Ein Cannabis-Lehrstuhl an der Uni Bern?

Die Hanfpflanze birgt ein grosses medizinisches Potenzial. Eine Gruppe von Politikern von links bis rechts fordert deshalb die Einrichtung eines Cannabis-Lehrstuhls an der Uni Bern.

Heilend statt berauschend: Produktion von legalem CBD-Hanf in Siders VS.

Heilend statt berauschend: Produktion von legalem CBD-Hanf in Siders VS. Bild: Anthony Anex/Keystone

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Beim Thema Cannabis sind die politischen Fronten in der Schweiz meist klar: Während links der Mitte eine Legalisierung auf Sympathie stösst, steht eine Mitte-rechts-Mehrheit Liberalisierungschritten skeptisch gegenüber. Erst am Dienstag hat der Nationalrat eine parlamentarische Initiaitive der Grünen abgelehnt, die auf eine umfassende Regulierung und Liberalisierung von Cannabis abzielte.

Geht es nicht um eine Liberalisierung von Droghenhanf, sondern um das medizinische Potenzial der Cannabispflanze, sind dagegen breitere Koalitionen möglich, wie ein Beispiel im Kanton Bern zeigt: In einem am Montag eingereichten Vorstoss fordern sechs Grossräte von EDU, SVP, BDP, SP und Grünen den Regierungsrat dazu auf, an der Universität Bern einen Lehrstuhl für die medizinische Cannabisforschung einzurichten.

Chance für Medizinalstandort Bern

Cannabis werde seit Jahrtausenden in vielen verschiedenen Kulturen «für seine medizinische Wirkung geschätzt», heisst es zur Begründung in der Motion. Vor allem der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) in legal anbaubarem Hanf hat laut den Vorstössern ein grosses Potenzial. So soll er etwa schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken und gegen epileptische Anfälle eingesetzt werden können.

«Das volle medizinische Potenzial von Cannabis dürfte noch lange nicht ausgeschöpft sein», sagt dazu der Oberländer Grossrat Samuel Kullmann (EDU), der den Vorstoss im Kantonsparlament als Erstunterzeichner lanciert hat. Die Förderung der Cannabis-Forschung sei deshalb «eine hervorragende Gelegenheit für den Kanton», um den Medizinalstandort Bern zu stärken und die Universität in diesem Gebiet «schweizweit und international innovativ zu positionieren».

Finanzierung durch Public-Privat-Partnership?

Schwierig werden dürfte es bei der Finanzierung des geforderten Lehrstuhls: Der Kanton Bern ist notorisch knapp bei Kasse, und die die Universität Bern hat laut Angaben Kullmanns ihre pharmazeutische Forschung im Bereich Cannabis 2014 aus Spargründen eingestellt - der Schritt ging einher mit der Eremitierung von Pharmazie-Professor Rudolf Brenneisen, der unter anderem die Wirkung der verschiedenen Cannabinoide des Hanfplanze untersuchte.

Er habe die Unileitung betreffend Schaffung eines Lehrstuhls kontaktiert, sagt Vorstösser Kullmann. Sie habe sich zwar «grundsätzlich interessiert» gezeigt, die Hochschule konzentriere ihre Mittel im Bereich Pharmazie derzeit aber auf die geplante Wiedereinführung des Vollstudiums Pharmazie. «Die Finanzierung eines Cannabis-Lehrstuhls allein durch die Universität dürfte deshalb nach meiner Einschätzung schwierig werden».

Kullmann schweben deshalb Alternativen vor: Angesichts der Chancen des Projekts glaube man, «dass trotz angespannter Finanzlage eine Engagement des Kantons über einen der bestehenden Innovationsfonds angezeigt» wäre. Denkbar wäre laut Kullman auch aber auch eine Public-Private-Partnership oder eine Finanzierung durch den Bund im Rahmen der allerdings erst angedachten Medizin-ETH in Bern. Grundsätzlich sei es nun allerdings am Regierungsrat, konkrete Finanzierungsmöglichkeiten für den Lehrstuhl aufzuzeigen.

Die Kantonsregierung dürfte innerhalb eines halben Jahres zur Forderung nach einen Cannabis-Lehrstuhl Stellung nehmen. Ins Kantonsparlament kommt das Geschäft voraussichtlich frühestens im Juni nächsten Jahres.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.09.2018, 11:50 Uhr

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