Hat Christa Markwalder Chancen?

FDP-Nationalrätin Christa Markwalder sagt als Erste, dass sie Ständerätin werden will. Die Ausgangslage ist vertrackt. Was Polit-Interessierte wissen müssen.

Als Nationalratspräsidentin erlebte Christa Markwalder Ende 2015 und 2016 einen Höhepunkt in ihrer Politkarriere.

Als Nationalratspräsidentin erlebte Christa Markwalder Ende 2015 und 2016 einen Höhepunkt in ihrer Politkarriere. Bild: Anthony Anex (Keystone)

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Die freisinnige Nationalrätin Christa Markwalder (43) legt ihre Karten als Erste auf den Tisch: Sie will im Herbst 2019 für den Kanton Bern in den Ständerat. Nach vier erfolglosen Anläufen soll sie die einst stolze Berner FDP zurück ins Stöckli bringen. Noch ist die Kardinalfrage unbeantwortet, ob die beiden amtierenden Ständeräte Werner Luginbühl (BDP) und Hans Stöckli (SP) erneut antreten. Das schafft Raum für Gedankenexperimente: Kann es Markwalder schaffen?

Wie zugkräftig ist die Juristin aus Burgdorf?
Seit 2003 sitzt sie im Nationalrat. 2015 stand Markwalder als Nationalratspräsidentin im Rampenlicht. Doch beim ersten Versuch, Ständerätin zu werden, schnitt sie nicht besonders gut ab. Damals, im Frühjahr 2011, war es eine Ersatzwahl für den Sitz der in den Bundesrat gewählten Simonetta Sommaruga (SP); sie erreichte im ersten Wahlgang 69303 Stimmen und war damit weit von den 100000 Stimmen entfernt, die es in der Regel für das Weiterkommen in die zweite Runde braucht. Bei den Nationalratswahlen 2015 kam die Freisinnige auf 63726 Stimmen. Das bedeutete den 32. Platz im Berner Kandidatenfeld.

Einst schadete Markwalder im bürgerlichen Lager ihr Bekenntnis zum EU-Beitritt, inzwischen ist sie aber nicht mehr umstritten. Gleichzeitig verkörpert sie auch nicht mehr eine FDP im Aufbruch, da sie schon 15 Jahre Nationalrätin ist. Nicht geholfen hat ihr jüngst wohl die sogenannte Kasachstan-Affäre. Ein Vorteil ist allenfalls, dass sie eine Frau ist. Im Ständerat ist der Frauenanteil mit 15 Prozent immer noch sehr tief.

Hat sie als Freisinnige überhaupt eine Chance?
Eigentlich nur, wenn die beiden amtierenden Ständeräte es kein weiteres Mal wissen wollen. Dann könnten die Bürgerlichen ein Zweierticket portieren. Die Karten würden neu gemischt. Allerdings wäre auch in dieser Konstellation die SVP im Vorteil. Sie hat am Mittwoch klargemacht, dass jemand aus der heutigen Nationalratsdelegation antreten wird. Am aussichtsreichsten wäre eine Kandidatur von Kantonalpräsident Werner Salzmann. Doch auch die BDP würde ihren Sitz nicht kampflos preisgeben. Sollte Finanzdirektorin Beatrice Simon sich in den Ring begeben, hätte Markwalder wohl das Nachsehen. Immerhin: Die Parteileitung steht hinter ihr, sie hat die Kandidatur gestern begrüsst. Die Nominierung soll im Januar stattfinden.

Nützt ihr der Aufwärtstrend des Freisinns?
Nirgends schnitt die FDP bei den nationalen Wahlen 2015 schlechter ab als im Kanton Bern (Wähleranteil 9,3 Prozent). Die bernische FDP erholt sich nur langsam vom Einbruch bei den kantonalen Wahlen im Jahr 2010, als sie von 16,4 auf 10,3 Prozent einbrach. Das Auftauchen von BDP und GLP haben der FDP arg zugesetzt. Seither geht es mit dem Freisinn nur zaghaft aufwärts. Im konservativen Kanton Bern hat es wirtschaftsliberale Politik seit jeher schwerer als anderswo.

Ständeratswahlen sind Majorzwahlen. Spielt die Parteizugehörigkeit überhaupt eine Rolle?
Tatsächlich müssen Kandidatinnen und Kandidaten bei solchen Wahlen über ihre Basis hinaus überzeugen können. Als nationale Politikerin, die im Kanton Bern weder Mandate mit Breitenwirkung hat noch Regierungsrätin war, fehlt ihr diesbezüglich das Potenzial. Zudem ist auch bei Majorzwahlen eine breite Parteibasis nützlich. Daher bleibt einzig die Hoffnung auf die Doppelvakanz.

Machen die Bisherigen überhaupt Platz?
Sowohl Luginbühl wie Stöckli wollen erst Ende Jahr entscheiden. Mit einer erneuten Kandidatur Luginbühls (61) wird derzeit gerechnet, bei Stöckli (66) eher nicht. Allerdings würde selbst dessen Verzicht die Chancen Markwalders nicht unbedingt erhöhen. Bei den Sozialdemokraten ist mit der ehemaligen Regierungsrätin Barbara Egger ein Schwergewicht frei für neue Aufgaben. Bei den Grünen werden Alt-Regierungsrat Bernhard Pulver oder Grünen-Präsidentin Regula Rytz als Kandidaten gehandelt. Und sollten die Bürgerlichen trotzdem beide Sitze holen, stünde ihr wohl der SVP-Kandidat vor der Sonne.

2011 und 2015 kam es zu zweiten Wahlgängen. Könnte dieses Szenario Markwalder helfen?
Gestern Abend beschloss die EVP, dass sie Nationalrätin Marianne Streiff ins Rennen schickt. Auch mit einer grünliberalen Kandidatur ist zu rechnen. Ob am Ende elf Personen um die Sitze buhlen wie 2015, ist offen, doch es werden nicht wenige sein. Das macht einen zweiten Wahlgang wahrscheinlich. Allerdings wird das Markwalder nur dann etwas nützen, wenn sie im ersten Anlauf 100000 Stimmen macht. Was wie gesagt schwierig ist. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.10.2018, 06:23 Uhr

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