Erich Hess und seine Hundemarke

Erich Hess ist empört über den «irreführenden» Abstimmungstext. Der Vater der Einbürgerungsinitiative fühlt sich falsch übersetzt.

Fühlt sich falsch übersetzt: Erich Hess.

Fühlt sich falsch übersetzt: Erich Hess.

(Bild: Valérie Chételat (Archiv))

Erich Hess ist sauer. In zweieinhalb Wochen kommt seine Initiative «Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern» vor das bernische Volk. Das Abstimmungsbüchlein hat die Haushalte bereits erreicht – und was dort drinsteht, empört Hess offenbar derart, dass er mit einer Beschwerde drohte. Die Botschaft enthalte «Halbwahrheiten und irreführende Informationen», teilte er mit.

Doch nicht nur das: Die französische Abstimmungsbotschaft sei schlicht eine «Unverfrorenheit». Denn dort sei «die deutsche Redewendung ‹Der Schweizer Pass ist keine Hundemarke› gleich 1:1 übersetzt» worden – «Le passeport suisse ne sacquiert pas comme une médaille pour chiens.» Und das, schreibt Hess, «obwohl diese Redewendung auf Französisch gar nicht existiert».

Nach «Hundemarke» aber sucht man vergebens

Dem kritischen Leser drängt sich ob dieser Verlautbarung vor allem eine Frage auf: Existiert diese Redewendung auf Deutsch? Eine Google-Suche zeitigt erst einmal wenig Erfolg: Gibt man als Suchbegriff «. . . ist keine Hunde . . .» ein, schlägt einem die Maschine vor, die Anfrage mit «Hundetoilette» zu vervollständigen – und leitet einen zu einem Versandhaus weiter, wo es für keine zwei Euro eine «Hier kein Hundeklo»-Selbstklebefolie zu erstehen gibt. Der Spezialduden «Redewendungen» hält zwar über vierzig Redewendungen bereit, in denen «Hund» vorkommt – bekannte («auf den Hund kommen») und etwas weniger kommune («da scheisst der Hund ins Feuerzeug», ein Ausdruck für «so ein Pech, es ist kaum zu fassen»).

Nach «Hundemarke» aber sucht man vergebens. Das Wikipedia-Verzeichnis zur «Soldatensprache der Schweizer Armee» lehrt einen: Die Erkennungsmarke, die jeder Soldat um den Hals trägt, damit man auch dann noch weiss, wer er ist, wenn er es nicht mehr weiss, wird nicht nur Grabstein, sondern auch Hundemarke genannt. Interessant ist das durchaus, viel weiter freilich bringt es uns nicht.

«Etwas ganz kleinräumig Verbreitetes»

Uns kann jetzt nur noch eine Person helfen: Frau Dr. Marlene Mussner vom Institut für Sprachen und Literaturen an der Universität Innsbruck. Sie ist die Autorin des Werkes «Redewendungen mit Tierbezeichnungen im Komponentenbestand im Vergleich zwischen den Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch». Sie muss es wissen. Ja, bestätigt sie am Telefon mit freundlicher Stimme, in Sachen Redewendungen, die Tierbezeichnungen enthalten, sei sie im deutschsprachigen Raum wohl tatsächlich die führende Expertin. Und nein, sagt sie dann, die Redewendung «Der Schweizer Pass ist keine Hundemarke» sei ihr «bisher nicht untergekommen». Überhaupt, eine Redewendung mit «Hundemarke», «nah, davon hab ich überhaupt noch nie gehört». Falls dieser Ausdruck existiere, müsse es sich um «etwas ganz kleinräumig Verbreitetes» handeln.

Erich Hess widerspricht. Im Emmental, wo er aufgewaschen sei, da benutze man diese Redewendung «öppedie», sagt er. Wirklich? «Ja, ich höre diesen Ausdruck häufig, und nicht nur von mir selbst.» Ob er nun Beschwerde einreicht, weiss er dennoch nicht. Eine solche hätte wohl wenig Chancen, räumt er ein. Und ja, es stimme, dass eine Beschwerde keine drei Wochen vor der Abstimmung sowieso nicht mehr allzu viel Sinn machen würde. «Es ist schon so, dass es wahrscheinlich nichts mehr bringt», sagt er. «Hunde, die laut bellen, beissen nicht» – dieses Sprichwort kennt er sicher auch.

Der Bund

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