«Ich konnte mit Fussball nicht viel anfangen»

Der neue Präsident der kantonalen BDP heisst Jan Gängi, ist 27 Jahre alt und findet, seine Partei sei die GLP für die Landbevölkerung.

Der Seeländer Jan Gnägi ist seit Mittwochabend Präsident der BDP Kanton Bern.

Der Seeländer Jan Gnägi ist seit Mittwochabend Präsident der BDP Kanton Bern. Bild: Adrian Moser

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Herr Gnägi, Sie sind mit nur 27 Jahren Präsident der BDP Kanton Bern geworden. Geht es der Partei so schlecht, dass sie auf die Jungmannschaft zurückgreifen muss?
Im Gegenteil, es geht ihr so gut, dass sich junge Personen engagieren und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Nach dem fulminanten Start ist der Stern der BDP am Sinken. Sie verliert Wähleranteile und Parlamentssitze. Wie erklären Sie das?
Das ist mit der Entstehungsgeschichte der BDP erklärbar. Vor acht Jahren erhielt die BDP bei den Grossratswahlen viele Sympathiestimmen von Menschen, die sonst nicht bürgerlich wählen. Denn die Partei wurde als Abspaltung von der SVP gegründet. Doch dann kam der Alltag, und wir machten unsere bürgerliche Politik. 2014 erhielten wir dann die Sympathiestimmen nicht mehr. Daher sanken auch die Wähleranteile. Nun zeigt sich, dass ein Wähleranteil von rund zehn Prozent der natürlichen Stärke unserer Partei entspricht. Darauf bauen wir auf.

Was setzen Sie einem weiteren Verlust von Wähleranteilen entgegen?
Ich will nicht, dass diese weiter sinken. Wir müssen uns klarer positionieren. Aber wir können nicht zaubern. Viel hängt von den politischen Köpfen ab.

Und die springen nach und nach ab. Was geschieht mit der Partei, wenn die letzten Gründungsmitglieder wie Werner Luginbühl oder Ursula Haller weg sind?
Zehn Jahre nach der Gründung haben wir Politiker, die ihrer Karriere in der BDP begonnen haben. Wir müssen diese Leute fördern. Sie sollen rasch öffentliche Ämter erlangen. Wir müssen die Verantwortung jüngeren Leuten abgeben.

Dass in Thun Ursula Haller wieder Sektionspräsidentin ist, zeugt aber nicht davon, dass die BDP die Verantwortung Jungen abgibt.
Eine junge Person wäre dort im entbrannten Streit um Listenverbindungen mit SVP und FDP verheizt worden. Wir sind froh, dass mit Ursula Haller eine erfahrene Person eingesprungen ist.

Auch Martin Landolt, Präsident der BDP Schweiz, will Junge fördern. Wo sind sie heute?
Ich bin einer von ihnen. Ein anderer ist Philip Kohli, der im Berner Stadtrat sitzt. Auch der Präsident des Wahlkreises Seeland ist erst 27 Jahre alt. Aber Junge haben es schwer, wahrgenommen zu werden.

Wie wollen Sie denn junge Leute ansprechen?
Die Frage ist eher, wie spricht man junge Leute grundsätzlich für Politik an. Denn sie ist für viele Jugendliche nicht besonders attraktiv. Man hat viel Arbeit und wenig Fun. Welche Partei sie dann wählen, hängt von ihrer politischen Haltung ab. Darum ist es für alle Parteien herausfordernd, junge Leute zu gewinnen. Wir haben auch kein Rezept.

Und wie sind Sie zur Politik gekommen?
Ich konnte mit Fussball nicht viel anfangen und hatte auch kein anderes Hobby. Doch die Politik faszinierte mich. Während der Lehre wollte ich etwas neben dem Beruf machen. In dieser Zeit wurde die BDP gegründet, und sie erschien mir passend. Ich übernahm sogleich Verantwortung in der Partei und wurde bald Grossrat.

Was haben Sie als neuer Präsident mit der BDP Kanton Bern vor?
Jetzt wird eine neue Ära eingeleitet. Die Zeit als Abspaltungspartei ist vorbei. Wir müssen uns als selbstständige unabhängige Partei positionieren.

Und wie wollen Sie die Partei positionieren?
Als progressive bürgerliche Kraft. Wir haben bürgerliche Grundwerte wie Eigenverantwortung und weniger Staat, dort, wo es ihn nicht braucht. Wir wollen aber fortschrittliche Lösungen. Denn wir leben in einer globalisierten Welt und müssen eine entsprechende Politik betreiben. Es ist nicht unser Stil, ideologische Debatten zu führen, die keine Lösungen bringen. Wir wollen Lösungen finden. Das ist für mich fortschrittliche Politik. Die BDP hat sich zwar schon immer so verstanden, aber wir wollen das nun klarer kommunizieren.

So würde sich aber auch die GLP beschreiben. Wie wollen Sie sich von dieser abgrenzen?
Ja, wir haben viel Übereinstimmung mit den Grünliberalen. Sie sind vielleicht etwas technokratischer als wir, doch in vielen Positionen denken wir ähnlich. Die BDP spricht aber ein anderes Wählersegment an als die GLP.

Nämlich?
Wir sprechen eher moderate bürgerliche Wähler auf dem Land an. Die GLP hat ein eher urbanes Wählersegment.

Und wie grenzen Sie die BDP von der SVP ab?
Es gibt auch mit der SVP Berührungspunkte. In der Gesellschaftspolitik gewichten wir etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf höher, und in der Energiepolitik unterscheiden wir uns deutlich.

Die SVP setzt stark auf die Migrationspolitik. Auf welches Thema soll die BDP Kanton Bern setzen?
Keine kantonale Regierungspartei kann sich heute auf ein Thema allein spezialisieren. Wir müssen zu jedem Thema Stellung nehmen. Die BDP Kanton Bern ist im Bereich Finanzpolitik dank ihrer Regierungsrätin Beatrice Simon sehr sichtbar. Wir werden im Kanton Bern also wahrgenommen, wenn es um Finanzpolitik geht. Wir haben aber auch eine klare Bildungspolitik.

Das war bisher so. Wie soll es in Zukunft unter Ihrer Führung sein?
Wir werden unsere thematische Positionierung nicht um 180 Grad wenden. Wir werden weiterhin lösungsorientierte Politik machen, und unsere Politiker lassen sich in verschiedenen Themen verorten, zum Beispiel Lorenz Hess im Gesundheitsbereich oder Beatrice Simon in den Finanzen.

Und mit wem treten Sie die Nationalratswahlen an?
Voraussichtlich mit den Bisherigen. Und mit zahlreichen neuen wie zum Beispiel Michelle Renaud, Anita Luginbühl und Vania Kohli.

Michelle Renaud, deren politischer Leistungsausweis ihre journalistische Arbeit für TeleBärn ist?
Im Milizsystem der Schweizer Politik gibt es viele Quereinsteiger. Sie sind manchmal sogar kreativer als langjährige Politiker. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.09.2018, 18:54 Uhr

Junger BDP-Präsident

Am letzten Mittwoch wurde Jan Gnägi einstimmig zum Präsident der BDP Kanton Bern gewählt. Der 27-Jährige tritt die Nachfolge von Enea Martinelli an, der sein Amt nach nur drei Jahren wieder abgibt. Als 17-jähriger gründete Gnägi die BDP-Sektion Jäissberg und nur ein Jahr später wurde er als jüngster Grossrat des Kantons gewählt. Seit den letzten Wahlen hat die BDP im Grossen Rat noch 13 Sitze. 2010 zog sie mit 25 Sitzen ins Parlament. (nj).

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