Gemeinsam gegeneinander

Am 20. Oktober 2019 kommt es im Ständerat zu einer Ausmarchung im rot-grünen Lager. Die Kandidatur von Regula Rytz bedeutet, dass sich der Bisherige Hans Stöckli nicht zurücklehnen kann.

Die grüne Nationalrätin Regula Rytz will den «sehr mageren Frauenanteil» im Ständerat erhöhen.

Die grüne Nationalrätin Regula Rytz will den «sehr mageren Frauenanteil» im Ständerat erhöhen. Bild: Anthony Anex/Keystone

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Bereits vier Frauen stehen in den Startlöchern: Nach den Nationalrätinnen Marianne Streiff-Feller (EVP), Kathrin Bertschy (GLP) und Christa Markwalder (FDP) hat nun gestern auch die grüne Nationalrätin Regula Rytz ihre Kandidatur für den Ständerat bekannt gegeben. Der ehemalige grüne Regierungsrat Bernhard Pulver tat gleichzeitig seinen Verzicht kund, er konzentriert sich auf die Aufgabe als zukünftiger Präsident der Insel-Gruppe.

Von den beiden Bisherigen hat der 66-jährige SP-Mann Hans Stöckli angekündigt, er werde noch einmal antreten. Werner Luginbühl (BDP) hat sich noch nicht zu einer erneuten Kandidatur geäussert: Es wird aber damit gerechnet, dass der 60-jährige Oberländer noch einmal antritt. Wer bei der SVP ins Rennen steigt, ist noch offen. Es dürfte wohl jemand aus der Nationalratsdelegation sein.

Grüne und SP steigen gemeinsam in den Wahlkampf. Es sind zwar zwei Ständeratssitze zu verteilen, aber mehr als ein Sitz liegt realistischerweise für das rot-grüne Lager nicht drin. Damit kommt es am 20. Oktober 2019 auch zu einer Wahl innerhalb der Wahl. Wer mehr Stimmen hat, schafft es in den zweiten Wahlgang. Diese Regelung zwischen SP und Grünen soll auch 2019 gelten. Vor vier Jahren wies Stöckli fast doppelt so viele Stimmen auf wie die Grüne Christine Häsler, die vor allem als Grossrätin bekannt war und erst im Juni 2015 in den Nationalrat nachgerückt war.

«Ohne überheblich sein zu wollen: Wir gehen davon aus, dass Hans Stöckli die Wiederwahl schafft.»

Mirjam Veglio Co-Präsidentin der SP des Kantons Bern

Engeres Rennen zu erwarten

Die 56-jährige Rytz weist als Nationalrätin und Präsidentin der Grünen Schweiz sowie als ehemalige Berner Gemeinderätin aber einen viel höheren Bekanntheitsgrad auf als Häsler 2015. Und die Grünen waren zuletzt im Aufwind. So gesehen dürfte das Rennen enger werden. Auf grüner Seite erwartet man ein sportliches Duell. Regula Rytz selber stellt sich auf einen «sehr freundschaftlichen Wettkampf» ein. Es sei an der Zeit, «den sehr mageren Frauenanteil im Ständerat zu verbessern», sagte sie im «Bund»-Interview. Der linke Sitz im Ständerat sei mittlerweile zu einer Tradition geworden im Kanton Bern, so Rytz weiter. Und: Ziel ihrer Kandidatur sei es, den Wählerinnen und Wählern eine Auswahl zu bieten.

Der Frauenanteil in der kleinen Kammer könnte nächstes Jahr weiter schwinden, weil diverse Ständerätinnen nicht mehr antreten werden; so etwa auch die Waadtländer SP-Ständerätin Géraldine Savary, die wegen ihrer Nähe zum Milliardär und russischen Honorarkonsul Frederik Paulsen in die Kritik geriet.

Für SP-Ständerat Hans Stöckli präsentiert sich die Ausgangslage «normal», wie er sagt. Schon 2015 und auch 2011 habe es mit Christine Häsler respektive Alec von Graffenried Konkurrenz von grüner Seite gegeben. Er begrüsse es, dass das Ticket gefüllt werde. «Je stärker die Kandidaturen, desto grösser ist die Chance, dass der Sitz für Rot-Grün im Ständerat erhalten bleibt», sagt Stöckli.

«Männerlastiges Gremium»

Natalie Imboden, Co-Präsidentin der kantonalen Grünen, sagt, der Ständerat sei «ein sehr männerlastiges Gremium». Regula Rytz könnte den Kanton Bern im Ständerat «souverän» vertreten. «Die Frauenfrage hat in diesem Wahlkampf mehr Bedeutung als 2015.» Rytz werde mit ihrer Kandidatur auf dem rot-grünen Ticket auch sozialen und ökologischen Anliegen Schub verleihen können.

Stöcklis Beliebtheit hat bei grünen Wählerinnen und Wählern gelitten. «Das Engagement für die Olympia-Kandidatur stiess nicht überall auf Gegenliebe», sagt Imboden. Stöckli wird sich also nicht zurücklehnen können. Bei der SP-Parteileitung wird die Kandidatur von Regula Rytz begrüsst. Co-Präsidentin Mirjam Veglio spricht von einer «guten Kombination» und einem «starken Ticket». Stöckli sei sehr engagiert und sehr gut verankert, er werde auch im bürgerlichen Lager geschätzt. «Ohne überheblich sein zu wollen: Wir gehen davon aus, dass Stöckli die Wiederwahl schafft.» Es wäre seine dritte Legislatur im Ständerat.

Sowohl 2011 wie auch 2015 kam es im Kanton Bern zu einem zweiten Wahlgang. 2011 gelang es Stöckli, Adrian Amstutz (SVP) zu verdrängen. 2015 wäre die Stichwahl eigentlich unnötig gewesen, weil neben den Bisherigen Luginbühl und Stöckli nur der chancenlose Aussenseiter Bruno Moser antrat. Die anderen hatten sich zurückgezogen. Auch SVP-Mann Albert Rösti gab nach seinem dritten Platz im ersten Wahlgang seinen Verzicht bekannt.

(Der Bund)

Erstellt: 19.12.2018, 20:38 Uhr

Bürgerliche Fragezeichen

Klar ist auf bürgerlicher Seite, dass Christa Markwalder von der FDP nach 2011 einen neuen Versuch unternimmt, Ständerätin zu werden. Vieles hängt nun von BDP-Ständerat Werner Luginbühl ab.

Seinen Entscheid wird er wohl nach den Festtagen bekannt geben. Sollte er wider Erwarten nicht wieder antreten, so gilt die bernische Finanzdirektorin Beatrice Simon als mögliche Kandidatin der BDP. Bei der SVP gibt es erst «interne Szenarien», die nicht näher erläutert werden.

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