Mineure feiern «Anschlag» des BLS-Tunnels in Rosshäusern

Mit einer ersten Sprengung hat am Montag der Bau des Rosshäuserntunnels auf der Bahnstrecke Bern - Neuenburg begonnen. Die Bauarbeiten stossen nicht bei allen auf Begeisterung.

Der Rosshäuserntunnel ist das Kernstück des Doppelspurausbaus zwischen Rosshäusern und Mauss.

Der Rosshäuserntunnel ist das Kernstück des Doppelspurausbaus zwischen Rosshäusern und Mauss. Bild: Projektbild/zvg

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Die Sonne scheint hinunter zu den Tunnelarbeitern auf der BLS-Baustelle in Rosshäusern. Vor ihnen segnet ein Pfarrer eine Holzstatue der Heiligen Barbara. Sie soll die Mineure in den nächsten eineinhalb Jahren beim Aushub des Bahntunnels schützen.

Bis dann müssen sie rund 420'000 Kubikmeter Gestein aus dem Tunnel sprengen. Dies entspricht dem Inhalt von rund 500 Hallenbadbecken. Die Baustelle auf der Linie Bern-Neuenburg ist nach dem Lötschberg-Basistunnel das grösste Infrastrukturprojekt der BLS und kostet rund 200 Millionen Franken. Ende 2016 soll der zwei Kilometer lange Doppelspurtunnel in Betrieb genommen werden.

Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur bei der BLS, steigt in einen Bagger, um den Tunnel offiziell «anzuschlagen». «Wir liegen mit den Arbeiten im Zeitplan», erklärt er. Vor rund einem Jahr begannen die Vorbereitungsarbeiten.

Die Sanierung des alten Rosshäuserntunnels wäre mit rund 80 Millionen Franken zwar wesentlich günstiger gewesen, sagt Wyder. Doch mit dem neuen Tunnel zwischen Rosshäusern und Mauss, beides Ortsteile der Gemeinde Mühleberg, komme die BLS ihrem Ziel näher, die Fahrzeit auf der Strecke Bern-Neuenburg auf unter eine halbe Stunde zu verkürzen. Heute dauert die Fahrt 34 Minuten.

Zudem würden im Tunnel dereinst auch Doppelstockzüge verkehren. Dadurch könne die Kapazität gesteigert werden, sagt Wyder. Auch die Sicherheit werde verbessert.

Anwohner leiden unter Baustellenstaub

Die Bauarbeiten stossen aber nicht bei allen auf Begeisterung: «Der Staub ist das grösste Problem», sagt Anwohnerin Lourdes Gerber, die rund hundert Meter vom Tunnelportal entfernt wohnt. «Ich muss nun viel häufiger die Moskitonetze an den Fenstern putzen», sagt sie. Dennoch lobt sie die Baustellenleitung der Berner Firma Frutiger. «Die nehmen unsere Anliegen ernst», sagt sie.

Der Gemeindepräsident von Mühleberg, René Maire, stimmt ihr zu: «Die grössten Probleme konnten im Gespräch beseitigt werden.» So seien die Schüler nun etwa dank eines neuen Velowegs vor den Lastwagen besser geschützt.

Die Bevölkerung dürfte dereinst auch von dem neuen Tunnel profitieren. Die BLS habe versprochen, sich für die Einführung des Halbstundentakts nach Rosshäusern einzusetzen, sagt Maire.

TGV-Strecke Bern-Paris gefährdet

Mit rund 170 Millionen Franken bezahlt der Bund den grössten Teil an das Projektes. Die Kantone Bern, Freiburg und Neuenburg übernehmen die restlichen 30 Millionen. Das Bundesgeld stammt dabei aus dem Topf für den Anschluss der Schweiz an das Europäische Hochgeschwindigkeitsnetz. Denn der Rosshäuserntunnel liegt auf der TGV-Strecke Bern-Paris.

Doch diese Verbindung ist akut gefährdet. «Die TGV-Linie Bern-Paris könnte womöglich bereits ab dem nächsten Fahrplanwechsel eingestellt werden», bestätigt BLS-Infrastrukturleiter Wyder. Die Verbindung nach Paris über Neuenburg wäre aber auch in diesem Fall gewährleistet: «Ein Anschlusszug würde dann bis ins französische Frasne führen.» Dort könnte man dann auf den TGV umsteigen. (gbl/sda)

Erstellt: 06.05.2013, 11:57 Uhr

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