Höhere Steuern für Hauseigentümer

Der Kanton Bern erhöht die Eigenmietwerte in 143 von 356 Gemeinden ab 2015 teilweise massiv. Unter dem Strich geht es
 um zusätzliche Steuern in der Höhe von 20 Millionen Franken. Der Hauseigentümerverband findet dies «absolut stossend».

Der Hauseigentümerverband stösst sich an den erhöhten Steuern.

Der Hauseigentümerverband stösst sich an den erhöhten Steuern. Bild: Keystone

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Für Haus- und Wohnungseigentümer im Kanton Bern steigen die Steuern. Die Eigenmietwerte werden in 143 von 356 Gemeinden nach oben angepasst, die Erhöhung beträgt vielerorts zehn oder mehr Prozent. Der Eigenmietwert von Häusern und Eigentumswohnungen wird als Einkommen versteuert. Der Eigenmietwert orientiert sich am Betrag, der bei einer Fremdvermietung erwirtschaftet werden könnte. Dabei darf das Gros aller Eigenmietwerte gemäss Rechtsprechung bei den Kantons- und Gemeindesteuern nicht unter 60 Prozent des ortsüblichen Marktes sein.

Letztmals wurden die Mietwerte im Kanton Bern im Jahr 1999 angepasst. «Es handelt sich um sehr alte Zahlen», sagte Steuerverwalter Bruno Knüsel gestern an einer Medienkonferenz. «Es besteht ein klarer Bedarf, diese Zahlen zu aktualisieren.» Die neuen Zahlen stützen sich auf eine Mietzinserhebung von 2012, bei der über 11'000 Objekte ausgewertet wurden.

Breitenrain am stärksten betroffen

Am stärksten ist die Erhöhung mit 22 Prozent im Berner Breitenrainquartier, auch in der Gemeinde Saanen fällt sie mit 17 Prozent relativ hoch aus. Um mehr als zehn Prozent steigt der Eigenmietwert unter anderem auch in den Berner Quartieren Länggasse, Kirchenfeld, Schosshalde. Ziel sei die steuerliche Gleichbehandlung, erklärte Knüsel. Nicht betroffen ist die Landwirtschaft.

Unter dem Strich geht die Steuerverwaltung von rund 20 Millionen Franken zusätzlichen Steuereinnahmen aus, wovon rund 14 Millionen für den Kanton und 6 Millionen Franken für die Gemeinden. Die Mitteilung über die neue Bewertung wird von Mitte Mai bis Mitte Juni an die Eigentümer verschickt. Relevant sind die neuen Werte erst für die Steuererklärung 2015, die im Jahr 2016 auszufüllen ist.

Etwa 500 bis 1000 Franken mehr

Im Breitenrain steigt der Eigenmietwert für eine 4-Zimmer-Wohnung gemäss einem Beispiel der Steuerverwaltung von heute 12'200 auf 14 900 Franken. In Saanen erhöhte sich der Eigenmietwert für ein 5-Zimmer-Einfamilienhaus von 15'900 auf 18'600 Franken. Bei grösseren Objekten fällt der Betrag entsprechend höher aus. Unter dem Strich macht die steuerliche Mehrbelastung für die Eigentümer rund 500 bis 1000 Franken aus.

Gar nicht gut kommt diese Neuerung beim Hauseigentümerverband des Kantons Bern an. «Wir finden diese Änderung absolut stossend», sagt HEV-Präsident Peter Brand. Der Zeitpunkt der Erhöhung sei «nicht nachvollziehbar», da seit 2012 der Referenzzinssatz ja gesunken sei. Der Hauseigentümerverband will prüfen, ob die Erhöhung überhaupt rechtlich zulässig ist. «Wir verlangen Einsicht in die Daten, die der Massnahme zugrunde liegen», sagt Peter Brand. Es gehe einfach darum, mehr Steuereinnahmen zu generieren. «Die Eigentümer kann man halt am besten treffen.» Der Hauseigentümerverband fordert seine Mitglieder auf, gegen die Erhöhung juristische Mittel zu ergreifen.

