Frankofone Nidauer setzen sich zur Wehr

Der Nidauer Schulstreit hat sich zu einem regionalen Thema ausgeweitet.

Aus Spargründen hat der Nidauer Stadtrat die Möglichkeit für welsche Eltern gestrichen, ihre Kinder in die französischsprachige Schule in Biel zu schicken.

Aus Spargründen hat der Nidauer Stadtrat die Möglichkeit für welsche Eltern gestrichen, ihre Kinder in die französischsprachige Schule in Biel zu schicken.

(Bild: Adrian Moser)

Reto Wissmann@RetoWissmann

Die frankofone Minderheit von Nidau steht auf die Hinterbeine: Der Welschfreisinn ergreift das Referendum, Privatpersonen werben mit Pins für den Bilingualismus, und das Forum für die Zweisprachigkeit versucht zu vermitteln.

Aufgeschreckt wurden die Romands vom Beschluss des Nidauer Stadtrats vom 21. November. Aus Spargründen hatte er die Möglichkeit für welsche Eltern gestrichen, ihre Kinder in die französischsprachige Schule in Biel zu schicken. Mit 15 zu 13 Stimmen war der Entscheid knapp ausgefallen. Derzeit besuchen fast 90 Nidauer Kinder die Schule in Biel. Die Regelung bestand 30 Jahre.

«Der Entscheid ist eine Ohrfeige für die Romands», sagte der welschfreisinnige Stadtrat Jean-Pierre Dutoit gestern an einer Medienorientierung. Mit dem Referendum will er nun dafür sorgen, dass der «Fehler» erkannt und durch das Volk korrigiert wird. Innerhalb weniger Tage sei bereits die Hälfte der 200 nötigen Unterschriften zusammengekommen – viele auch von deutschsprachigen Nidauerinnen und Nidauern.

Die Gesetzeslage spricht an sich gegen die Forderungen der Romands. In der Schweiz gilt das Territorialitätsprinzip. Ist eine Gemeinde, so wie Nidau, offiziell deutschsprachig, so werden alle Kinder auf Deutsch eingeschult. Im Kanton Bern gelten lediglich Biel und Leubringen/Magglingen als zweisprachig. «Dieses Prinzip sollte jedoch an der Sprachgrenze umsichtig angewendet werden», sagte Virginie Borel vom Forum für die Zweisprachigkeit gestern. Der Bilingualismus sei ein Reichtum der ganzen Region und müsse gepflegt werden. Dabei sei auch der Kanton gefordert.

Pulver hilft, Lösungen zu suchen

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver sieht aber derzeit keine Möglichkeit, den Schulbesuch der Nidauer Romands in Biel speziell zu subventionieren oder beispielsweise die Schülertransporte zu bezahlen. «Wir helfen aber gerne mit, nach Lösungen zu suchen», sagt Pulver und nimmt damit die Einladung des Bieler Stadtpräsidenten zu einem runden Tisch im nächsten Jahr an. Auch Erich Fehr misst dem Entscheid des Nidauer Stadtrats eine Bedeutung zu, die über die Grenzen des Nachbarstädtchens hinausgeht.

Das Thema hat Potenzial, eine Grundsatzdiskussion über die Förderung der Zweisprachigkeit im Kanton Bern auszulösen. «Die Zweisprachigkeit endet nicht an den Grenzen der bilinguen Gemeinden», sagte David Gaffino, Generalsekretär des Rates für französischsprachige Angelegenheiten des Amtsbezirks Biel. Man müsse jetzt über die Zukunft der ganzen zweisprachigen Region nachdenken und allenfalls mit einer Revision des Sonderstatutgesetzes neue Möglichkeiten schaffen, um die Zweisprachigkeit zu fördern.

Derweil gehen zwei Privatpersonen den pragmatischen Weg: Sie verkaufen gelbe Pins mit der Aufschrift «Touche pas à mon bilinguisme» oder «Touche pas à mes Welsch à Nidau». Den Erlös wollen sie der Gemeinde spenden, damit sich diese die Zweisprachigkeit wieder leisten kann. Pro Jahr geht es um rund 150'000 Franken.

Der Bund

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