Einziger zweisprachiger Gymer verschwindet

Das Bieler Gymnasium Alpenstrasse fällt dem Rotstift zum Opfer. Kritiker sehen bereits die Zweisprachigkeit des Kantons in Gefahr. Die Diskussion entflammt zu einem politisch heiklen Zeitpunkt.

Der Kanton Bern muss in nächster Zeit rund 400 Millionen Franken pro Jahr sparen.

Der Kanton Bern muss in nächster Zeit rund 400 Millionen Franken pro Jahr sparen. Bild: Manuel Zingg (Symbolbild)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Sparprogramm gefährdet kantonale Zweisprachigkeit», titelte der Rat für französischsprachige Angelegenheiten des zweisprachigen Amtsbezirks Biel sein Communiqué, als bekannt wurde, dass der Gymer Alpenstrasse geschlossen werden soll. In der ältesten Mittelschule der Stadt Biel wird seit über 100 Jahren unterrichtet. Heute profiliert sie sich vor allem als einziges zweisprachiges Gymnasium des Kantons. Unter einem Dach und unter einer Leitung werden hier deutsch-, französisch- und zweisprachige Klassen geführt.

Für den Kanton Bern kommt die Diskussion denkbar ungelegen. Im Vorfeld der Abstimmung über die Zukunft des Berner Jura vom 24. November kann er sich nicht erlauben, auch nur den Anschein zu erwecken, auf dem Buckel der französischsprachigen Minderheit zu sparen oder die Zweisprachigkeit zu schwächen. Der Regierungsrat hat darum unterdessen versucht, die Gemüter zu beruhigen. In einem Schreiben an den Rat für französischsprachige Angelegenheiten versprach er, die Erfahrungen des Gymers Alpenstrasse bezüglich Zweisprachigkeit zu nutzen und in den neuen Strukturen ein Kompetenzzentrum für Zweisprachigkeit zu schaffen.

Neue zweisprachige Abteilung

Künftig soll es in Biel nur noch je ein deutsch- und ein französischsprachiges Gymnasium geben. Der Gymer Alpenstrasse wird mit dem Seeland-Gymnasium und dem Gymnase français zusammengelegt. Gemeinsam sollen die beiden Institutionen eine zweisprachige Abteilung aufbauen. Stimmt der Grosse Rat im November zu, erfolgt der Zusammenschluss formell bereits per 1. August 2014. Mit der Massnahme will der Kanton 400'000 Franken einsparen.

Gestern nun traten die Rektoren der drei beteiligten Gymnasien an die Öffentlichkeit, um zu versichern, dass die Zweisprachigkeit nicht gefährdet sei. «In allen drei Schulen herrscht ein Geist der Zweisprachigkeit», sagte Aldo Dalla Piazza, Rektor des Gymnase français. Bereits heute böten alle Standorte die zweisprachige Matura an. Leonhard Cadetg, Rektor des Seeland-Gymnasiums, machte zudem klar, dass die Zeiten längst vorbei seien, als deutsch- und französischsprachiges Gymnasium strikt getrennt waren. Beide Gymnasien sind am Strandboden untergebracht. «Wir arbeiten bereits heute in sehr vielen Bereichen eng zusammen», sagte Cadetg.

Das traditionsreiche Gymnasium Alpenstrasse ist zwar tatsächlich eines der raren Beispiele für eine funktionierende zweisprachige Institution. «An Lehrerkonferenzen, Sitzungen oder Anlässen spricht jeder einfach seine Sprache», sagte Rektor Pierre Buchmüller, «die Schüler bewegen sich in einem total zweisprachigen Umfeld». Paradoxerweise hat er jedoch am meisten Mühe, zweisprachige Klassen zu füllen. Für das laufende Schuljahr haben sich gerade einmal 4 Schülerinnen und Schüler für die zweisprachige Matura angemeldet, was die Bildung einer Klasse verunmöglichte. Auch in Vergangenheit konnten die zweisprachigen Klassenzüge oft nur dank Schülern aus den Gymnasien am Strandboden gefüllt werden.

«Die Zweisprachigkeit liegt uns am Herzen», sagte Mario Battaglia, Vorsteher des kantonalen Mittelschulamts, gestern im Namen des Kantons. Man zeige dies zum Beispiel, indem Halbklassenunterricht bei der zweisprachigen Matura Deutsch-Englisch im Rahmen des Sparprogramms gestrichen würde (siehe Box), das deutsch-französische Angebot hingegen verschont bliebe. (Der Bund)

Erstellt: 05.10.2013, 08:28 Uhr

Artikel zum Thema

In der Pflege statt beim Zimmer sparen

Die Berner Pflegeheime wehren sich gegen Sparmassnahmen bei der Heiminfrastruktur um fast einen Drittel. Ihr Alternativvorschlag geht allerdings zulasten der Pflege – der Personalverband ist empört. Mehr...

Sozialhilfe wird um 10 Prozent gekürzt

Der Könizer Sozialvorsteher und Grossrat Ueli Studer (SVP) hat erreicht, dass der Kanton Bern von den Skos-Richtlinien abweicht. Der Regierungsrat muss nun die Gesamtausgaben um 10 Prozent kürzen. Mehr...

Spardruck löst Hektik bei Contact aus

Die Suchthilfeorganisation Contact muss gemäss ASP eine Million Franken sparen. Um beim Personal einen grösseren «Handlungsspielraum» zu haben, wollte die Contact-Leitung den Gesamtarbeitsvertrag künden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...