«Ich bin in das Zirkusleben hineingeboren worden»

Der Artist Constantin Bellu spielt seit 37 Jahren in den Manegen der Welt. Zurzeit tourt er mit dem Circus Nock durch den Kanton Bern.

Der Artist Costin Pity tritt dieses Jahr beim Circus Nock auf.

Der Artist Costin Pity tritt dieses Jahr beim Circus Nock auf. Bild: Franziska Rothenbühler

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Wild springt Constantin Bellu auf dem Trampolin herum, macht Saltos mit einem Besen und bringt das Publikum mit seiner ausgeprägten Mimik zum Lachen. Seine Akrobatik kann zwar nicht gerade als anmutig bezeichnet werden, doch genau diese Mischung aus Kraft, Körperbeherrschung und Komik zeichnet Bellu aus.

Der Artist, der unter dem Namen Costin Pity in diesem Jahr im Circus Nock auftritt, führt seine Kunststücke mit einer Leichtigkeit auf, die ihresgleichen sucht. Gelernt hat der 49-jährige Rumäne sein Metier vor langer Zeit, heuer ist es bereits die 37. Tournee, die er mit einem Zirkus absolviert.

«Ich mache mit der Akrobatik weiter, so lange es körperlich geht», sagt Constantin Bellu. Doch auch danach wolle er sich noch nicht vom Leben in der Manege verabschieden. Wie er sich dann genau im Zirkus einbringen will, entscheide er aber erst, wenn es soweit ist.

Ihren Ursprung hatte Constantin Bellus Faszination für den Zirkus in seiner Heimatstadt Bukarest. «Ich war begeistert von all den Nummern, die ich bei einer Vorstellung mit meinen Eltern gesehen hatte», sagt er.

Ab diesem Moment sei für ihn klar gewesen, dass er als Artist beim Zirkus arbeiten wollte. Der Traum des sportlichen Knaben erfüllte sich dann bereits im Alter von zwölf Jahren: Bellu wurde vom Zirkus angeheuert und half den Artisten bei ihren Nummern aus. Während zehn Jahren lernte er die Grundlagen des gesamten Akrobatikspektrums – auf das Trampolin spezialisierte er sich erst später.

Harte Arbeit zahlt sich aus

Weil er mehr von der Welt sehen und seine eigenen Nummern erarbeiten und zeigen wollte, begann Constantin Bellu danach, von Zirkus zu Zirkus zu reisen. Über Skandinavien und Griechenland bis nach Südamerika führte er in den verschiedensten Manegen seine Akrobatik- und Comedynummern vor und machte sich einen Namen in der Branche.

«Es ist ein tolles Gefühl zu merken, dass dem Publikum meine Nummer wirklich gefällt.»

Diese Zeit sei vor allem durch strenges Training geprägt gewesen. «Der Körper muss fit sein und die Bewegungsabläufe der Nummern müssen einfach sitzen.» Die harte Arbeit lohne sich aber allemal: «Es ist ein tolles Gefühl zu merken, dass dem Publikum meine Nummer wirklich gefällt.»

1999 zog es Constantin Bellu dann in die Schweiz zum Circus Nock. Während der beinahe zehn Jahre, die er mit der Familie Nock unterwegs war, wurde er selber ein Teil der Familie. In dieser Zeit kam der gemeinsame Sohn von ihm und Alexandra Nock, Direktorin des Circus Nock, auf die Welt.

Nach einer Verletzung im Jahr 2007 spielte Constantin Bellu vor allem auf Zirkusfestivals in Frankreich und nahm an der Sendung «Das Supertalent» des deutschen Fernsehsenders RTL teil.

«Das war eine interessante Erfahrung, aber halt doch nicht die Manege», sagt Bellu. Nach einigen Engagements ausserhalb des Zirkus kehrte er für die diesjährige Tournee zum Circus Nock zurück. «Hier ist meine Familie.»

Die Konkurrenz schläft nicht

Weil es für Zirkusse in den letzten Jahren zunehmend schwieriger geworden sei, sich finanziell über Wasser zu halten, habe sich auch das Leben für reisende Artisten wie ihn in eine Art Hochseillauf verwandelt, sagt Constantin Bellu.

Das romantische Zirkusleben, wie es sich viele vorstellen, existiere schon länger nicht mehr; eine Arbeit als Artist zu finden, sei nicht einfach. «Das Internet hilft jungen Artisten, sich und ihr Können global bekannt zu machen, weshalb die Konkurrenz immer grösser wird», sagt Bellu.

Zusätzlich existierten mehr Zirkusschulen, die Artisten aus der ganzen Welt ausbildeten. Deshalb sei es umso wichtiger, diszipliniert zu trainieren und selber aktiv nach einer Arbeit in einem Zirkus zu suchen.

Mit dem Circus Nock auf Tournee sein zu können, bedeutet für Constantin Bellu aber nicht nur ein sicheres Einkommen. Für ihn sei es zusätzlich auch ein Spiel vor Heimpublikum, das ihm zusätzliche Lockerheit verschaffe.

Zudem könne er damit auch den grössten Nachteil des Zirkuslebens umgehen und mehr Zeit mit seinem Sohn verbringen, der bald zwölf Jahre alt wird. Dieser sei vom Zirkus ähnlich begeistert wie er selber, sagt Bellu.

«Ich hoffe schon, dass er in meine Fussstapfen treten wird.» Für Constantin Bellu ist es klar, dass er das Artistenleben trotz seiner Schwierigkeiten nicht missen möchte. «Ich bin in das Zirkusleben hineingeboren worden. Würde ich einen anderen Beruf ausüben, wäre ich wahrscheinlich nicht halb so glücklich.» (Der Bund)

Erstellt: 23.05.2016, 07:54 Uhr

Circus Nock

Leidenschaft auf dem Hochseil

Bereits zum 156. Mal reisen die Artisten des Circus Nock durch die Schweiz. Seit drei Jahren wird der älteste Zeltzirkus der Schweiz von den beiden Schwestern Franziska und Alexandra Nock geleitet. Im Rahmen des diesjährigen Programms «Ritmo y pasión» (Rhythmus und Leidenschaft) stellen 20 Artisten passende Nummern auf die Beine.

Speziell sei in diesem Jahr vor allem der Auftritt von «The Robles». Die Kolumbianer führen zum ersten Mal in einem Schweizer Zirkus eine Hochseilnummer vor. Solche Nummern werden für Zirkusse immer wichtiger, um das Publikum anzulocken.

«Die Zuschauer sind verwöhnt und stellen hohe Ansprüche an die Kunststücke, die sie im Zirkus sehen», sagt Franziska Nock. Dies hat zur Folge, dass weniger Leute den Zirkus besuchen und dieser Mühe hat, weiterhin über die Runden zu kommen. Dennoch habe Franziska Nock nicht vor, mit dem Zirkus aufzuhören. «Wir machen so lange weiter, wie es noch geht.»

Auftritte Circus Nock im Kanton Bern: Langnau: 24. und 25. Mai. Thun: 27. bis 29. Mai. Burgdorf: 31. Mai und 1. Juni. Bern: 3. bis 12. Juni.
www.nock.ch

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