Die Marzilibahn wird totalsaniert und bekommt einen «Wartsaal»

Neue Fahrbahn, erweiterte Stationen: Bei der Marzilibahn beginnt eine Gross­sanierung. Deswegen steigen die Billettpreise.

Das Berner Marzilibähnchen muss umfassend saniert werden.

Das Berner Marzilibähnchen muss umfassend saniert werden.

(Bild: Keystone Peter Klaunzer)

Adrian Müller@mueller_adrian

129 Jahre lang ist das Marzilibähnchen täglich bis zu 320-mal über die Stahlbrücke hoch- und hinuntergefahren und hat so jährlich über eine Million Passagiere befördert. Damit ist nun Schluss, zumindest für die nächsten fünf Monate.

Am kommenden Montag beginnt die «grösste Erneuerung in der Geschichte der Marzilibahn», wie Urs Stuber sagt, Vizeverwaltungsratspräsident der Drahtseilbahn Marzili-Stadt Bern AG. Zuerst muss ein mobiler Kran die roten Wagen von den Schienen heben – kein einfaches Unterfangen am steilen Stutz. Dann wird die von 1885 stammende Stahlbrücke samt den Schienen weg­gerissen und durch eine neue Stahlkonstruktion ersetzt, die markanteste Neuerung. Eine Sanierung sei nicht infrage gekommen, da selbst Experten keine Prognose über deren Lebensdauer hätten machen können. Erstaunlich ist, dass die Sanierung der Bahn länger dauert als der ursprüngliche Bau. Vor 129 Jahren benötigten die Arbeiter lediglich vier Monate, um die damals noch mit Wasser aus dem Stadtbach angetriebene Bahn zwischen Bundesterrasse und Weihergasse zu erstellen.

Mehr Platz für Passagiere

Die private AG – die Marzilibahn gehört im Gegensatz zur Gurtenbahn nicht zu Bernmobil – wendet fünf Millionen Franken für die Sanierung der 105 Meter kurzen Marzilibahn auf. Was bringt die Rundumerneuerung den Fahrgästen und Marzili-Bewohnern? «Die Talstation wird verbreitert. So entsteht eine Art Warteraum, der die Leute vor Regen und Sonne schützt», sagt Stuber. In der Bergstation werden die Zugänge ebenfalls vergrössert und neue Billettautomaten installiert. Die aus dem Jahre 1974 stammenden Wagen erleben eine Komplettüberholung. «Die Kabine bleibt innen wie aussen genau gleich wie vorher.»

Auch wird die Bahn nach dem Umbau nicht schneller sein: Für die Bewältigung der 30 Höhenmeter benötigt das Marzilibähnli weiterhin gut eine Minute. Dafür wird der Billettpreis – derzeit 1.20 Franken – erhöht, in welchem Ausmass, ist noch unklar. Das Sicherheitskonzept bleibt unverändert: Der Einbau weiterer Überwachungskameras ist laut Stuber nicht geplant. Nach einem Gewaltakt hatte die Bahn 2009 zusätzliche Kameras installiert. «Im Moment haben wir kein Vandalismus- oder Gewaltprob­lem», sagt Stuber.

Lange Fahrt mit Ersatzbus

Während der Bauphase verkehren bis Mitte Februar 2015 von 6.09 Uhr bis zum Abend Ersatzbusse im 20-Minuten-Takt auf der Route Dalmazibrücke–Bahnhof–Dalmazibrücke. Ab 20.37 Uhr fährt der reguläre Matte-Bus von Bernmobil. Die Marzili-Bewohner müssen somit entweder den Stutz zu Fuss bezwingen oder mehr Zeit einberechnen, denn die Fahrzeit beträgt laut Fahrplan sechs Minuten. «Für die Leute im Marzili ist gesorgt», sagt Stuber, doch der Service sei natürlich nicht vergleichbar mit der einminütigen Fahrt im Bähnli.

Dauert der längste Unterbruch in der Historie der Marzilibahn tatsächlich nur bis Mitte Februar 2015? Stuber wünscht sich im Hinblick auf die Sanierung ein mildes Winterhalbjahr. «Wir hoffen, dass es nicht den ganzen Winter schneit, denn dies könnte die Bauarbeiten im schlimmsten Fall verzögern.» Nach dem Umbau bleibt für die Passagiere vieles beim Alten, für das Personal gibt es hingegen markante Verbesserungen. Die Bahntechnik wird erneuert und im früheren Wasserreservoir unter der Bergstation zentralisiert, was die Wartung ­erleichtern soll. Damit werden nicht ­zuletzt Vorgaben für die Erneuerung der Betriebsbewilligung erfüllt.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...