Bereits in diesem Jahr kann der Kanton mit Mehreinnahmen rechnen, weil die Änderung bei den Berufskosten wirksam wird. In der Steuererklärung für 2014, die in diesen Tagen verschickt wird, ist kein Abzug der Gesamtpauschale von 20 Prozent des Nettolohns oder maximal 7200 Franken mehr möglich. Man darf nur noch die tatsächlichen Berufskosten beziehungsweise Teilpauschalen abziehen. Betroffen sind Leute mit einem kurzen Arbeitsweg. Ein Hauswart etwa, der am gleichen Ort wohnt und arbeitet, erhält die Gesamtpauschale nicht mehr. Es gibt aber Teilpauschalen, etwa für die zurückgelegten Kilometer und die auswärtige Verpflegung. Die Mehreinnahmen belaufen sich auf rund 20 Millionen Franken.

Änderung auch für Autopendler

Noch in der Pipeline ist die Begrenzung beim Fahrkostenabzug: Hier trifft es nicht Personen, die nahe beim Arbeitsort wohnen, sondern Pendler, die ihren Arbeitsweg mit dem Auto zurücklegen. Wie bei den Berufskosten handelt es sich auch hier um eine Massnahme aus dem ASP-Sparpaket. Der Regierungsrat peilte Mehreinnahmen von etwa 53 Millionen Franken an. Schon jetzt ist klar, dass dieses Ziel nicht erreicht wird.

Es liegen Anträge aus den Reihen der bürgerlichen Mehrheit im Grossen Rat für eine Abfederung für Pendler aus Randregionen vor. Die Beratung soll in der Junisession erfolgen, ursprünglich war dafür die Märzsession vorgesehen. (Der Bund)

Erstellt: 17.01.2015, 13:00 Uhr

Straflose Selbstanzeige wird weiter rege benutzt

Im Kanton Bern haben im vergangenen Jahr 840 Personen eine straflose Selbstanzeige wegen hinterzogener Steuern eingereicht. 2013 waren es 650 Personen gewesen. In 90 Prozent der Fälle betrifft die Anzeige Vermögenswerte, die bisher nicht deklariert worden waren, also zum Beispiel Bankkonten oder Wertschriften. Für das Jahr 2014 erzielten Kanton Bern und Gemeinden dadurch Mehreinnahmen von 22,5 Millionen Franken.

Beim grössten Fall im letzten Jahr ging es um 1,1 Millionen Franken, beim kleinsten um 200 Franken. Seit der Einführung der Möglichkeit zur straflosen Selbstanzeige im Jahr 2010 verzeichnete der Kanton Bern 2950 Selbstanzeigen mit einem Steuerertrag von insgesamt 83,8 Millionen Franken, darunter befanden sich nur gerade zehn Firmen. Zusätzlich wurden 16 Millionen Franken direkte Bundessteuern eingezogen. Zur Erinnerung: Man kann sich bei der Steuerverwaltung einmal im Leben straflos anzeigen. Wer dies tut, erhält keine Busse, muss aber die Steuern nachzahlen.

Neu werden ab diesem Jahr bei volljährigen Kindern getrennter Eltern die sogenannten zusätzlichen Abzüge beiden Elternteilen je zur Hälfte gewährt. Dabei handelt es sich um Versicherungsabzüge und Abzüge für Ausbildungskosten beziehungsweise für bescheidene Einkommen.

Ungebrochen ist der Trend zur elektronischen Steuererklärung, wie die Steuerverwaltung des Kantons Bern gestern an einer Medienkonferenz festhielt. 2014 wurden erstmals weniger als 100 000 von über 600'000 Steuererklärungen auf Papier eingereicht. Das sind 10 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Rund 90 Prozent aller eingereichten Dossiers hat die Steuerverwaltung bereits bearbeitet.

Neu ist zudem das Layout der Veranlagungsverfügung und der Schlussabrechnung. Die Steuerverwaltung hat die Kritik aufgenommen, die detaillierten Angaben seien nicht nachvollziehbar. In der neuen Darstellung sollen diese Dokumente nun klarer und verständlicher sein.

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