Das Wesen der Listenverbindungen

Listenverbindungen sind als arithmetische Wahlmaximierungen nicht unumstritten.

Im Grossen Rat stehen Wahlen an, das Wahlsystem sorgt für Diskussionen. Bild: Adrian Moser

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Mit Listenverbindungen versuchen Parteien ihre Chancen zu verbessern, einen Sitz zu ergattern. Auch heuer tun es alle Parteien – ausser der BDP. Sie verzichtet, wie schon bei den Kantonswahlen vor vier Jahren und bei den Nationalratswahlen 2011. Nicht zuletzt will die BDP damit Distanz zur SVP markieren, mit der sie zwar den Regierungsratswahlkampf bestreitet, von der sie sich aber 2008 abgespalten hatte. Parteipräsident Heinz Siegenthaler sagt: «Wir hatten in den letzten Jahren Erfolg, weil wir alleine angetreten sind. So können wir beweisen, dass wir eine unabhängige Partei sind. Es gibt immer wieder Leute, die nur uns wählen und nicht noch einer anderen Partei Stimmen geben wollen.» Den Wählern sei eine Listenverbindung, gerade etwa auch mit der SVP, nicht vermittelbar, sagt Siegenthaler.

Die anderen Parteien haben da weniger Hemmungen. Kleine Parteien können so versuchen, einen Sitz zu bekommen, den sie im Alleingang nicht schaffen würden. Oder aber grössere Parteien garantieren damit, dass die Stimmen ihrer kleineren, zu wenig starken Schwesterpartei, mit der sie eine Verbindung eingehen, nicht verloren gehen.

Wenn Inhalte wenig zählen

Letzteres ist das Zeil der Unterlistenverbindungen. Das sind in der Regel Verbindungen innerhalb einer Partei, etwa Geschlechter- oder Alterslisten. Weil Jungparteien oft geringere Chancen haben für einen Sitz, drohen deren Wählerstimmen verloren zu gehen. Mit einer Unterlistenverbindung wird garantiert, dass die Stimmen der Mutterpartei zugutekommen. Unterlisten sind Standard und kommen in allen Wahlkreisen vor, etwa wenn sich die FDP Oberaargau mit ihren Jungfreisinnigen verbindet oder die SP-Frauen mit den SP-Männern in Biel-Seeland oder in Bern oder die SVP-Ost und die SVP-West im Wahlkreis Mittelland-Süd.

Bei den regulären Listenverbindungen zwischen kleinen Parteien versuchen die Akteure ihre Wahlchancen zu vergrössern. Deren zwei Listen zählen auch als eine Liste, ihre Wähleranteile werden zusammengerechnet. So ist es möglich, dass zwei kleine Parteien mit wenig Wähleranteil einen Sitz machen, eine grössere Partei, die mehr Wähleranteil hat, keinen. In der Regel bekommt jene kleine Partei den Sitz, die den grösseren Wähleranteil hat. Solche Listen gibt es zum Beispiel oft bei kleinen Mitteparteien. Da es um Gewinnmaximierung und nicht um Inhalte geht, kommen aber Kuriositäten vor, wenn sich etwa die Grünliberalen mit der EDU verbinden.

Grosse Parteien profitieren bei Restmandaten

Bei Listenverbindungen zwischen grösseren Parteien, bei denen sicher beide Partnerinnen Sitze gewinnen, geht es um Restmandate. Beide Parteien erhalten gemäss ihrem Wähleranteil Sitze im Parlament. Weil sie ihre Listen verbunden haben, erhält die Verbindung die restlichen Wähleranteile – verteilt als Restmandate. Auch hier dürfte – in der Regel und aufgrund der Mathematik – die grössere Partei profitieren. Auch solche Verbindungen kommen in allen Kreisen vor, vorab tun es Linke, etwa SP und Grüne im Oberland oder in Bern. Bei den Bürgerlichen finden sich solche Verbindungen zwischen SVP und FDP, etwa in den Wahlkreisen Mittelland-Süd, Mittelland-Nord, Emmental, Oberaargau.

Berechnet werden die Mandate bei allen Verteilschritten nach dem sogenannten Hagenbach-Bischoff-Verfahren. Dieses Verfahren ist mittlerweile auch im Kanton Bern bestritten, etwa von EVP-Grossrat Ruedi Löffel, weil es kleine Parteien benachteiligt. Es gilt aber in den meisten Kantonen. Zürich lässt keine Listenverbindungen mehr zu. Die dortige Zuteilmethode wird «Doppelter Pukelsheim» genannt – nach dem Erfinder, einem deutschen Mathematiker. (Der Bund)

Erstellt: 21.01.2014, 07:08 Uhr

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