«Die Privatsphäre der Asylbewerber sollte respektiert werden»

Iris Rivas, die Leiterin des kantonalen Migrationsdienst, fordert mehr Geld für jugendliche Asylbewerber.

Iris Rivas leitet den Migrationsdienst Kanton Bern.<p class='credit'>(Bild: Franziska Scheidegger)</p>

Iris Rivas leitet den Migrationsdienst Kanton Bern.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Anita Bachmann@anita_bachmann

Frau Rivas, die private Firma Zihler führt seit November das Asylzentrum Bäregg für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA). Wie läuft es? Es läuft gut, unseren Erwartungen entsprechend.

Was sind Ihre Erwartungen?
Wir erwarten, dass die Massnahmen, die wir im August kommuniziert haben, umgesetzt werden. Es wurden beispielsweise Präsenzkontrollen etabliert, es gibt eine interne obligatorische Schulung für diejenigen, die noch nicht die öffentliche Schule in Langnau oder Bärau besuchen, und jeder Minderjährige erhielt eine Bezugsperson.

In welchem Zustand hat die Firma Zihler die Bäregg übernommen?
Gemäss dem Bericht des kantonalen Jugendamts gab es Mängel konzeptioneller Art und in der Art der Umsetzung. Der Regierungsrat entschied deshalb, dass das Konzept gestoppt werden soll und eine Firma mit Jugendheimerfahrung überbrückt, bis der Kanton weiss, in welche Richtung es gehen soll mit den UMA.

Welche Richtungen gibt es denn?
Es ist vom Bund her keine Richtung vorgegeben. Der Bund gibt die UMA in die Kantone und jeder Kanton macht es anders. Die Problematik, die sich bei den UMA ergibt, ist unter anderem die Finanzierung. UMA werden mit den gleichen Pauschalen abgegolten wie Erwachsene, und wir haben den Eindruck, man müsste das anschauen.

Nebst den Mängeln, die das Jugendamt festgestellt hatte, gab es auch noch andere Probleme: Gewalt und schwangere jugendliche Frauen im Asylzentrum.
Das hat mit der Struktur zu tun, in denen die Jugendlichen gelebt haben. Es gab Jugendliche, die schwanger wurden, aber ob das im Zentrum oder ausserhalb passiert ist, ist schwierig zu sagen. Wir denken, dass die Jugendlichen mehr Verbindlichkeiten und Rahmenbedingungen benötigen.

Die Küche im Zentrum, wo die Jugendlichen selber kochten, war in einem so schlechten Zustand, dass sie eine Woche für die Reinigung geschlossen werden musste.
Dazu möchte ich nichts sagen.

Warum konnte die Firma Zihler gegenüber dem «Bund» nicht selber Auskunft geben?
Fachleute sind der Ansicht, dass Journalisten im UMA-Zentrum den pädagogischen Prozess stören könnten. In einem UMA-Zentrum oder auch in einem anderen Asylzentrum herrscht zudem Privatsphäre, die Menschen wohnen dort, und dies sollte respektiert werden.

Sie verteidigen die Weisung, Leuten den Zutritt zu Asylzentren zu verwehren?
Ja. Es steht in der Asylverordnung drin, dass die Bundeszentren nicht öffentlich gemacht werden dürfen. Als Kanton folgt Bern dieser Verordnung, wie die meisten anderen Kantone.

Aber die Firma Zihler darf auch nicht Auskunft geben.
Auskunft geben ist nicht Teil ihres Mandats, das sie in unserem Auftrag erfüllen. Wir wollen zudem nicht, dass das Thema UMA Kanton Bern der Fokus der nationalen Diskussion wird.

Bei aller Kritik am Konzept und der Umsetzung durch die Heilsarmee hiess es auch, es brauchte mehr Geld. Hat die Firma Zihler jetzt mehr Geld zur Verfügung? Die Firma Zihler arbeitet unter den gleichen finanziellen Voraussetzungen. Im Moment besteht aber für die UMA kein abschliessendes Konzept. Aktuell wird die Betreuungssituation stabilisiert und danach werden wir ein neues Konzept erarbeiten.

Und die Frage der Finanzierung klären . . .
Wir werden versuchen, dies kantonal und interkantonal zur Diskussion zu stellen. Was ist die beste Praxis, wie kann man erreichen, dass die Jugendlichen nicht so gewaltbereit sind oder werden, es keine Gruppenbildung gibt, sie nicht auf die schiefe Bahn kommen? Minderjährige brauchen eine intensivere Betreuung als Erwachsene, das ist für uns ganz klar.

Wenn es um die Finanzierung geht, ist das Asylrecht massgebend. Trotzdem spielt der Kinder- und Jugendschutz eine Rolle und die UMA haben auch Beistände.
Das ist richtig. Im Kanton Bern sind alle UMA verbeiständet. Der Beistand hat von seiner Aufgabe her eine andere Perspektive: Ein Beistand sieht andere Möglichkeiten, wie man mit dem Menschen umgehen könnte, was er brauchte – das ist im Asylgesetz abschliessend definiert.

Asylkritiker sollen im Kanton Bern bereits einen Anlauf genommen haben, die Zuständigkeit für die UMA zu ändern.
Das weiss ich nicht. Uns ist wichtig, dass sich eine nachhaltige Lösung finden lässt, die dem Kindeswohl gerecht wird. Wenn dafür eine zusätzliche Finanzierung nötig ist, die wir im Moment nicht nachhaltig mit den Bundessubventionen sicherstellen können, sollte man die Frage politisch diskutieren.

Der Bund

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