Demografischer Wandel treibt Rechnung durch die Decke

Vor allem die Alters- und Langzeitpflege fiel 2014 weit teurer aus als budgetiert. Auch die Behörden wissen noch nicht genau weshalb.

Die Alters- und Langzeitpflege kam dem Kanton Bern teuer zu stehen.

Die Alters- und Langzeitpflege kam dem Kanton Bern teuer zu stehen.

(Bild: Keystone)

Matthias Raaflaub

Die Kantonsrechnung 2014 hat zwar mit einem Überschuss von 212 Millionen abgeschlossen, im Sozial-, Alters- und Behindertenbereich tauchten aber nicht budgetierte Ausgaben von insgesamt 102 Millionen Franken auf, wie die Finanzdirektion am Dienstag bekannt gab. Über einen Teil davon staunt man auch bei der zuständigen Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF). Auf Anfrage erklärte GEF-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat gestern, dass allein 48,6 Millionen Franken der nicht budgetierten Ausgaben auf den Bereich der Alters- und Langzeitpflege entfallen. Die Ausgaben überstiegen sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich die Erwartungen überraschend deutlich.

Obwohl seit langem über die Perspektive einer älter werdenden Gesellschaft referiert wird, könnte der demografische Wandel stärker auf die Rechnung durchgeschlagen haben als erwartet. «Es gibt grossen demografischen Druck», sagte Jeannerat. «Der Pflegebedarf ist am Steigen, die Institutionen haben Mühe, diese Kosten zu minimieren.» Laut den kantonalen Gesundheits- und Finanzbehörden steigen der Pflegebedarf und die Pflegeleistungen. Weshalb sich diese Entwicklung im vergangenen Jahr so markant gezeigt hat, ist offenbar auch für die zuständige Direktion noch nicht verständlich. Die Mehrausgaben verdeutlichen aber das schwer kalkulierbare Risiko der gesellschaftlichen Entwicklung. Die GEF analysiere die Budgetüberschreitung nun im Detail, sagte Jeannerat.

Die Mehrausgaben zeigen: Der Abschluss des Gesundheits- und Sozialbereichs ist für die Kantonsrechnung entscheidend. Die Direktion Philippe Perrenouds budgetiert gesamthaft, eingeschlossen die Spitalfinanzierung, über 2,1 Milliarden Franken Ausgaben. Insgesamt wich die GEF-Rechnung laut Jeannerat «nur» um 77 Millionen vom Voranschlag ab. Sie sei damit noch «im grünen Bereich».

Der Bund

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