Hohe Qualität oder schlechte Betreuung?

Die auf die Betreuung von Flüchtlingen spezialisierte ORS AG führt schweizweit über 30 Asylzentren.

Die auf die Betreuung von Flüchtlingen spezialisierte ORS AG führt schweizweit über 30 Asylzentren. So auch das Zentrum Hochfeld.

Die auf die Betreuung von Flüchtlingen spezialisierte ORS AG führt schweizweit über 30 Asylzentren. So auch das Zentrum Hochfeld. Bild: Adrian Moser

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Bei den Behörden ist das Privatunternehmen, das 450 Mitarbeiter beschäftigt, beliebt: Es ist bereit und fähig, Zentren ohne grosse Vorlaufzeit zu betreiben; tauchen während des Betriebs Probleme auf oder ereignen sich Zwischenfälle, macht es um diese – so heisst es in der Branche – wenig Aufsehen. Dies wäre dem Geschäft nicht zuträglich. «Wir legen unseren Fokus auf die Qualität», sagte ORS-Geschäftsführer Stefan Moll-Thissen gestern in Burgdorf auf die Frage, weshalb seine Firma den Zuschlag des Kantons Bern erhalten habe.

Trotzdem stand und steht die ORS wiederholt in der Kritik. Dies nicht zuletzt als Betreiberin des oft kritisierten Durchgangszentrums Hochfeld im Berner Länggassquartier. Denise Graf, Flüchtlingskoordinatorin von Amnesty Schweiz, sagt auf Anfrage, in den Zent­ren der ORS gebe es grundsätzlich mehr Probleme als in denen von anderen Betreibern. Das zeige sich in jenen Fällen exemplarisch, in denen die ORS ein bestehendes Zentrum übernehme oder eines ihrer eigenen an eine andere Organisation abgebe. Hört man sich unter Branchenkennern um, heisst es, die gewinnorientiert arbeitende ORS spare auf Kosten der ihr anvertrauten Flüchtlinge.

In vielen der ORS-Zentren gebe es mangelhafte Betreuung – etwa im medizinischen und pädagogischen Bereich. Das neue, von der AOZ betriebene Bundeszentrum in Zürich zeige, dass man Asylunterkünfte auch ganz anders führen könne. «Das Konzept dieses Zentrums und dasjenige der ORS sind wie Tag und Nacht», sagt Graf. Initiative Mitarbeiter und Anwohner, die sich für eine bessere Betreuung engagieren möchten, würden bei der ORS zudem oft auf taube Ohren stossen, so Graf.

Dagobert Onigkeit, der sich für die Flüchtlinge im Hochfeld einsetzt, bestätigt diese Einschätzung. Graf nimmt aber auch die Behörden in die Pflicht. «Wenn diese öffentliche Gelder sprechen, müssten sie in der Folge auch sicherstellen, dass Verantwortung, Professionalität und ethische Grundsätze eingehalten werden.»

Kritik lässt Firmenchef kalt

Die Mitarbeiter der ORS seien zum Teil relativ schlecht bezahlt und auch deshalb vielfach mangelhaft ausgebildet, sagt Graf. Mehrere Quellen sagen zudem übereinstimmend, dass die ORS seinen Mitarbeitern einen Maulkorb verpasse. Vor kurzem sorgten Filmaufnahmen aus dem Hochfeld für Aufsehen, die mit Fäkalien verschmierte Toilettenflure zeigten. Wiederholt für Schlagzeilen sorgten auch Parasiten, welche die Bewohner plagten und erst nach längerer Zeit ­bekämpft wurden. Für den Betrieb des Hochfelds zeichnete bis vor kurzem Michel Jungo verantwortlich. Nun hat er die Leitung des neuen Zentrums in Burgdorf übernommen – nur vorübergehend, wie er dem «Bund» sagt.

Nach einiger Zeit werde das Zentrum Burgdorf vom Hochfeld aus gemanagt. Und was sagt Moll-Thissen zur Kritik an seiner Firma? «Es stellt sich immer die Frage, was Kritik beinhaltet. Unsere Wahrnehmung ist eine ganz andere.» Man habe hohe Qualitätsstandards und bilde die Mitarbeiter gut aus. Die ORS erhalte für ihre Arbeit stets viel Zuspruch. (Der Bund)

Erstellt: 12.09.2014, 14:22 Uhr

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