Die drei Finder behalten den Fundort geheim

Der Propeller der Dakota, die 1946 auf dem Gauligletscher niederging, soll zur Gaulihütte transportiert werden. Bis dahin geben die Finder die genaue Fundstelle nicht bekannt.

Manuel Rufener (v.l), Peter Flühmann und Lucas Kocher mit ihrem Fund auf dem Gauligletscher.

Manuel Rufener (v.l), Peter Flühmann und Lucas Kocher mit ihrem Fund auf dem Gauligletscher.

(Bild: Copyright SRF)

Dölf Barben@DoelfBarben

Die genauen Koordinaten der Fundstelle will Manuel Rufener, der Lehrling aus Zweisimmen, nicht verraten. Das hätten sie miteinander abgemacht, sagt er. Zusammen mit zwei Freunden, Peter Flühmann aus Meiringen und Lucas Kocher aus Kanada, stiess er vor einer Woche auf einen Propeller. Dieser gehört zur amerikanischen Militärmaschine des Typs Dakota, die 1946 fast zuoberst auf dem Gauligletscher niedergegangen ist. Der Fund der drei 18-jährigen Bergsteiger, über den das Schweizer Fernsehen am Mittwoch berichtete, hat seither hohe Wellen geworfen.

Den Fundort wollten sie geheim halten, weil sie befürchteten, dass Fans nun ebenfalls auf den Gletscher gehen würden und sich am Propeller zu schaffen machten, sagt Rufener. Das Wrackteil soll zu gegebener Zeit zur Gauli-Hütte transportiert werden. Immerhin verrät Rufener, dass der Propeller etwas oberhalb des Gletscherabbruchs am Anfang des Plateaus liege. Das heisst: Er ist ungefähr drei Kilometer von dem Punkt entfernt zum Vorschein gekommen, wo die Dakota 1946 zum Stehen gekommen war.

Hoffnung auf kleine Fundstücke

Bei den drei 18-Jährigen handelt es sich nicht um Flugzeugfans, die gezielt nach Wrackteilen suchten. «Das war zweitrangig», sagt Rufener. Ihr Freund aus Kanada habe vor allem den Gletscher sehen wollen. Aber selbstverständlich hätten sie um die Dakota gewusst und gehofft, sie würden vielleicht etwas Kleines finden.

Kleinere Fundstücke, wie zum Beispiel eine Wolldecke, hatte der Gletscher schon mehrmals preisgegeben. Dass es aber gleich ein Propeller sein würde, hätten sie nie und nimmer gedacht, sagt Rufener.

«Es dauert nicht mehr lange»

Mit grossem Interesse verfolgt Roger Cornioley die jüngsten Entwicklungen. In akribischer Kleinarbeit hat der Hobbyhistoriker aus Kehrsatz die Geschichte der Dakota und die wundersame Rettung der zwölf Insassen recherchiert und niedergeschrieben. Der umfangreiche Beitrag erschien 2006 in der Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde. Basierend darauf ist das «Drama am Gauligletscher» mittlerweile auch verfilmt worden.

Nur weil ein Propeller gefunden wurde, heisse das noch nicht viel in Bezug auf das Wrack, sagt Cornioley. Und doch vermutet er, «dass es nicht mehr lange dauert», bis es zum Vorschein kommen werde. Die Flügel seien «mit grosser Wahrscheinlichkeit» vom Rumpf abgetrennt worden, sagt er. Der eine Flügel sei ja schon bei der Bruchlandung angerissen worden.

Erstaunt über den Fundort

Selbst Glaziologen haben sich schon für das Wrack der Dakota interessiert. Andreas Bauder, Glaziologe an der ETH in Zürich, sagt, auch er persönlich habe einmal versucht, den heutigen Standort abzuschätzen. Da das Innere des Gauligletschers aber kaum vermessen sei, gebe es viele Unsicherheitsfaktoren. Etwas erstaunt sei er nun aber doch, dass der Fund auf dieser Höhe erfolgt sei, sagt er. Denn je weiter oben etwas in einem Gletscher versinke, desto tiefer gelange es ins Eis, und desto weiter unten komme es normalerweise zum Vorschein. Die Dakota lag fast zuoberst auf dem Gletscher, als sie gänzlich eingeschneit wurde und verschwand.

Bauder nimmt an, das Wrack liege nun nicht allzu weit von der Fundstelle des Propellers entfernt. Womöglich könnte es ebenfalls in absehbarer Zeit freigegeben werden. Dass es irgendwo in einer Rinne oder Mulde stecken geblieben wäre, erachtet er als eher unwahrscheinlich. Es sei ja ziemlich zentral in den Eisstrom gelangt, in dem es seither mitgeflossen sei. Auch Bauder schliesst nicht aus, dass das Flugzeug mittlerweile in verschiedene Teile zerlegt wurde. Innerhalb eines Gletschers gebe es grosse Scherkräfte. Der Glaziologe verweist auf Flugzeuge, die nach vielen Jahren aus Grönland-Gletschern geborgen wurden: «Die waren recht gut erhalten.»

Plünderungen auf dem Gletscher

Die Propeller wurden schon im Jahr nach dem Unglück von den beiden Motoren abmontiert. Kurz nach der erfolgreichen Rettung, die erst nach fünf Tagen abgeschlossen werden konnte, wurde die Dakota eingeschneit. Im Sommer darauf war das Wrack nochmals zugänglich. Die Schweizer Armee nutzte die Gelegenheit und schickte Mechaniker des Flugplatzes Meiringen hinauf zur Unglücksstelle, um die Motoren auszubauen. «Diese waren noch in gutem Zustand», sagt Roger Cornioley. Die Propellerblätter dagegen waren nach der Bauchlandung verbogen und nicht mehr brauchbar. Laut Cornioley wurden sie «wahrscheinlich in den nächsten Gletscherspalt geworfen – damals war das Umweltbewusstsein noch nicht sehr gross».

Das Wrack, das der Schweiz von der amerikanischen Luftwaffe schliesslich geschenkt wurde, übte im Jahr nach dem spektakulären Unglück eine grosse Anziehungskraft aus. «Es gab einen regelrechten Massenandrang zum Gletscher», sagt Cornioley. Den meisten Schaulustigen sei es aber «nicht nur ums Schauen» gegangen, «sie hatten es auf den Inhalt der ‘Verpflegungsbomben’ abgesehen». Nachdem die Dakota nach drei bitterkalten Nächten entdeckt worden war, kam es zu zahlreichen Abwürfen von Hilfsgütern aus Flugzeugen. Viele dieser «Bomben» verfehlten ihr Ziel und lagen nun verstreut auf dem Gletscher. Sie enthielten wertvolles Material wie gefütterte Hosen und Jacken oder Stiefel. Ein Bergführer habe einmal spasseshalber gemeint, sagt Cornioley, der Gauligletscher sei damals der erste Selbstbedienungsladen des Haslitals gewesen. Schliesslich aber hätten die Behörden ein «Plünderungsverbot» ausgesprochen.

Der Bund

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