«Die Insel produziert teurer als andere Spitäler»

Der ehemalige Spitalchef der Spital Netz AG spricht im Interview über seine Kritik am Zusammenschluss mit dem Inselspital.

«Die Insel gibt vor, wer wo behandelt wird»: Der ehemalige Spitalchef der Spital Netz AG kritisiert den Zusammenschluss mit dem Inselspital (Bild).

«Die Insel gibt vor, wer wo behandelt wird»: Der ehemalige Spitalchef der Spital Netz AG kritisiert den Zusammenschluss mit dem Inselspital (Bild).

(Bild: Adrian Moser (Symbolbild))

Matthias Raaflaub

Roger Kübler, weshalb kritisieren Sie als früherer Spitalchef der Spital Netz Bern AG den Zusammenschluss mit dem Inselspital so dezidiert?
Ich diskutiere auch nach meiner Pensionierung mit Ärzten, ich lese die Medien. Ich bin ein interessierter und qualifizierter Laie. Und was ich über das Projekt erfahre, beunruhigt mich tief.

Sie behaupten, dass der Zusammenschluss aus wirtschaftlicher Sicht nicht schlüssig sei. Warum nicht?
Erstens produziert die Insel im Gesundheitswesen teurer als andere Spitäler. Das ist unbestritten. Dennoch soll mit dem Zusammenschluss mehr an der Insel behandelt und operiert werden. Zweitens wird mit diesem Projekt die Komplexität der Prozesse am grossen Universitätsspital noch einmal erhöht. Das ist teurer. Der Ausbau wiegt nicht auf, was dafür neu erwirtschaftet werden kann.

Der Verwaltungsrat bestreitet die Aussage, an der Insel würden mehr Eingriffe zu höheren Kosten durchgeführt. Die Grundversorgung werde vom Inselspital wegdelegiert.
Ich kann nur sagen, dass bis jetzt nichts in diese Richtung geschehen ist. Grundsätzlich hat das Projekt «Stärkung des Medizinalstandorts Bern» bis jetzt nur zur Stärkung der Privatspitäler geführt. 12 von 15 Kaderärzten haben das Spital Tiefenau verlassen, Patienten wandern mit ihnen zu den Privatspitälern ab.

Warum sind die Ärzte gegangen?
Die Insel gibt vor, wer wo behandelt wird. Chefärzte mit langjähriger Erfahrung müssen sich sagen lassen, was sie noch operieren dürfen.

Weshalb lassen Sie sich von den Initianten der Spitalstandortinitiative einspannen?
Ich gehe mit der Initiative nicht vollkommen einig, denn sie hat Widersprüche. Ich habe immer gesagt, dass wir die Gestaltung der Spitallandschaft dem Markt überlassen sollten. Aber wenn das, was beim Zusammenschluss von Inselspital und Spitalnetz Bern geschieht, nicht anders zu stoppen ist, ist auch die Initiative ein Weg zum Ziel.

Aber sie schaden mit Ihrer Kritik auch ihrem früheren Unternehmen.
Das kommt ganz darauf an, was jetzt passiert. Nicht, wenn dank der Initiative und über die geplante Motion im Grossen Rat eine wirkliche Diskussion ausgelöst wird. Es gibt noch immer keine Transparenz über Kosten und Nutzen und auch keine Strategie. Bis jetzt gibt sich der Regierungsrat mit unkonkreten Aussagen zufrieden.

Der Bund

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