Ein Dorf kämpft gegen eine Ausschaffung

Im Berner Oberland setzten sich Bürger für eine Syrerin mit ihren Kindern ein, die zurück in ein europäisches Land geschafft werden. Zur Kritik Anlass gibt der dort lebende Ex-Mann.

Die geflüchteten Kinder und ihre Mutter sollen ins Ersteinreiseland zurückgeschafft werden.

Die geflüchteten Kinder und ihre Mutter sollen ins Ersteinreiseland zurückgeschafft werden. Bild: Jürg Spielmann

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Vor drei Jahren flüchtete die Kurdin R. O. mit ihren Kindern vor dem Krieg in Syrien aus Afrin. Im Rahmen des Familiennachzugs reiste die Familie zu ihrem Ex-Mann in ein nordeuropäisches EU-Land. Doch kurz darauf musste R. O. bereits zum zweiten Mal die Flucht ergreifen – diesmal vor ihrem Ex. Laut Aussagen der Schwester von O. «ein gewalttätiger Mensch, der Normen, Sitten und die Justiz völlig ignoriert». Der Frau und den Kindern soll der Mann gar mit dem Tod gedroht haben.

Deshalb flüchtete die Kurdin mit ihren 9- und 12-jährigen Kindern in die Schweiz. Seit Oktober 2016 lebt die Familie in einem Durchgangszentrum in der kleinen Gemeinde Hondrich nahe Spiez. Doch das Staatssekretariat für Migration (SEM) will der Familie nicht länger Asyl gewähren. Im September hat die Behörde beschlossen, die Familie in das Land des gewalttätigen Ex abzuschieben. Eine Beschwerde der Asylsuchenden gegen diesen Entscheid wurde im Februar vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen.

Eltern haben «null Verständnis»

Dieser Entscheid hat im 890-Einwohner-Dorf Hondrich im Berner Oberland eine Welle der Solidarität ausgelöst. «Die Familie hat sich bei uns gut integriert», sagt ein Vater von Hondrich gegenüber dem «Bund». Die derzeitige Situation und die Ungewissheit sei für die Kinder extrem belastend. Er habe deshalb «null Verständnis» für den Entscheid. Distanz sei für die Familie enorm wichtig. Die Drohungen des Ex-Gatten seien bis in die Schweiz gelangt. «Wird sie in das Land ihres Ex-Gatten zurückgeschafft, ist es kaum möglich, sie vor der drohenden Gewalt zu schützen», ist der Vater aus Hondrich überzeugt.

An einem Nachmittag allein sammelten Bürgerinnen und Bürger von Hondrich fast 100 Hundert Unterschriften. Mehrere Familien hätten ausserdem ein Dossier mit allen Daten und Papieren zum Fall zusammengestellt und es an Justizministerin Simonetta Sommaruga geschickt. Auch die Schule hat sich mit einem Einschreiben an das SEM für den Verbleib der syrischen Familie eingesetzt. «Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Schweiz diese Menschen nicht schützen kann und durch die geplante Wegweisung in grosse Gefahr bringt», sagt Schulleiter Kurt Mühle­thaler gegenüber dem «Thuner Tagblatt».

Mahnwache auf dem Bundesplatz

Nun plant die Solidaritätsgruppe für Dienstagabend eine Mahnwache auf dem Berner Bundesplatz. «Das Gerichtsurteil entspricht nicht den in unserer Bundesverfassung festgelegten Werten!» heisst es auf dazu auf dem Flyer. Sie fordern deshalb das Bundesverwaltungsgericht und das SEM auf, den Wegweisungsentscheid aufzuheben.

(ama)

Erstellt: 10.04.2018, 13:53 Uhr

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