Eidgenössisches Schwingfest

Die Party steigt schon vor dem Fest

Zahlreiche Schaulustige besuchen bereits im Vorfeld das Gelände des Schwingfestes. Ihr Interesse gilt indes stärker der Kulisse als dem Sport.

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Der Parkplatz in der Ey bei Burgdorf ist gut gefüllt. Trotz strömendem Regen stampfen Dutzende Personen über die Militärbrücke Richtung Festgelände. Dabei hat das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest noch nicht einmal angefangen. Der Gabentempel, die Lebendpreise und die Arena sind indes seit dem 16. August für die Öffentlichkeit zugänglich. Auch eines der vielen Festzelte - die Gabenbeiz - hat bereits seine Pforten geöffnet.

Das Angebot wird rege genutzt. «Alleine am letzten Wochenende besuchten 8000 bis 9000 Personen das Festgelände», teilt Raphael Wild, Leiter Kommunikation, auf Anfrage mit. Selbst am Dienstagabend, bei nasskaltem Wetter, ist die Gabenbeiz bis auf den letzten Platz gefüllt. Schätzungsweise 1000 Personen stimmen sich mit Bier und Wurst auf das kommende Grossereignis ein. Für die Hintergrundmusik sorgt zuerst das Volksmusikquartett Alperose. Danach übernimmt DJ Wernu, eine Art Resident-DJ des Eidgenössischen, das Zepter.

«Wie in einer Grossstadt»

Während des Festes rechnen die Organisatoren mit 250'000 Besucherinnen und Besuchern. Platz für so viele ist jedenfalls vorhanden. «Das ist ja wie in einer Grossstadt», sagt ein Schaulustiger auf dem Spaziergang durch das Gelände. «Das glaubt keiner, der es nicht selber gesehen hat», pflichtet ihm seine Begleitung bei. Der Gigantismus am Eidgenössischen stösst in Schwingerkreisen indes nicht nur auf Wohlwollen. 20 Festhütten, eine Public-Viewing-Zone sowie eine 300 Meter lange Märitstrasse mit rund 80 Ständen sind zahlreichen Medienberichten zufolge für manche Schwingfans zu viel des Guten.

Vor Ort scheint sich aber niemand daran zu stören. Im Gegenteil, viele kommen nicht trotz, sondern gerade wegen der Grösse der Veranstaltung. «Ich habe so viel darüber gehört, dass ich es mir selber einmal anschauen wollte», sagt eine junge Frau. Für das Schwingen interessiere sie sich eigentlich überhaupt nicht, und sie habe auch keinen Favoriten. So wie ihr geht es auch anderen. «Ich wollte sehen, was hier Grosses gewachsen ist», sagt ein Burgdorfer. Am Schwingfest selber suche man ihn aber vergebens. «Ich gehe am Wochenende wandern, da erlebe ich mehr Schweiz als am Schwingfest.»

Weltweit grösste temporäre Arena

Ein paar eingefleischte Schwingliebhaber sind dann doch noch anzutreffen. «Ich war in den letzten 20 Jahren an jedem Eidgenössischen», sagt ein älterer Herr mit rotem Helfer-Shirt. Doch auch dieser Fan hat keine Probleme mit der Grösse des Festes. «Wenn man schaut, wie schnell das Fest ausverkauft war, hätte man es gar noch grösser machen können.» Immerhin 52'000 Personen fasst die Emmental-Arena. Sie ist damit die weltweit grösste temporäre Arena. Das löst bei einigen Besuchern Bewunderung aus. Ein Mann tippt mit dem Fuss sanft an das Stahlgerüst der Arena und nickt anerkennend: «Momol, die Tribüne hält einiges aus.» Andere sind kritischer. Einer betagten Frau ist die Entfernung zum Sägemehl zu gross. «Ich könnte hier gar nichts erkennen», sagt sie zu ihrer Begleitung.

Star des Geländes ist unbestrittenermassen der Siegermuni Fors vo dr Lueg. «So mächtig, so kräftig», sagt ein schmächtiger Mann wohl etwas neidisch. Zusammen mit den anderen Lebendpreisen - sieben Rinder, ein Fohlen sowie zwei Pferde - bewohnt der Muni einen Stall auf dem Gelände. Gleich zwei Helfer schauen zu den Tieren. Jeder Haufen wird sofort weggeräumt. Zahlreiche Handyfotografen sind dankbar dafür.

Gut gefüllter Gabentempel

Für Interesse bei den Schaulustigen sorgt auch der sogenannte Gabentempel. Von der Werkzeugkiste bis hin zur kompletten Küchenausrüstung steht alles bereit. Die Preise haben einen Gesamtwert von 800'000 Franken. Das wertvollste Stück ist ein Hochlader, für den man im Laden mehr als 20'000 Franken hinblättern müsste. Kein Preis entspricht indes einem Gegenwert von weniger als 250 Franken. Die holzgefertigten Möbelstücke stossen vor allem bei Frauen auf Begeisterung. «Schau Mami, dieser Schrank ist mega modern», sagt eine Teenagerin mit Blick auf ein klobiges Biedermeier-Möbel. Auch ein junger Mann weiss, wofür er sich entscheiden würde. «Ich nähme den Zapfhahn», sagt er zu seinem Kollegen.

Es hat aber auch Dinge dabei, deren Nutzen von einigen Besuchern infrage gestellt wird. «Was will man mit einem solchen Mist», sagt ein Familienvater und zeigt auf eine Rutschbahn. Der Mann, der im Gabentempel zum Rechten schaut, will sich zuerst nicht zu seinen Präferenzen äussern. Schliesslich deutet er auf eine Treichel. «Daran hätte ich wirklich grosse Freude», sagt er. Leisten könne er sich eine solche Glocke aber nicht. Er schätzt ihren Wert auf über 4000 Franken. «Und ehrlich gesagt wüsste ich auch nicht, was ich damit anfangen könnte.»

(Der Bund)

Erstellt: 29.08.2013, 09:58 Uhr

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