Gut überwacht auf die schiefe Bahn

Kommenden Freitag wird der erste Teil der Bieler Autobahnumfahrung eröffnet. Vorher lüftet der Projektleiter Aldo Quadri ein paar Geheimnisse.

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Noch ist der Ostast der Bieler Autobahnumfahrung das Reich von Aldo Quadri. Unbeschwert fährt er in der falschen Richtung in die Autobahn ein, ignoriert Abschrankungen, stellt sein Fahrzeug mitten im Tunnel ab, steigt hinauf in die Lüftungskanäle oder hinunter in den Kommandoraum. 19 Jahre hat der gebürtige Tessiner dem 1,2 Milliarden-Franken-Projekt gewidmet, 15 davon als Projektleiter. Nun freut er sich, das Bauwerk am 27. Oktober dem Verkehr zu übergeben. Dann werden täglich geschätzte 45'000 Fahrzeuge über den knapp fünf Kilometer langen Autobahnabschnitt fahren. Bevor es so weit ist, geniesst der 68-jährige Ingenieur nochmals die freie Fahrt über «seine» Autobahn und verrät dabei ein paar Geheimnisse.

Schiefe Bahn: Wer über den Ostast fährt, gerät auf die schiefe Bahn. Mindestens drei Prozent beträgt das vorgeschriebene Quergefälle in den Tunneln. Regenwasser kann dafür aber offensichtlich nicht der Grund sein. Das Ganze dient der Sicherheit. Bei einem Unfall sollen brennende Flüssigkeiten rasch abfliessen. Über die Schlitzrinne unterhalb des Randsteins fliessen sie via einen Siphon in einen Schacht und werden dort automatisch gelöscht.

Wer ist Käthi Fischer? Im Querschlag zwischen den Röhren des Büttenbergtunnels hängt ein schwarzes Schild mit dem Namen Käthi Fischer drauf. Noch nie gehört? Sie war die Sekretärin der Bauleitung und wurde nach der Tradition der Mineure zur Tunnelpatin des Querschlags auserkoren. Die Patinnen der anderen Tunnel sind übrigens auch keine Promis, sondern Anwohnerinnen der neuen Umfahrung. Die beteiligten Politikerinnen und Politiker werden erst am Eröffnungstag im «letzten Stein» des Längholztunnels verewigt.

E chli stinke darfs: Seit sich Katalysator und Partikelfilter durchgesetzt haben, sind die riesigen Ventilatoren an den Tunnelportalen für die Luftqualität unnötig. Ein bisschen stinken darf es im Tunnel, gesundheitsgefährdend ist dies nicht. Die Gebläse bleiben jedoch Teil eines aufwendigen Abluftsystems für den Notfall. Brennt es, öffnen sich über der Unfallstelle Brandklappen, und noch grössere Ventilatoren mit 2,4 Metern Durchmesser saugen 250 Kubikmeter Rauch pro Sekunde aus dem Tunnel. Im Abluftkanal über der Fahrbahn herrschen dann Windgeschwindigkeiten von 80 Kilometern pro Stunde.

Nur deutsch: Die Stadt Biel hält zwar viel auf ihre Zweisprachigkeit, auf dem Ostast der neuen Autobahnumfahrung ist die Beschilderung allerdings deutsch. Doppelnamen seien zu lang, schwerer lesbar und wirkten sich deshalb negativ auf die Verkehrssicherheit aus, argumentiert das Bundesamt für Strassen und beruft sich auf gesetzliche Bestimmungen, wonach die Sprache der Mehrheit entscheidet, wie die Schilder beschriftet werden. In Biel ein heikles Thema! Bereits wurden auf lokaler Ebene mehrere Vorstösse eingereicht, und auch der Bundesrat wird sich mit dem Sonderfall beschäftigen müssen.

Katastrophe: Vor fünf Jahren sind in einem Tunnel in Siders 22 Kinder und 6 Erwachsene gestorben, als ein Reisebus in eine Nothaltenische geprallt ist. Auch bei den vier Tunnelröhren des Ostasts gibt es ähnlich gefährliche Stellen, die aber entweder durch Leitschranken oder Anpralldämpfer entschärft wurden. Letztere sind Leitplanken, die sich wie eine Handorgel zusammenstossen lassen. Luftkissen zwischen den Elementen dämpfen den Aufprall. Bis zu Tempo 80 sollte man eine Frontalkollision in einem Personenwagen überleben.

Westast ist schon gebaut: Zumindest ein kleiner Teil des heftig umstrittenen Westasts der Autobahnumfahrung ist schon fertig. Bei der neuen Verzweigung Biel-Süd steht bereits eine fixfertige Tunnelzentrale für den geplanten Weidteile-Tunnel, und auch das Portal für das 1300 Meter lange Bauwerk, das dereinst das Nidauer Wohnquartier entlasten soll, steht bereits. Wann der Rest gebaut wird, ist allerdings noch offen.

Versickert: Autobahnabwasser wurde bisher meist via einen Ölabscheider ungereinigt in ein Gewässer abgeleitet. Bei neuen Teilstücken und Sanierungen muss das Wasser nun aber gefasst und in Strassenabwasser-Behandlungsanlagen, kurz Saba, gereinigt werden. Beim Ostast gibt es zwei davon. Das Dreckwasser passiert dabei zunächst ebenfalls einen Ölabscheider, sickert danach durch eine 80 Zentimeter dicke, mit Schilf bepflanzte Sandschicht und kann dann in den Nidau-Büren-Kanal respektive die Leugene eingeleitet werden.

Big Brother: Am meisten interessieren dürfte Autofahrer, ob auf der Ostumfahrung feste Radaranlagen installiert sind. Sind sie nicht! Insbesondere die Tunnel werden zwar durch Kameras überwacht, die auch die Geschwindigkeit erfassen können. Sie dienen aber lediglich der Sicherheit. Bei einem Unfall kann so automatisch berechnet werden, wie viele Autos sich noch im Tunnel befinden. Das heisst aber natürlich nicht, dass nicht mit mobilen Geräten geblitzt werden kann. (Der Bund)

Erstellt: 23.10.2017, 07:03 Uhr

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