«Im Eidgenössischen Schwingfest ist viel Schweiz drin»

Burgdorfs Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch läutet das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest ein – nicht nur mit der prächtigen Kuhglocke der Stadt Burgdorf, die den reichen Gabentempel zieren wird.

Vor einem bereits aufgebauten Festzelt präsentiert Elisabeth Zäch die Kuhglocke, welche von der Stadt Burgdorf als Ehrenpreis gespendet wurde.

Vor einem bereits aufgebauten Festzelt präsentiert Elisabeth Zäch die Kuhglocke, welche von der Stadt Burgdorf als Ehrenpreis gespendet wurde.

(Bild: Manu Friederich)

Sie überstrahlt sogar ihre eigene Ausstrahlung, wenn sie vom bevorstehenden Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (30. August bis 1. September) schwärmt: Für die Burgdorfer Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch, 58-jährig, SP, ist dieses nationale Grossereignis «ein Geschenk». Es erfülle sie mit Stolz, dass ihre Stadt «zusammen mit den Gemeinden Kirchberg und Lyssach» Gastgeberin sein darf. Und vor allem sei sie dem Organisationskomitee und all den rund 4000 Helferinnen und Helfern dankbar, die «uns so etwas Grosses bescheren». Dank ihnen werde das Städtchen Burgdorf – das sich auf seiner Website rühmt, «active since 1175» zu sein – die grosse Aufgabe bewältigen: «Wir haben Respekt davor. Aber wir werden zeigen, dass diese Region, zusammen mit dem ganzen Emmental, Grosses leisten kann. Im OK sind absolute Profis am Werk, die haben das im Griff.»

Eine Chance für die Stadt

Für Burgdorf sei das Eidgenössische eine Chance, sich mit diesem Anlass, dem viel Interesse und Sympathie entgegengebracht werde, zu präsentieren: «Zu zeigen, was für eine Kraft in dieser Stadt und in dieser Region steckt – allen Strukturschwächen zum Trotz.» Ein solcher Anlass wirke aber auch nach innen: Für alle, die nun irgendwo und irgendwie ihren Beitrag leisteten, werde dies ein prägendes Erlebnis sein. Die Organisation des Eidgenössischen stärke also «das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Selbstbewusstsein – nach innen und nach aussen».

700'000 Franken und Kuhglocke

Burgdorf lässt sich das auch etwas kosten: Rund 700'000 Franken, wenn man alle Leistungen zusammenzählt, die die Stadt erbringt. «Die prächtige Kuhglocke, die wir als Ehrenpreis der Stadt spenden», sagt die Stadtpräsidentin verschmitzt, «ist also mehrere Hunderttausend Franken wert.» Und als Grossrätin hat sie auch den Kantonsbeitrag von 1,6 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds «selbstverständlich» befürwortet: «Wenn man ein Eidgenössisches Schwingfest will, kostet das etwas. Und da pro Helferstunde acht Franken in die Vereinskassen der vielen Helferinnen und Helfer fliessen, wenn alles optimal läuft, wird das Geld auch wieder sinnvoll investiert.» Und: «Man müsste auch mal zusammenzählen, was all die Sportanlässe kosten, für die Wochenende für Wochenende die Polizei ausrücken muss.»

Sie selber sei seit Jahren immer wieder mit dem Fest beschäftigt, doch nun könne sie eigentlich nur noch auf einen Berner Sieg hoffen («Matthias Sempach aus dem benachbarten Alchenstorf ist natürlich mein Favorit»), dem OK die Daumen drücken und sich auf ihren kleinen Einsatz als Gästebetreuerin am Fest selber freuen. «Ja, ich freue mich – und wie!», sagt sie, «das Eidgenössische ist doch etwas ganz Spezielles. Etwas mit enormer Ausstrahlung. Etwas Urschweizerisches, das in der globalisierten Welt, in der wir heute leben, viele schätzen.» Schwingen sei auch etwas Ehrliches und Authentisches: «Die Schwinger geben sich die Hand, bevor sie Griff fassen. Sie blicken sich in die Augen. Dann kämpfen sie – resolut, hart, kraftvoll, aber ohne dass es grob wird. Und nach dem Kampf wischt der Sieger dem Verlierer das Sägemehl vom Rücken.» Dies sei doch «grossartig», sagt sie, «ein echtes, faires Kräftemessen».

«Auch ich trage eine Tracht»

Schwingen stehe auch für den in letzter Zeit oft gehörten Begriff «Swissness»: «Bei Schweizer Produkten fragt man ja, wie viel Schweiz drin ist. Das braucht man beim Eidgenössischen Schwingfest nicht zu fragen: Da ist viel Schweiz drin.» Ihr gefalle das – solange es «nicht ins Nationalistische kippt». Auch die Schwinger selber repräsentierten übrigens keineswegs irgendeine hinterwäldlerische Folklore-Schweiz. Im Gegenteil: «Schwinger sind heute durchtrainierte Athleten. Ambitionierte Sportler, die auch ein neues, eher städtisches Publikum ansprechen. Und zum Beispiel auch junge Frauen. Auch mir gefällt er übrigens, der ‹chäche› Schwinger-Typ!»

Elisabeth Zächs erste Begegnung mit dem Schwingsport war 1982 am Kantonalen in Burgdorf, als sie für das DRS-Regionaljournal einen Radiobeitrag «aus der Sicht der ahnungslosen Journalistin» zu gestalten hatte und sich dabei den Fauxpas leistete, die Trachten der Besucherinnen als «Gwändli» zu bezeichnen. Seither hätten sich die Zeiten geändert, meint sie – und lacht: «Dieses Jahr trage auch ich eine Tracht, eine Gotthelf-Tracht. Das wird von den Gästebetreuerinnen so erwartet und gehört deshalb nun einfach dazu. Es ist zwar neu für mich, aber ich freue mich darauf.»

«Viele Klischees stimmen nicht»

Am letzten Eidgenössischen 2010 in Frauenfeld hatte Elisabeth Zäch einen Vorgeschmack auf das erhalten, was die Zuschauer in Burgdorf erleben werden – die 52'013 Personen in der Emmental-Arena, die nun aufgebaut wird, und die voraussichtlich etwa 250'000 bis 300'000 Besucherinnen und Besucher auf dem Festgelände, die das sportliche Geschehen auf Grossleinwänden miterleben werden: «Fasziniert hat mich damals vieles. Zum Beispiel das werbefreie Innere der Arena. Die vielen Tausend höchst konzentrierten Zuschauerinnen und Zuschauer. Die gespannte Ruhe beim Schlussgang. Das hat mich berührt.» Ein Erlebnis sei für sie auch das diesjährige Emmentalische in Trub gewesen, wo Tausende bei heftigem Regen ausgeharrt hätten. Oder das Lueg-Schwinget vor eindrücklicher Landschaftskulisse: «Da wurde geschwungen – und plötzlich waren einige Jodler da, irgendwo am Rand, und jodelten. Einfach so. So etwas ist weder Kitsch noch Kommerz, sondern etwas Echtes, etwas Charaktervolles.»

Wenn es ums Schwingen gehe, sagt Elisabeth Zäch, würden oft Klischees hervorgeholt, doch: «Auch hier gilt: Je mehr man sich mit etwas beschäftigt, desto weniger stimmen die Klischees.»

Der Bund

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