Frauenklinik droht der Abriss

Die Insel-Gruppe prüft, die Frauenklinik in einem Neubau unterzubringen. Für die Stadt Bern könnte dies städtebauliche Optionen eröffnen – aber erst längerfristig.

Wird die erst 2002 eröffnete Frauenklinik bald wieder zur Ruine?

Wird die erst 2002 eröffnete Frauenklinik bald wieder zur Ruine? Bild: Adrian Moser

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An der Effingerstrasse könnte bald eine Baulücke klaffen. Die Insel-Gruppe prüft derzeit die Option, das Frauenspital in einem Neubau auf dem Insel-Areal unterzubringen. In diesem Fall könnte der erst 2002 eröffneten Frauenklinik der Abbruch drohen, wie Recherchen des «Bund» zeigen.

Denn der über Jahrzehnte geplante Prestigebau mit seiner eindrücklichen Fassade kann nicht anderweitig verwendet werden. Der Grund: Er ist sanierungsbedürftig. Schon wieder. Seit der Inbetriebnahme vor 15 Jahren häufen sich im Neubau die Mängel und die Sanierungen. Teilweise war das Gebäude einsturzgefährdet. Hauptursache ist die aussergewöhnliche Bauweise.

Für die anstehende Sanierung rechnete die Spitalgruppe mit Kosten von rund 100 Millionen Franken. Weil sie das Gebäude im Zuge der Verselbstständigung der Spitäler vom Kanton übernahm, muss die Insel-Gruppe AG diesen Betrag selbst stemmen. Doch sie ist nicht sicher, ob sie dies tun will. «Wir wissen ja nicht, ob wir in zehn Jahren nicht schon wieder sanieren müssen», sagt Insel-Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer auf Anfrage. Zudem entstünden durch die lange Sanierungszeit von rund drei Jahren zusätzliche Umtriebe.

Strenge Vorschriften

Bis im Herbst will die Spitalgruppe definitiv über das weitere Vorgehen entscheiden. Die Zeit eilt: Bereits 2018 soll die Sanierung des Spitals in Angriff genommen werden. Derzeit ist vorgesehen, dass die gesamte Klinik übergangsweise in den sich noch im Bau befindenden Neubau an der Friedbühlstrasse ziehen wird. Dort soll eigentlich dereinst das Tumorzentrum untergebracht werden.

Die bisherigen Pläne sehen vor, dass das Frauenspital dann in den sanierten Bau an der Effingerstrasse zurückzügelt. Wenn es aber im Neubau bleibt, gäbe es für das Frauenspital keine Verwendung mehr.

Über die weiteren Pläne hüllt sich die Spitalleitung derzeit in Schweigen. Ausser: Ein Abbruch mit anschliessendem Errichten eines Neubaus sei keine Option. Annamaria Müller vom kantonalen Spitalamt sagt auf Anfrage, dass eine Sanierung günstiger werden könnte, wenn anstatt Spitalzimmern etwa Büros oder ein Ambulatorium eingerichtet würden. Dies weil manche Bauvorschriften, welche nicht die Statik an sich betreffen, weniger strikt sind. Man prüfe die Einhaltung der Vorschriften, sagt Müller. «Ansonsten mischt sich der Kanton nicht in die Entscheidungsfindung der selbstständigen Spitalgruppe ein.» Das heisst aber auch, dass sich der Kanton nicht an Sanierungskosten beteiligen wird.

Gemäss Insel-CEO Holger Baumann ist auch die Rückgabe des Frauenspitals mitsamt dem Grundstück für einen symbolischen Betrag eine Option. Böte dies der Stadt Bern die Möglichkeit, auf der am Rande des Inselareals gelegenen Parzelle Wohnhäuser zu errichten?

Leerstand droht

Bei der Stadt ist man noch nicht über die neuen Pläne des Inselspitals informiert. Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) weist darauf hin, dass die Parzelle des Frauenspitals auf dem Inselareal liegt und somit Teil des Masterplans ist. Diesem stimmten die Berner Stimmbürger 2014 zu. Ziel dieses Masterplans ist es, dem Inselspital genügend Raum für die bauliche Weiterentwicklung zu geben.

Diese Überbauungsordnung hat für mehrere Jahre Bestand. Deshalb können auf der Parzelle vorerst keine Wohnungen oder nichtmedizinische Gewerberäume erstellt werden. Wenn die Insel-Gruppe das Spital nicht saniert und es auch nicht abreissen und durch einen Neubau ersetzen will, droht das Gebäude deshalb über längere Zeit leer zu stehen. (Der Bund)

Erstellt: 29.05.2017, 19:25 Uhr

Problembau

Nach zwanzigjähriger Planungszeit wurde die 125 Millionen Franken teure Frauenklinik 2002 eröffnet. Bereits im Jahr nach der Inbetriebnahme wurden 3600 meist kleine Baumängel entdeckt. Diese wurden durch den Kanton, der das Gebäude erstellt hatte und bis 2014 besass, für mehrere Millionen saniert. 2007 wurden statische Mängel bemerkt. Da war die Garantiefrist eben abgelaufen. Erst war von einem «rein ästhetischen Problem» die Rede. Doch 2009 wurde bekannt, dass die Mängel derart gravierend sind, dass die Sicherheit nicht gegeben ist. Die Fassade wurde notsaniert. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Statik derart schlecht ist, dass das Gebäude bei einem Erdbeben einstürzen könnte. Deshalb muss das erst 15 Jahre alte Gebäude zeitnah und aufwendig saniert werden. (bwg)

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