Inspektoren fordern weitere Sicherheitsverbesserung in Mühleberg

Die Arbeitssicherheit und die Instruktion der AKW-Operateure bleiben in Mühleberg verbesserungsbedürftig. Dies zeigt eine neue Inspektion internationaler Experten.

Die Arbeitssicherheit und die Instruktion der AKW-Operateure bleiben in Mühleberg verbesserungsbedürftig.

Die Arbeitssicherheit und die Instruktion der AKW-Operateure bleiben in Mühleberg verbesserungsbedürftig.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Thönen@SimonThoenen

Deutliche Kritik an der Betriebssicherheit im AKW Mühleberg hatten Experten der Internationalen Atomenergiebehör­de (IAEA) im Herbst 2012 im Rahmen der sogenannten Osart-Inspektion geübt. Man habe seither alle Empfehlungen der internationalen Experten umgesetzt, betonte BKW-Präsident Urs Gasche vor der Volksabstimmung über die Initiative «Mühleberg vom Netz» in ­einem Interview mit dem «Bund».

Die IAEA-Experten sehen dies offensichtlich anders. Im Rahmen einer Folge­inspektion in Mühleberg, die am vergangenen Freitag zu Ende ging, bezeichneten sie nur gut die Hälfte ihrer 21 ursprünglichen Kritikpunkte als ­«behoben».

Bei den übrigen 10 ursprünglich kritisierten Mängeln stellten die IAEA-Inspektoren Verbesserungen fest, die aber noch nicht genügen. In der diplomatischen Sprache der Medienmitteilung der IAEA wird konstatiert, die BKW habe «zufriedenstellende Fortschritte hin zu einer ­Lösung erzielt, nötig ist aber weitere ­Arbeit». Was genau die Inspektoren als verbesserungsbedürftig erachten, wird man erst erfahren, wenn sie in einigen Monaten den Bericht zur Folge­inspektion publizieren. Ein bisschen mehr Aufschluss bietet eine Zusammenfassung der ersten Befunde, welche die Betreiberin BKW vornahm und publizierte.

Kritikpunkt Arbeitssicherheit

Bei ihrem Besuch im Herbst 2012 waren die IAEA-Inspektoren zum bedenklichen Befund gelangt, dass die Arbeitssicherheit im AKW Mühleberg «guten Industriestandards nicht genügt». Nun loben sie zwar, dass die BKW «vielfältige» Massnahmen ergriffen habe, um das Personal bezüglich Arbeitssicherheit zu schulen. Die Inspektoren haben aber in den knapp zwei Jahren seit ihrem ersten Besuch noch keine statistische Verbesserung der Arbeitssicherheit festgestellt. Der Grund ist laut der Zusammenfassung der BKW «ein Einzelereignis», das die Statistik verschlechtert. Um was für einen Vorfall im AKW es sich handelte, wollte die BKW am Montag auf Anfrage nicht mitteilen. Die Inspektoren haben zudem bei ihrem Rundgang im AKW letzte Woche «einzelne Abweichungen» von Sicherheitsvorgaben festgestellt.

Vorwürfe an Kraftwerksleitung

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei diversen Kritikpunkten, welche die Inspektoren der IAEA ursprünglich an die Adresse der Kraftwerksführung gerichtet hatten. So warfen sie dieser vor, sie sei nicht ausreichend in der Anlage präsent und mache der Reaktormannschaft zu wenig klare Vorgaben bezüglich Sicherheit. Auch hier bewerten die Inspektoren nun «umfangreiche» Massnahmen der BKW als «zufriedenstellenden Fortschritt». Eine Beurteilung sei aber noch nicht möglich, da diese «erst kürzlich eingeführt worden sind».

Etliche der grundsätzlich von den Inspektoren begrüssten Verbesserungen lassen sich noch nicht wirklich beurteilen. So hatte die IAEA ursprünglich kritisiert, dass auf einzelnen Betriebsschichten im AKW ausgebildete Feuerwehrleute fehlten. Nun sei die Feuerwehr so «umstrukturiert», dass sie jederzeit einsatzbereit sei. Angewandt wird dies aber erst ab dem kommenden 1. Juli. Auch für den Schichtbetrieb im AKW gibt es ein neues Handbuch. Doch trotz Schulung der Reaktoroperateure stellten die Inspektoren «Verbesserungspotenzial im Verhalten einzelner Mit­arbeiter im Kommandoraum fest».

IAEA-Regeln für das «Alterungs­management» von Anlageteilen werden bisher nur von der Abteilung Maschinentechnik angewandt – also offenbar nicht von der Abteilung Elektrotechnik. Dies ist pikant: Denn diese säumige Abteilung leitete früher der heutige Direktor des AKW Mühleberg, Martin Saxer.

Der Bund

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