Die unerwartete Liberale

Bernische Ständeratskandidaten: Mit Claudine Esseiva setzt die FDP auf eine Parteifunktionärin mit «Frauenthemen».

Claudine Esseiva spürt in der FDP eine
«Aufbruchstimmung».

Claudine Esseiva spürt in der FDP eine «Aufbruchstimmung». Bild: Adrian Moser

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Die FDP hat nichts zu verlieren. 2011 hat es erst mit Christa Markwalder bei der Ersatzwahl, dann mit Christian Wasserfallen bei der ordentlichen Wahl im Herbst nicht geklappt. Dass nun die viel weniger bekannte Claudine Esseiva die Kastanien für die FDP aus dem Feuer holt, ist höchst unwahrscheinlich. ?Esseiva, Generalsekretärin der FDP-Frauen Schweiz und Beraterin bei der Berner PR-Agentur Furrer Hugi, gibt sich trotzdem angriffig. Sie sei für viele eine Alternative – von den Grünen bis zur SVP. Diese Überlegung war ein Motiv vieler FDP-Delegierter für Esseivas überraschende Nominierung im letzten November, bei der sie sich klar gegen die altgedienten Adrian Haas und Peter Flück durchsetzte. «Der Ständerat sollte nicht nur in Altherrenhand sein, gemischte Teams sind erfolgreicher», sagt Esseiva. In der FDP nimmt sie eine «Aufbruchstimmung» wahr.

Auf ihrer Homepage zeigt sich die 36-jährige Esseiva in verschiedenen Lebenswelten: als junge Mutter mit einem Schoppen, als Businessfrau mit Notebook und traditionsverbunden in einer Berner Tracht. Die Betriebsökonomin spricht von einem «Dreiklang». Andere nehmen einen Misston wahr. «Wegen einer Tracht holt man noch keine Stimmen», sagt SVP-Nationalrätin Nadja Pieren. Esseiva sei im linken Flügel der FDP einzuordnen. «Sie tritt für eine Verstaatlichung der Familien ein.» Für Pieren, selbst Kita-Leiterin, ist Esseiva nicht wählbar, obwohl sie der FDP angehört, der langjährigen bürgerlichen Partnerin der SVP. Zu links und zu feministisch, findet Nationalrätin Pieren, deren Partei denn auch keine Wahlempfehlung für andere Kandidaten abgegeben hat. «Das ist ein bekanntes Feindbild der SVP», antwortet Esseiva, «nach dem Motto: Frauen gehören an den Herd.» Frauen­themen seien elementar und für die Zukunft der Schweiz von volkswirtschaftlicher Bedeutung. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zum Beispiel bei Tagesschulen, habe die Schweiz Aufholbedarf.

Oft wird ihr vorgeworfen, sie sei politisch unerfahren. Darauf hat Esseiva eine doppelte Antwort: Als General­sekretärin der FDP-Frauen kenne sie die nationalen Themen sehr gut – und in Freiburg habe sie während zweier Legislaturen ihre Sporen im Generalrat abverdient, dem Stadtparlament. «Dort habe ich das politische Handwerk gelernt.» In der Einbürgerungskommission habe sie als «Schweizermacherin» wertvolle Erfahrungen sammeln können. 2013 zog sie von Freiburg nach Bern. Aufgewachsen ist sie in Hindelbank.

Kein Verständnis zeigt Esseiva für einen Entscheid des Gewerbeverbandes KMU. Weil sie nicht Mitglied ist, erhielt sie keine Empfehlung für den Nationalrat. Auch mit der Unterstützung für den Ständerat klappte es nicht. Der KMU-Verband empfahl Rösti und Luginbühl, nicht zuletzt, weil deren Wahlchancen höher sind. Beim KMU-Rating ist sie jedoch besser klassiert als Rösti. Sie habe ein Unternehmen gegründet und aufgebaut, sagt Esseiva. «Die Leistung zählt offenbar nicht.» Der Handels- und Industrieverein HIV immerhin unterstützt sie – aber ebenso Rösti und Luginbühl. (Der Bund)

Erstellt: 02.10.2015, 14:05 Uhr

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Nicht weniger als elf Kandidatinnen und Kandidaten möchten den Kanton Bern in den kommenden vier Jahren im Ständerat vertreten. Reale Chancen haben dürften die Amtsinhaber Hans Stöckli (SP) und Werner Luginbühl (BDP) sowie der Herausforderer von der SVP, Albert Rösti.


Neben dem Favoritentrio stehen weitere Personen zur Auswahl: Für die Grünen tritt Nationalrätin Christine Häsler an, für die FDP Claudine Esseiva. Die GLP schickt Nationalrat Jürg Grossen ins Rennen und die EVP Nationalrätin Marianne Streiff. Sie erhoffen sich von der Ständeratskandidatur wohl nicht zuletzt auch einen Schub für die Wahl respektive Wiederwahl in den Nationalrat. Chancenlos sind wohl die Kandidaturen von Denis Simonet und Jorgo Ananiadis von der Piratenpartei und der beiden Parteilosen Josef Rothenfluh und Bruno Moser. Angesichts der vielen Bewerber ist ein zweiter Wahlgang wahrscheinlich. Der DerBund.ch/Newsnet präsentiert diese Woche alle Ständeratskandidatinnen und Ständerats­kandidaten in Porträts.

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