Esoterischer Fernsehsender steckt nach Streit in der Krise

Alpenparlament.tv, der Onlinekanal des Berners Martin Frischknecht, sieht sich mit Abgängen und Klagen konfrontiert.

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Das Onlinefernsehen Alpenparlament.tv ist eine Plattform des Verschwörungstheoretikers Martin Frischknecht aus Forst BE (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Herausgeber der Zeitschrift «Spuren»). Über dieses Medium verbreitet er seine rechtsesoterische Gesinnung und propagiert ein elektronisches Gerät, das auch bei schweren Krankheiten helfen soll. Ein aktueller Streit mit Geschäftspartnern und Gesinnungsfreunden hat den Sender aber in die Krise gestürzt.

Der umtriebige Berner surfte lang auf einer Erfolgswelle. Sein Fernsehen fand in der Esoterikszene grosse Beachtung, mit seinem Wundergerät verdiente er ein Vermögen. Sein radikales Weltbild war bei der Vermarktung alles andere als hinderlich. Auch seine Vergangenheit nicht: Frischknecht politisierte in den 90er-Jahren bei den Schweizer Demokraten und gründete die IG Gesundheit. Diese organisierte Vorträge unter dem Titel «Krebs ist vermeidbar – Krebs ist heilbar». Es handle sich bei dem Leiden um eine Infektionskrankheit, die vom grossen Leberegel ausgelöst werde, verkündete er. Was ein Leberegel sein soll, konnte er nie schlüssig erklären.

Bush statt Hitler

Höhepunkt seiner Kampagnen war die revisionistische Tonbandkassette «Eine neue Weltordnung», die er im Parteiblatt «Schweizer Demokrat» bewarb. Hitler sei bloss ein Handlanger des Vaters von George Bush, dem ehemaligen US-Präsidenten, gewesen, behauptete Frischknecht. Deshalb sei der Amerikaner der Hauptverantwortliche für den Holocaust. Man könne die NSDAP nicht mit den Nazis gleichsetzen, erklärte er. So überrascht es nicht, dass der Deutsche Michael Vogt die meisten Alpenparlament-Interviews moderiert. Er war für die rechtsextreme deutsche Partei NPD tätig, wie «Spiegel Online» berichtete. Vogt schrieb auch für das Buch «Politisch unkorrekt» des rechtsextremen Verschwörungstheoretikers Udo Holey.

Die Plattform Alpenparlament.tv dient Frischknecht auch dazu, sein Gerät, den Power Tube, den er als Medizinprodukt anpreist, wirksam zu vermarkten. Das Gerät soll die Körperenergie anheben, «molekulare Strukturen wieder in ihr eigenes Ordnungssystem» bringen und energetische Blockaden lösen. In Artikeln behaupten seine Kunden, mit dem Gerät hätten sie Krebsgeschwüre zum Verschwinden gebracht.

Frischknecht selbst erklärt, Malariakranke in Ghana seien nach einer 15-minütigen Therapie geheilt gewesen. Auf der Homepage heisst es aber nur, das Gerät diene der Schmerzlinderung, denn das Gesundheitsgesetz verbietet Heilungsversprechen. Weil er in seinem Buch «Gesundheit als Chance» die Anwendungen seines Power Tube auch bei schweren Krankheiten beschrieb, musste er es einstampfen. Frischknecht füllt bei seinen Vorträgen in Deutschland, Australien und der Schweiz grosse Säle. Dabei präsentiert er seine Power Tubes, die bis zu 2200 Franken kosten.

Gefährten gehen auf Distanz

Journalist und Buchautor Guido Grandt und der Moderator Hans Meiser von Frischknechts Engagement angetan. Sie gaben Alpenparlament.tv ein Interview, gingen aber auf Distanz, nachdem sie Recherchen zu Frischknecht angestellt hatten. In einem Blog titelte Meiser «Abzocker und Scharlatane» und schrieb: «Manche Menschen sind besonders schlau und zocken Gutgläubige ab.» Der Moderator kam zum Schluss, der Power Tube sei «schlichtweg Müll». Grandt untersagte Frischknecht, Videos mit ihm weiterzuverbreiten.

Am stärksten setzt Frischknecht der Bruch mit der deutschen Firma SC-Group zu, die Alpenparlament.tv führte und die Sendungen produzierte. Der Berner wirft den Deutschen vor, sämtliche Filme heimlich kopiert und unter eigenem Namen veröffentlicht sowie eigene finanzielle Interessen angestrebt zu haben, wie er auf Anfrage sagt. Nach einer Abmahnung habe er der SC-Group den Zugangscode zum Sender entzogen.

Erich Husser von der SC-Group will sich nicht im Detail zu den Vorwürfen äussern, weil seine Firma «ein Verfahren gegen Herrn Frischknecht» angestrengt habe. Obwohl die SC-Group die Verträge eingehalten habe, habe Frischknecht die Firma ohne Vorankündigung ausgesperrt, was ein klarer Vertragsbruch sei. Inzwischen sind wieder mehrere Videos auf Alpenparlament.tv aufgeschaltet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.02.2014, 11:48 Uhr

In der Krise: Alpenparlament.tv. (Bild: Printscreen alpenparlament.tv)

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