«Der Lerch hat keine grossen Fehler gemacht»

Regierungsstatthalter Christoph Lerch schafft die Wiederwahl problemlos. Herausforderer Claude Grosjean blieb auch in der Stadt Bern ohne Chancen.

Wiedergewählt: Christoph Lerch (SP).

Wiedergewählt: Christoph Lerch (SP).

(Bild: Adrian Moser)

Das Resultat lässt keine Fragen offen: Christoph Lerch (SP), der amtierende Regierungsstatthalter für den Verwaltungskreis Bern-Mittelland, wird mit einem Stimmenanteil von 65,6 Prozent wiedergewählt. Herausforderer Claude Grosjean (GLP) erhielt lediglich 28,7 Prozent der Stimmen. Der parteilose Stefan Theiler kam auf einen Wähleranteil von immerhin 5,7 Prozent. Ein zweiter Wahlgang ist somit hinfällig.

Das Resultat überrascht nicht. Lerch ist mit dem Bisherigen-Bonus in die Wahl gegangen und hat mit der SP die in der Stadt Bern wählerstärkste Partei im Rücken. Grosjean war in der Agglomeration fast gänzlich unbekannt.

Bereits während des Wahlkampfs hat sich zudem gezeigt, dass er nicht einmal auf den geschlossenen Support der Bürgerlichen zählen konnte. Einzig die FDP empfahl Grosjean zur Wahl. Die SVP plädierte dafür, das Wahlkuvert leer einzulegen – und die BDP empfahl ihren Sympathisanten gar Lerch zur Wiederwahl.

Lerch: Habe guten Job gemacht

Trotz der guten Ausgangslage ist Lerch die Erleichterung nach Bekanntgabe der Resultate anzuhören: «Das ist doch eine Freude», sagt er. Eine Aussage, die beim trockenen Fürsprecher schon fast wie ein Gefühlsausbruch anmutet. Etwas nüchterner analysiert er das Ergebnis: «Es ist, wie die SVP gesagt hat: ‹Der Lerch hat keine grossen Fehler gemacht.›» Man könne sogar sagen, fügt er an, «dass ich einen guten Job gemacht habe».

Während mit der deutlichen Wiederwahl Lerchs gerechnet werden konnte, hoffte man im Grosjean-Lager zumindest auf ein gutes Ergebnis in der Stadt Bern, wo Lerch regelmässig in die Kritik geriet. Der Vorwurf: In der Lärmthematik agiere der 60-Jährige zu restriktiv. So habe er die musizierenden Fans des FC Breitenrains gebändigt, die Flüchtlingskinder vom Hinterhof der ehemaligen Feuerwehrkaserne Viktoria verbannt und die ehemaligen Clubs Sous-Soul und Wasserwerk mit rigiden Lärmvorschriften in die Knie gezwungen.

Grosjean versuchte deshalb, mit einer liberalen Haltung in Nachtlebensfragen zu punkten. Diese Strategie scheint nicht aufgegangen zu sein. Zwar haben sich im Vorfeld der Wahlen ein paar linke Exponenten der Kulturszene für ihn ausgesprochen. Im Wahlergebnis schlug sich das aber nicht nieder: Lerchs Stimmenanteil war in der Stadt Bern mit 64,3 Prozent nur leicht tiefer als im restlichen Verwaltungskreis.

Grosjean: Wenig Interesse an Wahl

Hat Grosjean mit seiner Kandidatur dem Nachtleben einen Bärendienst erwiesen? Schliesslich sieht sich Lerch in seinem «zwischen Nachtleben und Nachtruhe auf Ausgleich bedachten Kurs» nun bestätigt. «Das glaube ich nicht», sagt Grosjean.

Das Wahlergebnis zeuge eher davon, dass man «an einem Bisherigen kaum vorbeikommt». Zudem sei augenfällig gewesen, wie klein das Interesse an der Wahl gewesen sei. «An vielen Nachtleben-Affinen ist die Wahl wohl einfach vorbeigegangen», sagt er. Die Kritik an Lerch in diesem Bereich sei jedenfalls nicht aus der Luft gegriffen.

Klar ist: Das Nachtleben wird auch künftig das Thema sein, bei dem Lerch am stärksten im Gegenwind steht. Schon bald muss er über den an der Berner Nägeligasse geplanten Jugendclub befinden.

Das Bedürfnis eines Angebots für Jugendliche ist unbestritten. Einsprachen aus der erweiterten Nachbarschaft, die Lärmemissionen befürchtet, sind aber bereits angekündigt. «Ich werde versuchen, eine Lösung zu finden, mit der alle leben können», sagt Lerch. So zeigt sich zumindest eines: Ein Kurswechsel ist aufgrund des Wahlergebnisses nicht zu erwarten.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt