Im burmesischen Gästehaus gibts Schweizer Müesli

Die 67-jährige Therese Hubler aus Bätterkinden führt ein Gästehaus in Burma, denn sie will auch nach der Pensionierung noch etwas bewegen.

Gastgeberin mit Leib und Seele: Therese Hubler.

Gastgeberin mit Leib und Seele: Therese Hubler.

(Bild: Adrian Moser)

«Sie sind bei uns sicher», heisst es in grossen Buchstaben auf der Homepage das Gästehauses Lei Thar Gone, was «sanfte Brise» auf Burmesisch bedeutet. «Wir sind Hunderte von Kilometern von der Konfliktzone entfernt.» Gemeint ist der Norden von Rakhine, dem Gliedstaat Burmas, in dem die muslimische Minderheit der Rohingya von der burmesischen Armee seit Jahren diskriminiert, vergewaltigt, vertrieben oder getötet wird. Von der Terrasse des Gästehauses in Yenangyaung, über 250 Kilometer Luftlinie vom Konfliktort entfernt, kann Therese Hubler in der Ferne nur knapp die Berge von Rakhine ausmachen. Sie lässt den Blick über die Ayeyarwady-Ebene schweifen, der grösste Fluss des Landes schimmert im Tal, auf den Feldern zieht eine Ochsenherde mit dem Hirten vorbei. Hier zeigt sich Burma von seiner idyllischen Seite.

«Gerade am Morgen früh, wenn der Nebel noch über dem Fluss hängt und langsam die Sonne aufgeht, ist es wunderschön», sagt die 67-Jährige. Natürlich weiss sie um den Konflikt im Land. Trotzdem ist Hubler nach Burma zurückgekehrt, bereits zum elften Mal. «Das Land aus politischen Gründen zu boykottieren, schadet den Falschen.»

Krone mit «Michelin»-Stern

2013 kam Hubler zum ersten Mal nach Yenangyaung. «Nach der Pensionierung suchte ich nach einem neuen Projekt, bei dem ich meine Fähigkeiten einbringen und Menschen helfen konnte», sagt sie. Hubler hatte einst die Hotelfachschule in Lausanne besucht und arbeitete als Restaurationsleiterin im renommierten Restaurant Krone in Bätterkinden, wo sie ihren Ehemann, den Spitzenkoch Res Hubler, kennen lernte. Bald wurden Res und Therese ein Paar, heirateten und übernahmen 1979 den Betrieb. Mit Erfolg: 17 «Gault Millau»-Punkte und einen «Michelin»-Stern besass das Gourmetrestaurant. «Jene Zeit war sehr interessant, aber auch sehr energieraubend», sinniert Therese Hubler. «Der ‹Michelin›-Stern hat uns zwar geehrt, aber unsere Erfüllung fanden wir darin nicht.»

So beschlossen Hublers nach 26 Jahren, den Betrieb als soziales Unternehmen weiterzuführen, mit einer Wohn- und Ar­beitsgemeinschaft für psychisch und physisch beeinträchtigte Menschen. «Wir dachten, ohne Abendbetrieb könnten wir unsere Tätigkeit nach und nach herunterfahren. Welch ein Trugschluss, diese acht Jahre waren noch strenger als vorher.» Statt Erholung fanden sie aber Erfüllung: «Es war sehr bewegend zu sehen, wie wir diesen Menschen Halt und ein Fundament geben konnten», sagt Hubler. Orientiert haben sie sich an ihren christlichen Werten.

Es überrascht nicht, dass sich die aktive Frau nicht einfach zur Ruhe setzte. «Ich wollte Menschen helfen, die vom Staat nicht so viel Unterstützung erhalten wie in der Schweiz», sagt sie. Von Freunden erfuhr sie von einer Schule für Waisenkinder in Burma, die von einem an Aids erkrankten Burmesen gegründet wurde. Nebenan sei ein Gästehaus am Entstehen, mit dem Einnahmen generiert sowie Arbeitsplätze für benachteiligte Burmesinnen geschaffen würden.

Läuft auch in Abwesenheit

Kurzerhand flog sie nach Burma und packte mit an. Sie erstellte Checklisten für die Zimmerreinigung, schrieb Menüpläne, entwickelte ein System für die Buchhaltung. «Ich will den Frauen etwas beibringen, denn es muss auch funktionieren, wenn ich nicht da bin.» Ihre Spuren hat sie nicht nur in der Schweizer Ordnung hinterlassen: Selbst ein Birchermüesli gehört zum Frühstücksangebot. Die zweifache Mutter und vierfache Grossmutter lebt zwei Mal pro Jahr für sechs Wochen in Burma. Den Rest des Jahres managt sie das Gästehaus von der Schweiz aus. Dann logiert sie an ihrer früheren Wirkungsstätte, der Krone, in der heute die Schokoladen­manufaktur Casa Nobile untergebracht ist.

Nach der Pensionierung an einem Strand zu liegen, kam für Hublers nie infrage. Ehemann Res engagiert sich in einem Landwirtschaftsprojekt im afrikanischen Togo. «Auch in einem gewissen Alter kann man etwas lernen», ist Therese Hubler überzeugt. «Solange ich gesund bin und die Kraft dazu habe, möchte ich etwas bewegen, ich werde dranbleiben, so lange sie mich hier brauchen können.»

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