Die BKW stockt ihren Windpark auf

Vier ältere Anlagen im Windpark Juvent werden durch grössere Windkraftwerke ersetzt. Die BKW begründet dies mit der Opposition an anderen Standorten – doch nicht überall ist die Windkraft umstritten.

Bereits 2013 ersetzte die BKW auf dem Mont Crosin alte Windkraftwerke durch neue. Nun folgt die nöchste Modernisierung.

Bereits 2013 ersetzte die BKW auf dem Mont Crosin alte Windkraftwerke durch neue. Nun folgt die nöchste Modernisierung. Bild: Adrian Moser

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Dass auf dem Mont Crosin und dem Mont Soleil 16 Windkraftwerke stehen, sieht man vom Tal von Saint-Imier im Berner Jura bloss aus weiter Distanz. Die BKW beziehungsweise ihre Tochterfirma Juvent hat hier bereits vor zwanzig Jahren erste Windkraftwerke aufgestellt – und den Standort seither zum grössten Windpark der Schweiz ausgebaut.

Den nächsten Ausbauschritt gaben die Juvent-Verantwortlichen gestern vor Ort bekannt. Vier ältere Windkraftwerke sollen bis 2016 durch grössere Anlagen ersetzt werden. Diese sind nicht nur leistungsstärker, sie profitieren dank einer maximalen Höhe von rund 150 Metern auch davon, dass der Wind in den oberen Luftschichten stärker weht.

Schon 2013 hatte die BKW-Tochter Juvent vier noch ältere Windkraftwerke durch moderne Turbinen ersetzt. Beide Modernisierungen zusammen steigern die jährliche Produktion des Windparks um 60 Prozent auf jährlich total 65 Millionen Kilowattstunden – was dem Stromverbrauch von rund 20'000 Haushalten entspricht.

Alte Kraftwerke werden verkauft

Nach dem Abbau werden die älteren Werke auf dem weltweiten Occasionsmarkt verkauft. «Sie sind hervorragend gewartet und können an sehr guten Standorten, zum Beispiel am Meer, hohe Produktionserträge erzielen», sagte Juvent-Projektleiter Johannes Vogel. 2013 verkaufte die Juvent ein abmontiertes älteres Windkraftwerk gar nach Neuseeland. Da es per Schiff dorthin transportiert wurde, sei dies auch ökologisch vertretbar, sagte Vogel.

Auch die Juvent würde die älteren Windkraftwerke bis ans Ende ihrer Lebensdauer selber betreiben, wenn sie an anderen Standorten moderne Windkraftwerke aufstellen könnte. Dies sei hierzulande wegen lokaler Opposition jedoch schwierig, beklagte Juvent-Präsident Martin Pfisterer. Man habe sich deshalb dafür entschieden, nun zuerst den bestehenden Windpark zu modernisieren. Weil dies einer der besten Windstandorte der Schweiz sei, vor allem aber auch, so Pfisterer, «weil Windanlagen hier gut akzeptiert sind». Dies bestätigten gestern die Präsidenten der Standortgemeinden, Stéphane Boillat (Saint-Imier) und Otto Borruat (Courtelary).

Frust über lokale Opposition

Rund ein Dutzend Standorte habe die Juvent im Auge, sagte deren Direktor Jakob Vollenweider. Konkrete Windpark-Pläne habe man aber nur im bernjurassischen Tramelan und in der bündnerischen Gemeinde Hinterrhein. Die Frustration der Juvent-Verantwortlichen über lokale Opposition gegen Windkraftwerke, die zu Blockaden oder Verzögerungen führt, war gestern deutlich spürbar.

Pfisterer erklärte diese ausgerechnet mit der Förderung der Windenergie durch die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) des Bundes seit 2009. Die KEV habe vor allem im Jurabogen «eine Flut von Projekten ausgelöst», was vielenorts zu Opposition von Nachbarn und Landschaftsschützern führte. Das Hauptproblem sei, dass man es verpasst habe, mit der Raumplanung die Windkraftwerke auf einige wenige, gut geeignete Standorte zu konzentrieren. Im Kanton Bern hat man dies inzwischen nachgeholt und einen Windrichtplan beschlossen.

Auch Aufwind für Windkraft

Im Kanton Neuenburg hat das Volk am 18. Mai eine Volksinitiative der Windkraftgegner bachab geschickt und einen Gegenvorschlag der Regierung angenommen, der den Bau von fünf Windparks vorsieht. Davon profitiert auch eine Gruppe von Bürgern und Bauern, die im bernjurassischen Sonvilier einen Windpark im Grenzgebiet zum Kanton Neuenburg realisieren will. Auch in Vechigen setzen sich die Gemeinde­behörden für ein Windkraftwerk ein.

Die BKW zog sich jedoch vom Projekt zurück, da seine Wirtschaftlichkeit ungenügend sei. Gemeindepräsident Walter Schilt (SVP) sieht dies anders. «Der Rückzug dürfte eher eine Folge der internen Umstrukturierungen der BKW sein», sagte er auf Anfrage. Man habe nun andere Interessenten gefunden. Bis Ende Jahr soll klar werden, ob und mit wem das Projekt weitergeführt wird. (Der Bund)

Erstellt: 19.08.2014, 17:04 Uhr

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