«Das Parlament hat ein politisches Signal ausgesendet»

Die Denkmalpflege muss die Anzahl der geschützten Bauten reduzieren. Regierungsrat Bernhard Pulver ist sich noch nicht sicher, ob die Vorgabe des Kantonsparlament gänzlich umsetzbar ist.

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Matthias Raaflaub

Herr Pulver, die Denkmalpflege soll den Anteil der inventarisierten Gebäude auf 6 Prozent senken. Können Sie den Beschluss des Parlaments umsetzen? Wir müssen schauen, ob die Vorgabe von 6 Prozent überhaupt umsetzbar ist. Es ist möglich, dass bereits die Gemeinden nicht einverstanden sein werden, wenn sie einen Teil ihres inventarisierten Baubestandes verlieren. 7 Prozent hätten wir umsetzen können, 6 Prozent sind zu tief. Doch der Grosse Rat gibt mit dieser Planungserklärung keine gesetzlich verbindliche Zahl vor, sondern eine Richtgrösse. Das Parlament hat ein politisches Signal ausgesendet, dass das Bauinventar nun rasch und gründlich überarbeitet werden soll.

Um wieviele Bauten wird es schlussendlich gehen? Wir müssen die Bestände als erstes noch einmal klären. Auch aus wissenschaftlicher Sicht können wir noch nicht sagen, wie die Zahl am Ende aussieht. Vielleicht wird schon eine Quote von 7,8 schwierig zu erreichen sein, vielleicht kommen wir bis 6,2 Prozent. Das müssen wir sehen.

Entfallen jetzt nur erhaltenswerte Gebäude? Bleiben schützenswerte unangetastet? Wir würden lieber nur die Kategorie erhaltenswert korrigieren. Aber der genaue Auftrag muss erst noch verfasst werden. Müssten wir auch die schützenswerten Gebäude genauer anschauen, bedeutete das einen grossen zusätzlichen Aufwand. Viel Aufwand für nur wenige Objekte, die allenfalls aus der Kategorie fallen könnten. Schützenswerte Bauten, dazu gehören Altstädte, Schlösser und Villen, sind in Baubewilligungsverfahren weit besser akzeptiert. Ich möchte möglichst pragmatisch vorgehen.

Was wird diese Übung kosten? Das kann ich heute noch nicht beurteilen. Sollen wir auch alle schützenswerten Gebäude in die Überprüfung aufnehmen, würde es schnell weit teurer. Wir werden so oder so wahrscheinlich zwei bis drei befristete Vollzeitstellen für den Auftrag aufwenden müssen.

Gelingt das innerhalb des Budgets der Denkmalpflege? Da bin ich mir mittlerweile nicht mehr ganz sicher. Die Inventare werden ja bereits heute periodisch überprüft. Normalerweise braucht das aber 10 bis 15 Jahre. Jetzt müssen wir das dreimal so schnell erledigen. Aber es ist zu früh, um zu sagen, ob es einen Nachkredit brauchen wird.

Die Kulturpflegestrategie sollte die Denkmalpflege entlasten. Ist sie jetzt ein Schuss ins eigene Bein? Nein, schliesslich entspricht es auch dem Wunsch der Denkmalpflege, dass das Inventar in möglichst kurzer Zeit überarbeitet wird. Das gibt weniger Reibungsflächen, weshalb die Denkmalpflege motiviert ist, den Auftrag umzusetzen. Möglicherweise müssen wir aber als erstes ein realistisches Zwischenziel setzen.

Bern verfügt nun als erster Kanton der Schweiz über eine Kulturpflegestrategie. Was bringt sie? Wir haben mit der Strategie eine Bestätigung der Ziele und Arbeit der Archäologie und der Denkmalpflege erreicht. Dafür haben wir im Kanton Bern einen politischen Prozess durchgemacht. Kritik an der Kulturpflege gab es immer wieder – verständlicherweise. Kritik an der Kulturpflege gab es immer wieder – verständlicherweise. In einer politischen Debatte haben wird sie jetzt auf eine Lösung kanalisiert: Im Grundsatz wird die Denkmalpflege nicht in Frage gestellt, aber der Anteil der inventarisierten Bauten soll reduziert werden.

Ist die Denkmalpflege in der Vergangenheit übers Ziel hinausgeschossen? Das ist so – auch die Denkmalpfleger selber sagen: Mit dem Wissensstand von heute würden wir das Inventar zum Teil anders führen. Das erste Inventar wurde vor 20 Jahren erstellt. Damals wusste man noch nicht genau, welche Objekte es im Kanton überhaupt noch gibt. Heute weiss man beispielsweise, dass einige Objekte gar nicht so selten sind. Auch aus fachlicher Sicht ist daher bereits klar, dass ein Teil nicht mehr im Inventar geführt werden soll.

DerBund.ch/Newsnet

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