Der Erlacherhof wird eingemauert

Zum zweiten Mal innert zwei Wochen hat das Kollektiv Bleiberecht vor dem Erlacherhof für eine Schliessung des Asylzentrums Hochfeld demonstriert. Diesmal wurde der Regierungssitz eingemauert – im wahrsten Sinne des Wortes.

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Gianna Blum

Es sind nur ein knappes Dutzend Aktivisten und Aktivistinnen, die am Mittwochmittag Backsteine vor dem Eingang des Erlacherhofs aufstellen. Doch die «Mauer» wächst verhältnismässig schnell in die Höhe. Hintergrund der Aktion ist der Protest gegen das Asylzentrum Hochfeld im Berner Länggassquartier.

Das Bleiberecht-Kollektiv, und eine Gruppe, die sich «Theaterguerilla-Bande OJO» nennt, fordern die Stadt laut dem im Vorfeld versendeten Communiqué auf, das Asylzentrum zu schliessen und aktiv nach Alternativen zu suchen. Indem der Berner Regierungssitz eingemauert wird, soll auf die Mitverantwortung des Gemeinderats für die «menschenunwürdigen Bedingungen im Asylzentrum» hingewiesen werden.

Das ursprünglich als befristete Notunterkunft beabsichtigte Asylzentrum in der Zivilschutzanlage Hochfeld ist seit Anfang 2012 in Betrieb. Die Asylunterkunft und mit ihr auch die Betreiberfirma ORS AG steht seit längerem in der Kritik. «Nach eineinhalb Jahren Übergang ist es langsam Zeit für eine Lösung», so Bleiberecht-Aktivist Philippe Blanc laut Mitteilung. Bereits vor zwei Wochen hat Bleiberecht den Erlacherhof in einer ähnlichen Aktion «eingebunkert»: Vor die Fenster wurden Kehrichtsäcke verhängt, womit aufgezeigt werden sollte, wie dunkel und lärmig das Leben im Bunker sei.

Gemeinderäte ergreifen die Flucht

Die Aktion vom Mittwochmittag bleibt nicht unbemerkt, tanzend und mit lauter Musik machen die Protestierenden auf sich aufmerksam. Ein Herr aus dem Erlacherhof schaltet sichtlich genervt die Musik aus, die postwendend wieder aufgedreht wird. Stadtpräsident Tschäppät verlässt den Erlacherhof via einen Seitenausgang. Er grinst zwar breit ob des Backsteins, den ihm eine Aktivistin in die Hand drückt, behalten will er ihn aber offensichtlich nicht.

Nicht nur der Stapi, auch anderen Gemeinderäten wird es im Erlacherhof zu ungemütlich: So sind etwa auch Reto Nause, Alexandre Schmidt und Ursula Wyss zu sehen, wie sie den Berner Regierungssitz via Seiteneingang verlassen. Sie nehmen die Aktion aber ebenfalls gelassen.

DerBund.ch/Newsnet

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