Dem Oberland gehts ans «Läbige»

Im Grossen Rat kämpfen Bürgerliche um eine garantierte Gesundheitsversorgung im Berner Oberland. Die Oberländer fürchten, ohne Spital plötzlich ganz auf der Strecke zu bleiben.

Hans Rösti (m.) und die SVP-Fraktion wollen die Gesundheitsversorgung im Oberland mit Kantonsgeldern sichern.

Hans Rösti (m.) und die SVP-Fraktion wollen die Gesundheitsversorgung im Oberland mit Kantonsgeldern sichern. Bild: Manuel Zingg

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Die Debatte um die Gesundheitsversorgung im Simmental und Saanenland kennt ihre Schauergeschichten. Vergangenes Jahr soll ein verletzter Mann in einem Seitental geschlagene vierzig Minuten auf einen Heli gewartet haben, bevor ihn professionelle Hilfe erreichte. Doch es gibt Szenarien, die nicht bedauerliche Einzelfälle oder das Resultat unglücklicher Umstände sind, sondern sogar Fachleuten Sorgenfalten in die Stirn zeichnen. Was passiert, wenn sich im Saanenland im tiefsten Winter ein Notfall ereignet, vielleicht eine Komplikation in der Schwangerschaft – die Strasse durchs Simmental aber ist von Skitouristen verstopft, das Wetter zu schlecht, als dass ein Helikopter fliegen könnte?

Seit die Spital STS AG in Thun entschieden hat, das Spital Saanen per November zu schliessen (siehe Kasten), sind solche Fragen plötzlich aktuell. Nicht allein der politische Zwist, sondern zuallererst die rein wirtschaftliche Milchbüchlirechnung hat zur Schliessung des Spitals geführt. Das hat den Oberländern offengelegt, dass eine umfassende Gesundheitsversorgung in der Peripherie keine Selbstverständlichkeit ist. Über nackte Zahlen lässt sich nicht verhandeln, und sie wecken im Simmental und im Saanenland das Gefühl, dass es einem plötzlich ans «Läbige» geht.

«Wüsten» verhindern

Im Grossen Rat wollen Bürgerliche morgen die Weichen stellen, um die medizinische Versorgung auf dem Land zu sichern. Dazu wird über ein Strauss parlamentarischer Vorstösse debattiert. Sie stammen mehrheitlich aus den Reihen der SVP, auch von der BDP ist ein Antrag eingegangen. «Was würde es wohl heissen», fragte Grossrat Peter Eberhardt (BDP) gestern seine Ratskollegen, «würde Patienten aus Bern erklärt, sie könnten hier nicht aufgenommen werden, sondern müssten nach Zweisimmen ins Spital?» Kaum jemand in der Stadt fände zumutbar, was Oberländern bei einer Schliessung des Spitals Zweisimmen bevorstehen würde, so Eberhardts Argument. Die BDP-Fraktion möchte die Garantie festschreiben, dass niemand weiter als 50 Kilometer bis ins nächste Spital braucht. So will sie verhindern, dass es in der Spitalversorgung «Wüsten» gibt.

In den ländlichen Regionen spielen bei der Diskussion um Spitäler aber auch andere Themen eine Rolle. Viele Gegenden müssen um ihre Hausärzte kämpfen. Die Nachfolge für eine gealterte Generation der Allgemeinpraktiker gestaltet sich auch im Berner Oberland schwierig. Und die Rettungsdienste haben es in den abgelegenen Gebieten schwer, gleich zuverlässig zu arbeiten wie in der Stadt. Es ist ein Wunsch der Bürgerlichen, dass 90 Prozent der Bevölkerung innert 15 Minuten Erste Hilfe erhalten müssen – umsetzen lässt sich diese «Hilfsfristregel» nur schwer.

Deckt der Kanton die Defizite?

Bei der SVP fordern unter anderen die Grossräte Hans Rösti (Kandersteg), Christoph Berger (Aeschi) und Hans Schmid (Achseten), dass der Regierungsrat darum zusätzliche Gelder zum Schutz der Gesundheitsversorgung in der Region in die Hand nimmt. Die Kantonsregierung hat signalisiert, dass sie notfalls Defizite trägt, wenn die Grundversorgung nur unrentabel zu haben ist. Doch die prekäre Finanzlage des Kantons Bern weckt mittlerweile auch an diesem Weg Zweifel.

In der Debatte im Grossen Rat werde es nicht nur darum gehen, die Schliessung des Spitals Zweisimmen zu verhindern, kündigten die ersten Redner gestern an: «Es geht um den Grundsatz, nicht ums Saanenland und Simmental allein», sagte Enea Martinelli-Messerli (BDP). «Wir sitzen im selben Boot», meinte der Kandersteger Hans Rösti. (Der Bund)

Erstellt: 11.09.2012, 06:44 Uhr

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