«Die Ambitionen der BLS waren wohl zu gross»

Ohne Fernverkehr kann die BLS ihre Innovationen kaum finanzieren, sagt Verkehrsökonom Philipp Wegelin.

«Die BLS ist leztlich ein Regionalverkehrsunternehmen»: Philipp Wegelin zum geplanten Stellenabbau bei der BLS.

«Die BLS ist leztlich ein Regionalverkehrsunternehmen»: Philipp Wegelin zum geplanten Stellenabbau bei der BLS. Bild: Franziska Rothenbühler

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Herr Wegelin, die BLS nennt den Kosten- und Effizienzdruck von Bund und Kantonen als Hauptgrund für den Abbau von 200 Stellen. Was ist da dran?
Der Druck von Bund und Kantonen nimmt zweifellos zu. Die ­Besteller streben im Regionalverkehr vermehrt Zielvereinbarungen mit den Transportunternehmen über Kosten und Effizenz an. Der Bund wiederum plant ein neues Benchmarking, das einen Effizienzvergleich zwischen verschiedenen Linien ermöglicht. Aber es gibt wohl noch weitere Gründe für die Sparmassnahmen.

Die BLS hat die erwünschten Fernverkehrskonzessionen nicht erhalten. Muss sie ­deshalb nun sparen?
Einen direkten Zusammenhang gibt es nicht. Denn die BLS hat im Hinblick auf eine mögliche Konzessionsvergabe der lukrativeren Fernverkehrslinien nicht neues Personal eingestellt. Aber es gibt wohl einen indirekten Zusammenhang.

Inwiefern?
Die BLS versteht sich nicht nur als Fuhrhalter, sondern als integrierter Mobilitätsdienstleister wie die SBB. Sie möchte Lösungen für Personen- und Gütertransporte von Tür zu Tür entwickeln und hat Innovationen wie zum Beispiel die Lezzgo-App entwickelt. Im Unterschied zur SBB kann die BLS dies aber nicht über den gewinnbringenden Fernverkehr finanzieren. Sie ist letztlich ein Regionalverkehrsunternehmen und untersteht als solches einem faktischen Gewinnverbot. Auch mit den vom Bund zugesprochenen Fernverkehrslinien Bern-Biel und Bern-Olten kann sie nicht Gewinn machen. Diese beiden Linien sind bloss selbsttragend.

Bedeuten die Entlassungen, dass sich die BLS künftig aufs Transportgeschäft ­beschränken will?
Wir wissen ja noch gar nicht, welche Unternehmensbereiche von den Entlassungen betroffen sind. Ich glaube aber nicht, dass die BLS sich nur noch aufs Transportwesen beschränken will. Die Unternehmensleitung hat aber festgestellt, dass die Ambitionen im Bereich Innovation zu gross waren.

Sind mittlere und kleine Verkehrsunternehmen im Regionalverkehr dazu verdammt, sich auf die Fuhrhalterei zu beschränken?
Das kann man so sehen. In der Schweiz befinden sich diese Unternehmen in einem Zielkonflikt. Einerseits handelt es sich meist um Aktiengesellschaften, die sich weiterentwickeln und in Innovationen investieren möchten. Andererseits sind es vom Staat konzessionierte und finanzierte Unternehmen mit einem Leistungsauftrag, die gar nicht die Mittel für Innovationen erwirtschaften können. Unser Verkehrssystem sieht Innovation bei kleineren und mittleren Transportunternehmen gar nicht vor.

Aber Innovation entsteht doch durch den Wettbewerb von Ideen?
Teilweise kommen Innovationen auch von aussen, zum Beispiel aus der IT-Branche. Ein Wettbewerb der Ideen wäre aber sicher erwünscht. Es stellt sich dabei die Frage, wer die Ideen finanziert, wenn Kantone und Bund als Besteller sparen wollen.

Was gibt es denn für Auswege aus diesem Dilemma?
Politisch ist das noch kein Thema. Aber in Fachkreisen wird die Schaffung eines Innovationstopfes aus Bundesgeldern diskutiert, aus dem die besten Projekte aller Transportunternehmen finanziert werden könnten. Immerhin fördert der Bund bereits gewisse Innovationen im ÖV und im Güterverkehr über verschiedene Töpfe. Könnte die BLS nicht ihre Preise erhöhen, anstatt Stellen abzubauen? Das ist nicht so einfach. Die ÖV-Tarife werden von der Branche festgelegt. Preiserhöhungen sind politisch meist stark umstritten. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.11.2018, 18:06 Uhr

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