«Definitiv und vorbehaltlos»

Die BKW werde das AKW Mühleberg 2019 abschalten, bekräftigt Verwaltungsratspräsident Urs Gasche 
nach dem Ensi-Entscheid. Die Planung der Stilllegung sei auf gutem Weg.

AKW-Betrieb über 2019 «ist schlicht nicht angesagt»: Urs Gasche.

AKW-Betrieb über 2019 «ist schlicht nicht angesagt»: Urs Gasche.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Thönen@SimonThoenen
Dölf Barben@DoelfBarben

Die Aufsichtsbehörde Ensi hat die Massnahmen der BKW für den Betrieb von Mühleberg bis 2019 bewilligt. Sind Sie erleichtert? Ich habe damit gerechnet, weil ich weiss, was wir gemacht haben. Aber ich bin froh, dass es so ist.

Wann schaltet die BKW das AKW Mühleberg genau ab? Sicher im Jahr 2019. Ich kann nicht genau sagen, in welchem Monat. Das muss die Geschäftsleitung nach operativen Gesichtspunkten entscheiden. Es wird aber nicht der 31. Dezember 2019 sein.

Der Befund des Ensi ist ­überraschend: Die kleineren ­Massnahmen, die die BKW in ­Mühleberg nun umsetzen will, senken das Risiko sogar ein wenig stärker als die früher geplante grosse Nachrüstung . . .  . . . das sage ich ja seit Jahren, aber niemand wollte mir zuhören. Es ist besser für die Sicherheit, jetzt rasch die einfacheren Massnahmen umzusetzen, ­anstatt dass wir 2018 grosse Nachrüstungen für nur noch ein oder zwei Jahre ­haben. Ich bin froh, dass das Ensi es nun auch bestätigt hat.

Ist es für die BKW jetzt nicht ­verlockend, das AKW doch noch ein paar Jahre länger betreiben zu wollen – mit dem Argument, die Sicherheit sei ja jetzt gleichwertig mit der umfassenden Nachrüstung? Kommen Sie mir nicht wieder mit dieser alten Platte! Falls die BKW 2019 völlig überraschend verkünden sollte, wir fahren doch weiter, dann können Sie mich in der Luft zerreissen. Oder ich zerreisse mich selber und ein paar andere mit mir. Das ist schlicht nicht angesagt.

Ist ein AKW-Betrieb über 2019 hinaus unter gar keinen Umständen eine Option? Aus meiner Sicht ganz klar nicht. Wir ­haben definitiv und vorbehaltlos beschlossen, dass 2019 Schluss ist. Ich sehe eine einzige Möglichkeit für eine Änderung: Wenn uns der Bundesrat auf den Knien bitten würde, dass wir aus Versorgungsgründen weiterfahren sollen, dann täten wir das vielleicht. Aber auch in diesem Fall bin ich nicht sicher. Die ganzen Nach-Investitionen, die für einen Weiterbetrieb nötig wären, würden sich niemals rechnen.

Glauben Sie denn, dass der ­Bundesrat dies tun könnte? Nein. Neue Verhältnisse könnten jedoch zu einer neuen Beurteilung führen. Das ist einfach das Einzige, was ich mir vorstellen könnte: Dass wir, aus welchen Gründen auch immer, in einem dramatischen Versorgungsengpass stecken. Und der Bundesrat sagt, liebe BKW, du musst nachrüsten und weiterproduzieren. Das ist dasselbe mit dem Kern­energieausstieg in der Gesetzgebung. Heutige Anlagen werden nicht mehr ­bewilligt, was für mich in Ordnung ist. Aber wenn eine neue Kerntechnologie entstünde, dann könnte man wieder darüber reden. Wir reden hier jedoch über unerwartete Entwicklungen, ich kann mir heute nicht vorstellen, dass ­jemand uns anbetteln wird, Mühleberg nach 2019 weiterzubetreiben.

Kommt die Stilllegungsplanung voran? Da sind wir gut drin.

Könnte es aus technischen oder juristischen Gründen ­Verzögerungen geben? Ich hoffe es nicht. Es braucht eine Stilllegungsverfügung, welche angefochten werden kann. Was das bedeutet, kann ich jetzt nicht überblicken. Ich gehe davon aus, dass unsere Planung gut ist und bewilligt wird.

Könnte das theoretisch heissen, dass es Beschwerden gegen das Abstellen geben könnte? Das glaube ich kaum. Mit der Beschwerde könnte man wohl nur geltend machen, dass unser Vorgehen gegen geltendes Recht verstösst. Wer aus politischen Gründen gegen eine Abschaltung ist, wird diese kaum anfechten können. Bei der heutigen Rechtslage haben wir eigentlich immer das Recht, unser Werk abzuschalten.

Der Bund

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