche Frauen als Lockvögel einsetzen. Diese treten über soziale Netzwerke oder Chatrooms spontan in Kontakt mit Männern und suggerieren Interesse an erotischen Kontakten oder gar einer Beziehung. Treten die Männer darauf ein, werden sie bald aufgefordert, erotische Bilder oder Videos von sich zu versenden, sich etwa via Skype zu entblössen oder sexuelle Handlungen vorzunehmen. Dabei zeigen sich die Frauen auch selbst nackt.

36’000 Franken erpresst

In Tat und Wahrheit werden die intimen Aufnahmen aber mitgeschnitten oder die verschickten Daten gespeichert. Die Erpresser drohen dann, die Aufnahmen auf sozialen Netzwerken oder im Internet zu veröffentlichen. Es sei denn, die Männer überweisen Geld. In drei Fällen, welche der Kapo Bern gemeldet wurden, hatten die Erpresser Erfolg. Insgesamt wurden rund 36’000 Franken gezahlt.

«Das Phänomen ist seit rund drei Jahren bekannt, in dieser Zeit sind die Meldungen kontinuierlich angestiegen», sagt Andreas Hofmann, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, auf Anfrage. Sorge macht der Polizei die Dunkelziffer von Erpressten. Wer Opfer einer solchen Sexfalle wurde, brauche unter Umständen Überwindung, um damit zur Polizei zu gehen, sagt Hofmann. «So eine Situation erlebt niemand gerne. Da ist sicherlich auch Scham im Spiel.»

Deswegen vermutet die Polizei auch, dass sich längst nicht alle Betroffenen melden. Sie rät aber, bei einer Erpressung den Kontakt mit den Unbekannten sofort abzubrechen und Anzeige zu erstatten.

Um die Ermittlungen zu ermöglichen, empfiehlt die Polizei, dass Geschädigte Beweismittel wie Chatverläufe oder Bildschirmfotos sichern. Unter keinen Umständen sollen Erpresste Geld zahlen. Laut der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) fordern Kriminelle dann meist noch mehr Geld, oder sie veröffentlichen Aufnahmen selbst dann, wenn schon Geld gezahlt wurde.

Kommt es so weit, kann man den Anbieter der Internetplattform kontaktieren, um die Veröffentlichung zu verhindern oder rückgängig zu machen.

mra

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